Hand einer alten Frau deutet auf Aktienkurse, daneben eine Lupe

Höhere Aktienquote = mehr Vermögen Mehr Aktien fürs Alter?

Stand: 16.02.2018, 15:56 Uhr

Je älter der Anleger, desto niedriger die Aktienquote - eine Faustregel, die in die Irre führen könnte. Untersuchungen zeigen, dass die Rechnung gerade bei längeren Sparzeiträumen genau anders herum Sinn macht.

Klingt nach Finanz-Science-Fiction, ist aber zumindest statistisch nachgewiesen. Wer im Laufe einer langjährigen Vorsorgephase eine Aktienquote erhöht, hat im Alter deutlich mehr Vermögen als derjenige, der - wie üblicherweise propagiert - immer stärker von Aktien in renditearme, aber "sichere" Anleihen umschichtet.

"Contrary Connie" schlägt "Prudent Polly"

Eine Untersuchung, die bereits im Jahr 2012 unter dem Titel "The Glidepath Illusion" vorgestellt wurde, belegt dies. Autor Robert D. Arnott hat dabei rund 100 Spar-Verläufe über jeweils vier Jahrzehnte im Zeitraum zwischen 1871 bis 2011 verglichen. In den Modellen wurde entweder die Aktienquote von 80 auf 20 Prozent zugunsten von Anleihen gesenkt ("Prudent Polly"); oder aber ein statischer Mix von 50 zu 50 Prozent über den selben Zeitraum vorgesehen ("Balanced Burt"). Als dritte Variante wurde eine dritte "inverse" Investmentstrategie durchgerechnet: "Contrary Connie" steigerte dabei ihre Aktienquote im Zeitverlauf von 20 auf 80 Prozent.

Das Ergebnis lässt aufhorchen: In allen Fällen hatte der Anleger am Ende der Laufzeit mehr Vermögen mit der steigenden Aktienquote erwirtschaftet als im umgekehrten Fall. Der Renditevorsprung bei der inversen Strategie lag bei zehn bis 20 Prozent. Und selbst im ungünstigsten Szenario hatte der aktienfreudige Sparer im Alter mehr von seinem Investment übrig als der vorsichtige Altersvorsorger.

Aktienquote minus oder plus?

Grund genug, die klassische Denkweise in Frage zu stellen. Üblicherweise gehen Vermögensberater und -verwalter davon aus, dass das angesparte Vermögen umso sicherer angelegt wird, je näher der Rentenantritt rückt. Dabei wird oft die Regel "Aktienquote = 100 minus Lebensalter" propagiert. Damit sollen die Ersparnisse für die Phase der Entnahme nach dem Erwerbsleben vor allzu starken Schwankungen geschützt werden, wie sie am Aktienmarkt üblich sind.

Auch in vielen Anlageprodukten und Strategien in der Vermögensverwaltung finden sich die Gleitpfadmodelle wieder. Ob in bei fondsbasierten Riester-Produkten, Lebensversicherungs-Varianten, die gleichfalls auf Fonds basieren oder auch Laufzeitfonds: Stets wird in Richtung angedachtem Rentenstart in schwach rentierliche Anleihen oder den Geldmarkt umgeschwenkt. Bei staatlich geförderten Produkten sind die Anbieter sogar gewissermaßen dazu verpflichtet - denn hier müssen zum Rentenantritt zumindest die eingezahlten Beiträge aufgezahlt werden. Das Risiko, für möglich Verluste der Sparer aufzukommen, wollen Versicherer und Fondsgesellschaften nicht eingehen.

Risikoprofil muss stimmen

Für Anleger stellen sich bei der Justierung seiner Aktienquote freilich vor allem ganz individuelle Fragen: Wie sieht etwa die Vermögenssituation insgesamt bei Rentenantritt aus? Sorgen gesetzliche und betriebliche Rente zusammen etwa mit einer staatlich geförderten privaten Vorsorge für finanzielle Sicherheit durch monatliche Einkünfte im Alter? Und nicht zuletzt: Wie ist es um die Risikobereitschaft des Rentners in spe bestellt? Wer schlaflose Nächte verbringt, wenn sich der Aktienmarkt einmal in einer Baisse-Phase befindet und das Aktienvermögen schwindet, der dürfte mit einer niedrigeren Aktienquote im Alter besser bedient sein.

Höhere Quoten bei Anlageprodukten

Wer an der Renditeschraube drehen und sein "Exposure" im Aktienmarkt erhöhen will, kann dies über mehrere Wege tun. Das eigene Depot kann auch im Alter per Einzeltitel oder breit gefächerten Indexfonds (ETF) stärker mit Aktien bestückt bleiben. Wird auf Riester- oder Lebensversicherungs-Produkte gesetzt, kann auch hier der Aktienanteil möglichst hoch gehalten werden. Auch bei Online-Vermögensverwaltungen (Robo-Advisors) gibt es die Möglichkeit, die Quote an Aktien im Zeitverlauf höher anzusetzen. Laufzeitfonds, bei denen eine automatische Umschichtung zum Laufzeitende erfolgt, können ebenfalls "aktienlastiger" ausgewählt werden (s. unsere Übersicht: An der Aktienquote drehen). Wie überall gilt freilich auch hier: Mehr Rendite gibt es nur mit höherem Risiko.

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An der Aktienquote drehen Per Fonds, Riester oder Lebensversicherung

Eine Frau geht mit Einkaufstüten, auf denen die Logos von Henkel und Beiersdorf zu sehen sind, shoppen.

Dividenden-Titel
Dividendenstarke Titel aus eher defensiven Branchen sind die richtige Wahl, wenn fürs Alter per Aktienanlage vorgesorgt werden oder im Alter eine hohe Aktienquote gehalten werden soll. Einerseits sind Titel etwa aus dem Konsum- oder Gesundheitssektor weniger anfällig für kurzfristige Schwankungen am Aktienmarkt. Zudem zahlen viele der international tätigen Großkonzerne eine stabile Dividende - die beständig die Rente aufbessert. Psychologischer Nebeneffekt: Kursverwerfungen können so leichter ausgeblendet werden.

AB