Bankschließfächer mit Gittern davor

Ruhig bleiben und defensiv umschichten Machen Sie Ihr Depot rezessionsfest!

von Till Bücker

Stand: 09.04.2019, 16:01 Uhr

Eine zumindest zeitweise inverse Renditekurve und Gewinnwarnungen wie die von Samsung – die Zeichen deuten auf eine mögliche Rezession hin. Besonders den Tech-Sektor dürfte es hart treffen. Ist es jetzt an der Zeit, sich in Value-Aktien zu retten? Welche Aktien sind besonders rezessionssicher?

Der Bullenmarkt in den USA ist mittlerweile der längste in der Geschichte. Seit der Finanzkrise 2009 kletterte der Dow Jones um über 300 Prozent, der Nasdaq 100 gar um fast 500 Prozent. Und auch das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten könnte in diesem Jahr den längsten Aufschwung der Historie erreichen. Viele Anleger runzeln die Stirn: Wann kommt die überfällige Rezession?

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.150,46
Differenz relativ
-0,26%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.834,90
Differenz relativ
-0,88%

Zwar zeigen Daten der San Francisco Federal Reserve, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession mit der Dauer einer Expansionsphase nicht signifikant wächst. Dennoch ist die Sorge vor einem wirtschaftlichen Abschwung groß. Die Rendite für kurzfristige US-Staatsanleihen überstieg zuletzt für eine gewisse Zeit die für zehnjährige. Das klingt erst einmal nicht weiter schlimm. Aber: Eine inverse Renditekurve ist der wohl verlässlichste Rezessionsindikator überhaupt.

Allen vergangenen sieben Rezessionen in den USA ging eine inverse Renditekurve voraus. Zuletzt invertierte die US-Renditekurve 2007 - kurz darauf brach die globale Finanzkrise aus, welche die USA in die tiefste Rezession seit 1929 stürzte. Trotzdem ist die Faustformel mit Vorsicht zu genießen.

Samsung als Warnung für die gesamte Tech-Branche

Was die inverse Renditekurve für die Wirtschaft im Allgemeinen bedeutet, ist für die Technikbranche die überraschende Gewinnwarnung des Elektroriesen Samsung. Wegen fallender Preise bei Speicherchips und eines scharfen Wettbewerbs bei Displays und Smartphones erzielte der Marktführer sein niedrigstes Quartalsergebnis seit mehr als zwei Jahren.

Der Technologiebranche drohen schwierige Zeiten. DRAM-Chips gelten als das Herzstück der Hardwareindustrie. Sie werden vor allem in Smartphones, Computern und Servern eingesetzt. Experten zufolge gaben die Preise im Vergleich zum Jahresauftakt im Durchschnitt mehr als 20 Prozent nach. Doch auch der Preisabsturz konnte die schwache Nachfrage bisher nicht verbessern.

Ein Großteil des weltweiten Wirtschaftswachstums in den letzten zehn Jahren wurde durch den Technologiesektor angetrieben. Ein Problem in der Tech-Szene kann schnell zu einem Problem der Weltwirtschaft werden.

Umschichten statt Panikverkäufe

Eine Rezession im Jahr 2020 scheint also nicht unwahrscheinlich. Wann genau und wie stark dieser Abschwung kommt? Ungewiss. Trotzdem können sich Anleger vorbereiten. Das Wichtigste: Keine Panikverkäufe! Davon raten auch jetzt wieder Analysten der Sutor Bank in einer aktuellen Studie ab. Langfristig sorgen kopflose Verkäufe für das Verpassen von Tagen mit hohen Kursgewinnen.

Besser ist da eine sinnvolle Asset-Allokation und eine defensivere Ausrichtung: ein Mix aus ETFs, Aktien aus unterschiedlichen Branchen und Regionen sowie Anleihen. Eine hohe Diversifikation minimiert das Risiko in volatilen Märkten. Anleger, die auf Nummer sicher gehen wollen, sollten sich beim Aktienanteil an der 35-Prozent-Marke orientieren oder gar bei 20 Prozent einpendeln.

Aktienexperten empfehlen vor allem große Unternehmen mit starken Geschäftsmodellen, hoher Marktkapitalisierung, starker Dividende und Preissetzungsmacht. Diese defensiven und risikoarmen Titel können eine mögliche Rezession abfedern. Aus konjunktursensiblen, zyklischen Branchen wie Chemie, Bau, Industrie sollten Anleger eher aussteigen. Auch Auto- und Technologiewerte sollten sie meiden. Titel aus klassischen Sparten wie Pharma, Gesundheit und Nahrungsmittel halten die Spezialisten für stabiler.

Einige Marktbeobachter raten auch zu Rohstoffen, vor allem Edelmetallen wie Gold oder Öl zur Diversifikation. Mit Blick auf die aktuelle Volatilität sind diese Tipps allerdings problematisch.

Profitieren in der Rezession

Staatsanleihen gewinnen in Rezessionen oft am meisten an Wert. Das liegt zum einen an der Flucht in Sicherheit und risikofreie Anlagen, zum anderen an den durch geringere Inflationserwartungen sinkenden Zinsen. Anleihen dienen nicht nur als Puffer im Portfolio, sondern können in der Rezession auch wieder verkauft werden, um günstig neue Aktien zu erwerben.

Unterm Strich zählt: Bleiben Sie ruhig und streuen sie Ihr Depot sinnvoll, basierend auf Ihrem persönlichen Risikoprofil und Ihren langfristigen Zielen. Dann können Sie den eventuellen Bärenmarkt nicht nur überleben, sondern auch tatsächlich davon profitieren.