Ganz auf die Dividende setzen Lernen von Warren Buffetts Lehrmeister

von Angela Göpfert

Stand: 04.01.2018, 10:38 Uhr

Als "Erfinder" der "Dogs of the Dow"-Strategie wird häufig Michael O'Higgins genannt. Der amerikanische Anlageprofi hat das Konzept in seinem Buch "Beating the Dow" 1991 beschrieben. Tatsächlich aber...

Warren Buffett

Warren Buffett. | Bildquelle: picture alliance / dpa

... geht die Dogs-Strategie auf Benjamin Graham (1894 bis 1976) zurück. Der legendäre Value-Investor und Professor an der Columbia Universität gilt als geistiger Vater von Warren Buffett. Buffett ist übrigens der einzige Student, der jemals eine "Eins mit Sternchen" von Graham bekommen hat. Auch heute noch ist Grahams erstmals 1934 veröffentlichtes Buch "Security Analysis" (Wertpapieranalyse) für viele Anleger eine Bibel.

Hoch rentierliche Strategie

Was für den erfolgreichsten Investor des 20. Jahrhunderts funktionierte, kann für den normalen Anleger auch nicht verkehrt sein, mag sich nun manch ein User denken. Und in der Tat: Historisch betrachtet habe man mit der "Dogs of the Dow"-Strategie jährlich etwa fünf Prozent mehr Performance erzielt als mit dem Dow-Jones-Index selbst, erläutert etwa Zertifikate-Experte Peter Bösenberg von der Société Générale.

Je nach gewähltem Zeithorizont kommt man auf leicht abweichende Ergebnisse: So zeigten die Dogs laut einer Studie für die Jahre 1957 bis 2003 eine durchschnittliche jährliche Performance von 14,3 Prozent - drei Prozentpunkte mehr als der Dow-Jones-Index. O'Higgins rechnete in "Beating the Dow" für die Jahre 1973 bis 1989 sogar vor, dass die Dogs-Strategie mit 17,9 Prozent rentierte - verglichen mit 11,1 Prozent für den Dow.

Üble "Hundejahre"

Doch auch wenn sich die Strategie im historischen Schnitt absolut bewährt hat, gilt es zu differenzieren. Es gab natürlich auch einige Börsenjahre, die den Anhängern der Hunde-Strategie schwere Verluste bescherten. In Hausse-Jahren wie etwa den 1990ern oder auch 2009 versagte sie völlig. Die "Dogs" entwickelten sich in dieser Zeit teils deutlich schlechter als der Index.

2008 brachten die per Ende 2007 ausgewählten Dogs dem Anleger einen Verlust von 41,6 Prozent - der Dow Jones fiel hingegen "nur" um 36,9 Prozent. Schuld an der schlechten Performance der "Dogs" waren die eigentlich als dividendenstark eingeschätzten Banken-Titel sowie der Autokonzern General Motors. In der Finanzkrise stürzten diese Papiere dann jedoch besonders steil ab.

Für Langfrist-Investoren

Zusammenfassend ist die "Dogs of the Dow"-Strategie vornehmlich eine Anlagestrategie für schlechte bis leicht gute Börsenjahre. Ihre Überlegenheit stellte sie überdies vor allem bei langen Anlagehorizonten von 15 Jahren und mehr unter Beweis. Unter dieser Prämisse konnte für fast alle Zeiträume eine Outperformance der Strategie gegenüber dem Index nachgewiesen werden.

Doch die "Dogs of the Dow"-Strategie hat neben dem statistisch gut belegten Plus bei der Performance noch weitere Vorzüge. So investiert der Anleger in hochliquide Aktien großer Unternehmen. Er streut das Risiko, da die "Dogs" in aller Regel aus allen möglichen Branchen von Pharma- über Finanz- bis hin zur Automobilsektor stammen.

Angenehm beschauliche Idylle?

Ein weiterer Vorteil dieser Strategie im Gegensatz zu anderen Anlagestrategien wie Arbitrage, Chartsignale oder Fundamentalanalyse: Sie ist eine äußerst beschauliche Strategie. Nur einmal im Jahr muss man sich um sein Depot kümmern. Der Zeitaufwand ist verschwindend gering, die Transaktionskosten halten sich in Grenzen.

Allerdings birgt auch die "Dogs of the Dow"-Strategie gewisse Risiken. So sollten Anleger aus dem Nicht-Dollar-Raum unbedingt das Währungsrisiko beachten, wenn sie US-Aktien kaufen.

Disziplin, Disziplin und nochmals Disziplin

Darüber hinaus bedarf diese Anlagestrategie einer besonders disziplinierten Anlegerpsyche: Das tägliche Börsengeschehen, die Aufs und Abs, das Seitwärtsgeplänkel, die Panik, die Ungewissheit und die Euphorie - all das soll und darf den "Dogs of the Dow"-Anleger nicht beeindrucken. Er muss seine Strategie durchziehen und sich nicht zu zwischenzeitlichen Käufen oder Verkäufen verführen lassen - egal, was kommt.

Die "Dogs of the Dow"-Strategie ist darüber hinaus auch nichts für denjenigen Privatanleger, der auf schnelle Gewinne aus ist. Wer ohnehin nur einen Anlagehorizont von ein paar Jahren hat, sollte besser auf andere Anlagestrategien ausweichen. Denn nur in der langen Frist können "echte Hundejahre" an der Börse, die es auch mit dieser Strategie gibt, ausgeglichen werden.