Kunstmarkt

Paul Gauguins

Die Kunst zum Geldanlegen Große Kunst für kleine Anleger?

Stand: 23.03.2015, 15:57 Uhr

Fürs sauer Ersparte gibt's so gut wie keine Zinsen mehr. Das macht kreativ, Anleger liebäugeln mit dem boomenden Kunstmarkt. Hier fließt das Geld reichlich, die Rendite stimmt offenbar. Aber lohnt Kunst wirklich? Ist sie nur was für Superreiche oder auch für Kleinanleger?

Die Superreichen haben die gleichen Sorgen und Nöte wie die weniger Begüterten. In Geldfragen sind sie sogar etwas größer. Das Geldvermehren wird schwieriger. In Zeiten rekordniedriger Zinsen ist es auch mit einem Riesenvermögen nicht mehr so leicht wie früher, vom Zins allein leben. Seit die Europäische Zentralbank den Markt mit Geld flutet, ist es sogar ein Balanceakt geworden, das Vermögen zu erhalten. Etliche sichere Geldanlagen fordern bereits Minuszinsen, beispielsweise schmilzt bei deutschen Staatsanleihen bis zu fünf Jahren Laufzeit das angelegte Geld.

Wohin also mit dem lieben Geld?

Im herrschenden Anlagenotstand fließt viel Geld in Aktien und Immobilien – und eben auch in Kunst. Es fließt sogar so reichlich wie nie. Laut "The European Fine Art Foundation" (Tefaf) war 2014 ein Rekordjahr. Auf dem globalen Kunstmarkt wurden 51 Milliarden Euro umgesetzt, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Damit wurde das bisherige Rekordjahr 2007 übertroffen, als kurz vor Ausbruch der Finanzkrise Gemälde und Skulpturen für 47 Milliarden Euro verkauft wurden.

Nach der Zahl der Transaktionen ist noch nicht wieder der Rekord von 2007 erreicht. Die neue Höchstsumme kam durch die immer irrwitziger werdenden Preise zusammen. Bei Auktionen von Sotheby's und Christie's wechseln gar nicht so selten Werke für einen zweistelligen Millionenbetrag den Besitzer.

"Der Boom ist ungebrochen", sagt Carolin Jost, Kunstberaterin der HypoVereinsbank (HVB). Begonnen habe er in den 80er-Jahren. "Damals hat die Kunst den elitären Insider-Markt verlassen." Nach einem Rückschlag in der Finanzkrise sei die Begeisterung der Anleger wieder gewachsen. Es scheint ein lohnendes Geschäft. Laut der Wirtschaftsprüfer von Deloitte sind beispielsweise die Preise für zeitgenössische Kunst seit dem Jahr 2000 durchschnittlich um fast zwölf Prozent pro Jahr gestiegen.

Chinas Reiche kommen

Der Kunstboom ist nicht allein liquiditätsgetrieben und durch die Geldpolitik der Notenbanken genährt. Kunst wird zunehmend interessant für die neuen Reichen aus aufstrebenden Staaten wie China. Es gibt neue, extrem kaufkräftige Sammler aus Schwellenländern oder den Golfstaaten in den bislang von Amerikanern dominierten Kunstmarkt. Die neuen Sammler haben Nachholbedarf. Privatsammler wie Museen kaufen Exponate lange etablierter Künstler ebenso wie Werke im rasant wachsenden Segment zeitgenössischer Kunst.

Hinter der Jagd auf Kunst stecken nicht allein Leidenschaft und Investment-Strategie. Auch der Wunsch, sich mit Status-Symbolen zu schmücken, treibt. "Wie es schon immer in der Geschichte der Kunst war, wird auch gekauft, weil die Menschen andere beeindrucken wollen", sagt Jacob Pabst, Chef der in Frankfurt börsennotierten Online-Kunstplattform Artnet.