Euro-Geldregen

Gebühren im Visier Kosten runter beim Fonds- und Aktienkauf

Stand: 11.07.2019, 16:00 Uhr

Geringere Gebühren sind gleichbedeutend mit mehr Rendite. Wer beim Handel mit Aktien und Fondsanteilen einige "Spar-Regeln" beachtet, kann inzwischen erleckliche Beträge einsparen. Einsparpotenziale gibt es an vielen Stellen bei der Wertpapieranlage.

Am Börsenhandel, am Kauf und Verkauf von Wertpapieren und an der Aufbewahrung von Aktien und Fondsanteilen wollen naturgemäß viele verdienen: Börsenbetreiber, Broker, Depotbanken, Emittenten und Fondsgesellschaften. Gebühren und Kosten läppern sich für den Anleger schnell bis in den Prozentbereich seines Anlagebetrages. Belastungen, die sich im Verlauf einiger Jahre deutlich in der Entwicklung des eigenen Depotwertes niederschlagen.

Unnötig: Die Depotgebühr

Unnötige Kosten zu vermeiden setzt voraus, zunächst einmal die Kostenquellen zu identifizieren. Derer gibt es im Handel mit Aktien und Fonds eine ganze Reihe. Früher durchaus üblich, sind die Gebühren für das Verwalten der Aktienbestände im eigenen Depot eher ein Auslaufmodell. Direktbroker wie Comdirect, Consorsbank, Onvista Bank oder ING Diba bieten seit Jahren gebührenfreie Depots an. Bei einigen Banken zahlt der Kunde sie weiterhin. Dabei gibt es prinzipiell die Monats- oder Jahrespauschale. Hier hilft - vor allem bei größeren Depots - nur der Wechsel zu einem anderen Anbieter.

Stark reduzierbar: Die Transaktionsgebühr

Der wichtigste Kostenfaktor beim Aktien- und Fondskauf: Banken und Broker verlangen für die Abwicklung der Transaktion entweder eine feste Pauschale oder eine prozentuale Gebühr, plus einer Grundgebühr. Der Fixbetrag ist in fast allen Fällen die günstigere Variante, insbesondere, wenn die Order ein größeres Volumen hat. Deutlich unter Durchschnitt zahlt man etwa bei der Onvista Bank, Flatex oder DeGiro. Wer mit hoher Frequenz tradet, bekommt bei vielen Anbietern auch "Mengenrabatt".

Ein erstes Angebot des "kostenlosen" Aktien- und ETFs-Handels gibt es inzwischen auch: Die Trading-App "Trade Republic", die mit der Großbank HSBC und der Berliner Solaris Bank kooperiert, macht ein solches Angebot. Gehandelt wird allerdings ausschließlich über das Handelshaus Lang & Schwarz. Für einen Euro Fremdgebühr können hier Wertpapiere ge- und verkauft werden. Trade Republic finanziert sich über Rückvergütungen von Banken, an die die Kundenorders weitergeleitet werden.

Börsengebühren umgehen

Um die Börsengebühr, die die Deutsche Börse als Betreiber von Xetra und die Regionalbörsen wie Stuttgart oder München als Courtage erheben, kommt aber kein Broker herum. In der Regel wird sie auf die Anleger umgelegt. Die Frankfurter Wertpapierbörse verlangt ein "Handelsentgelt". Um diese Gebühren im Bereich von wenigen Euro pro Order zu vermeiden, kann man die Börsenplätze Tradegate oder Quotrix nutzen - hier entfallen Courtage oder Handelsentgelt.

Ausgabeaufschlag, es geht auch ohne

Bei aktiv gemanagten Investmentfonds fällt beim Kauf über die Fondsgesellschaft zumeist ein Ausgabeaufschlag in Höhe von drei bis fünf Prozent an. Um diesen zu vermeiden, können die Fonds aber in aller Regel auch über die Börsenplätze wie Frankfurt gekauft werden. Viele Banken und Online-Broker bieten eine Auswahl von Fondsprodukten aber inzwischen auch ganz ohne Ausgabeaufschlag an. Hier lohnt es sich auf entsprechende Aktionen zu achten oder bei einer größeren Order sogar einen Broker anzusteuern, der den gewünschten Fonds entsprechend rabattiert anbietet.

ETF statt aktivem Fonds

Indexfonds, die einen Aktien-, Renten- oder auch Rohstoffindex abbilden, sind längst auch bei Privatanlegern in Mode, auch wenn sie vielfach von Banken nicht gerne ins Schaufenster gestellt werden. Der Grund liegt vor allem in der schlanken Kostenstruktur der Produkte. Einen Dax-ETF gibt es bei Anbietern wie Xtrackers, Vanguard oder Comstage bereits für 0,10 Prozent jährliche Kosten. Da kann kein aktiv gemanagter Fonds mithalten.

Sparplan-Gebühren können sich ärgerlich läppern

Aktien- und Fondssparpläne können ein wahrer Kostenfresser sein, weil bei praktisch allen Brokern eine kleine Gebühr als Sockelbetrag je Sparrate erhoben wird. Wer für jede 50-Euro-Sparrate einen Euro Gebühr zahlt, schmälert seine Renditeerwartung erheblich. Hier hilft nur nach dem jeweils günstigsten Anbieter für die eigene Sparrate zu fahnden - oder vielleicht größere Beträge in längeren Intervallen wie viertel- oder halbjährlich in den Sparplan einzuzahlen. ETF-Sparpläne werden zum Teil auch ohne Gebühren je Rate angeboten.

Ein Auge auf den Spread

Die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis (Spread) kann im Aktienhandel zwischen wenigen Promille bis mehreren Prozent ausmachen. Je liquider ein Wert ist, also je mehr Käufer und Verkäufer am Markt sind, desto geringer fällt diese Spanne aus. Bei Dax-Werten beträgt sie nur wenige Cent, bei Aktien kleinerer Unternehmen durchaus mehr. Kostengünstig ist es in jedem Fall zu den Haupthandelszeiten seine Aktienkäufe zu tätigen. Für US-Aktien bietet sich damit der späte Nachmittag an. An der Börse Stuttgart etwa können Dax- und MDax-Aktien ganz ohne Spread gekauft werden. Auch bei börsengehandelten Indexfonds (ETF) schwankt dieser Spread je nach Tageszeit und Marktlage.

Orderzusätze beachten

Gerade wer viel handelt, eng am Marktgeschehen ist oder seine Depotbestände taktisch absichert, kann Extra-Gebühren nicht gebrauchen. Einige Banken verlangen für das Setzen, Ändern oder Löschen von Limits oder Stop-loss-Marken bei der Ordereingabe solche Gebühren. Zum Teil fallen die Kosten auch nur an, wenn einer dieser Orderzusätze auch aktiv geworden ist, also etwa eine Stop-loss-Order ausgelöst wurde.

Teilausführungen umschiffen

Sehr ärgerlich, aber zum Großteil vermeidbar sind die Gebühren bei Teilausführungen. Hier wird bei einer Order nur ein Teil der bestellten Aktien in einer Transaktion gekauft. Orders, die vor allem über das Computerhandelssystem Xetra "gestückelt" werden, verursachen je nach Broker auch mehrfach Transaktionsgebühren. Einige Anbieter berechnen diese Mehrfachgebühren nicht, wenn die gesamte Order an einem Handelstag ausgeführt werden konnte.

AB