ARD-Börsenstudio: Ulrich Barths
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Kommentar 2018 - ein Börsenjahr zum Vergessen

von Ulrich Barths

Stand: 02.01.2019, 11:28 Uhr

Viel Schönes kann ARD-Börsenradio-Chef Ulrich Barths dem Börsenjahr 2018 nicht abgewinnen - leider auch dem neuen Jahr nicht.

2018 - ein Börsenjahr zum Vergessen, ja, aber bitte nicht zum Verdrängen.

US-Präsident Donald Trump und sein Handelskrieg ist das, was am meisten Schaden angerichtet hat. Und worüber ich mich besonders ärgere. Denn freier Handel, mit möglichst wenig Barrieren, das ist es doch, was Jobs schafft und Wohlstand - auf lange Sicht.

Als es Ernst wurde mit dem Handelskrieg, mit immer neuen Drohungen und Strafzöllen, waren die Börsianer entsetzt. Die Kurse gerieten ins Rutschen (und hörten nicht mehr auf).

Unverantwortlich vom US-Präsidenten, aber die Chinesen und wir in Europa waren mit reflexartigen Gegenmaßnahmen nicht wirklich besser. Trump hat angefangen, aber wir haben weitergemacht. Ich teile die Angst an den Märkten vor den Folgen dieser törichten Politik.

Das Chaos um den Brexit hat die Angst an der Börse noch verstärkt. Dabei stehen nicht nur Wachstum oder Gewinn oder Aktienerfolg auf dem Spiel. Politische Verwerfungen drohen, auch das ein unkalkulierbares Risiko.

Nicht nur die schlechte Politik verunsichert

Es ist aber nicht alles schlechte Politik. Stichwort Zinsen: Sie steigen - an sich ganz normal, und gut so, dass die amerikanische Notenbank damit voran prescht. Aber - das sorgt das für noch mehr Nervosität.

Die Fed und ihr Chef Jerome Powell stehen vor einer Riesen-Aufgabe, eine um die ich sie nicht beneide. Sie müssen 2019 dafür sorgen, dass die Preise nicht ins Galoppieren kommen, dürfen aber Wirtschaft und Unternehmen nicht abwürgen. Wie sie das hinkriegen, wird wesentlich mitentscheiden über Wohl und Wehe des Börsenjahres 2019.

Starker Tobak das alles. Es wäre schön, wenn sich Anleger wenigsten auf die Unternehmen an der Börse verlassen könnten. Leider haben wir da mit Zitronen gehandelt.

Denn die Unternehmen werden von Managern geführt, und die haben in diesem Jahr zu oft gezeigt, dass auf sie kein Verlass ist. Beispiel Datenskandal bei Facebook. Beispiel Managerlegende und Renault-Chef Carlos Ghosn, der in Japan in Haft sitzt - Verdacht auf falsche Bilanzen und auf Veruntreuung.

Und Beispiel Deutsche und  Commerzbank. Ausgerechnet die beiden größten Banken Deutschlands sind Sanierungsfälle. Ihre Aktien sind abgestürzt, die Spitzenleute ratlos - wie und wo sollen wir eigentlich noch Geld verdienen? Zu allem Überfluss tauchten bei der Deutschen Bank auch in diesem Jahr wieder neue Vorwürfe über weitere kriminelle Machenschaften auf. 

Wird 2019 besser als 2018? Zum ersten Mal seit vielen Jahren muss ich leider sagen – ich glaube nicht.