Klimaschutz

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Low-Carbon-Strategie zahlt sich aus Klimawandel an der Börse

von Notker Blechner

Stand: 19.10.2016, 15:32 Uhr

Vor knapp einem Jahr gelang mit dem Pariser Klima-Abkommen ein Durchbruch beim Klimaschutz. Dass sich auch an der Börse mit weniger Kohle mehr Kohle verdienen lässt, zeigt der MSCI World Low Carbon Leaders.

Der Index befindet sich im Aufwind. Auf Ein-Jahres-Sicht hat er sieben Prozent zugelegt und den MSCI World Index abgehängt, der nur um knapp zwei Prozent stieg. Das ist bemerkenswert. Denn eigentlich unterscheiden sich die beiden Indizes nicht sehr voneinander.

Der MSCI World Low Carbon Leaders schließt lediglich Aktien von klimaschädlichen Konzernen aus. Genauer gesagt 20 Prozent der Firmen mit der höchsten Intensität an Treibhausgasemissionen. Ebenso ausgeschlossen sind auch die Konzerne mit den größten fossilen Reserven.

Höhere Performance als der MSCI World

In den letzten Jahren hatten sich der MSCI World Low Carbon Leaders und der Welt-Aktien-Index MSCI World quasi im Gleichschritt entwickelt. Seit seiner Auflegung im November 2010 hat der Low Carbon-Index eine durchschnittliche jährliche Performance von 9,8 Prozent geschafft. Zum Vergleich: Der MSCI World performte mit 9,4 Prozent. Es gab bislang nur ein Jahr, nämlich 2011, in dem der klimafreundliche Index eine negative Rendite abwarf.

Der Low-Carbon-Index ist letztlich die klimafreundliche Variante des MSCI World. Er reduziert die Treibhausgas-Emissionen gegenüber dem Welt-Aktienindex um 50 Prozent.

Mit ETFs das Klima retten

Anleger können über einen ETF auf den klimafreundlichen Index investieren. Amundi bietet seit Mai 2015 den ETF MSCI World Low Carbon an. "Wir wollen den CO2-Fußabdruck deutlich reduzieren", sagt Amundi-Experte Frédéric Hoogveld.

Klimaschutz an der Börse gewinnt zunehmend an Bedeutung. Mehrere institutionelle Investoren wollen zunehmend ihr Geld nachhaltig anlegen, ohne der Umwelt zu schaden. So verkündete Ende 2014 die mächtige Rockefeller-Stiftung das Ende der Investments in fossile Energieträger. Auch der französische Versicherer Axa und die Allianz stecken nicht mehr ihr Geld in Unternehmen, die ihr Hauptgeschäft mit dem fossilen Brennstoff machen. Und der norwegische Staatsfonds hat Firmen aus dem Portfolio verbannt, die mindestens 30 Prozent ihres Umsatzes direkt oder nachgelagert aus der Kohleförderung erzielen. Diese "Divestment"-Bewegung gewinnt immer mehr Anhänger.

Immer mehr Investoren setzen auf Klimaschutz

Konzerne achten zunehmend auch in den Klimaschutz auf den Value-at-Risk, den zu erwartenden Wertverlust aufgrund der schädlichen Auswirkungen des Klimawandels. Firmen wie Carbon Delta ermitteln diesen Value-at-Risk.

Nach Ansicht von Carbon-Delta-Chef Oliver Marchand hat das Interesse an klimaschonenden Investments seit dem Klimagipfel im Dezember 2015 in Paris zugenommen. Im Pariser Klimaabkommen wurde vereinbart, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. In den nächsten 15 Jahren werden Expertenschätzungen zufolge 93 Billionen US-Dollar für Investitionen in eine kohlenstoffarme Infrastruktur benötigt. Staatliche Mittel alleine können den Bedarf nicht decken.