Wellenförmige Landschaft mit Hochhäusern und Wasser, darüber ein Globus

Studie zeigt Wissensdefizite Hohe Hürden für nachhaltige Geldanlage

Stand: 03.02.2020, 14:41 Uhr

Anleger in Deutschland haben weiterhin Interesse daran, ihr Geld mit nachhaltigen Kriterien anzulegen. Aber den Weg dahin sehen sie noch nicht so recht, wie eine aktuelle Studie von Emnid und der Fondsgesellschaft Fidelity zeigt.

Die Anlage in Aktien oder Investmentfonds ist für die Bundesbürger ohnehin ein mentaler Kraftakt, das zeigen immer wieder Befragungen und auch die pure Investmentstatistik. Wenn es dann noch um die Beachtung von Kriterien der Nachhaltigkeit bei der Auswahl von Finanzprodukten geht, wird es ganz schwierig.

Laut der Emnid-Umfrage hat kein einziger der rund 3.200 Befragten bislang explizit "nachhaltig" investiert. Dabei sehen die Umfrageteilnehmer darin durchaus eine Notwendigkeit. 91 Prozent von ihnen fordern die Politik zu mehr Klimaschutz auf. Gleichzeitig fordern 64 Prozent die Finanzindustrie dazu auf, Anlagen, bei denen etwa die ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) berücksichtigt werden, besser zu erläutern.

Bessere Aufklärung gefragt

Für jeden Zweiten sei die "Gewissheit wichtig, dass die Rendite nicht unter den nachhaltigen Anlagekriterien leidet", so die Studie. 47 Prozent von ihnen fordern, dass ihr Finanzinstitut "sie stärker abholen und sie konkret auf diese Produkte hinweisen" soll. Nur jeder Zehnte (neun Prozent) würde grundsätzlich nicht in ESG-Produkte investieren.

Die Ergebnisse der Umfrage decken sich mit mehreren Untersuchungen der vergangenen Monate. Alle bescheinigen den Deutschen, sich nicht gut informiert über Geldanlage im allgemeinen und nachhaltige Anlage im besonderen zu fühlen.

Fondszuflüsse steigen

Dennoch steigt laut verschiedenen Quellen die Bereitschaft, etwa in nachhaltige Fondsprodukte zu investieren. Die Fonds-Plattform Ebase etwa hatte bereits Mitte 2019 von stärkeren Zuflüssen von Mitteln in Nachhaltigkeitsfonds berichtet.

Und eine Umfrage der Deutsche-Bank-Tochter DWS hat Ähnliches ergeben: So beantwortete ein Drittel der Teilnehmer die Frage mit „Ja“, ob sie schon einen Teil ihres Vermögens in nachhaltige Geldanlagen wie ESG-Fonds investiert haben.

EU erzwingt Aufklärung

Für Anleger, aber auch Bankberater wird das Thema Nachhaltigkeit in den kommenden Monaten wohl auf durch gesetzliche Vorgaben weiter aktueller. Ein EU-Aktionsplan zum Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit sieht vor, dass Bankberater und Finanzvermittler ihre Kunden ausdrücklich fragen müssen, ob sie nachhaltige Investmentprodukte kaufen wollen. Dann werden sich auch die Berater in der Filiale wohl ernsthafter mit dem Thema auseinander setzen müssen.

Bei den Anlageprofis ist es indes schon lange üblich, Themen wie Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung bei den Investments zu berücksichtigen. Laut einer Studie von Union Investment legten bereits Mitte 2019 51 Prozent der befragten Kreditinstitute Wert auf die Berücksichtigung entsprechender Kriterien - beim Verwalten der Eigenanlagen wohlgemerkt. Der Privatanleger hinkt in Sachen Nachhaltigkeit wieder einmal hinterher.

AB