Münzstapel

Öffentliche Banken sind sich einig Kapitalmarktprognose macht wenig Hoffnung

Stand: 16.10.2019, 15:11 Uhr

Experten der Landesbanken sind sich einig: Anlegern stehen schwere Zeiten bevor. Insbesondere die schwache Weltkonjunktur und die dauerhaft negativen Zinsen erschweren die Situation.

Was sich schon seit Längerem durch verschiedene Indikatoren abzeichnet, bestätigen nun auch die Volkswirte der Landesbanken in der aktuellen Kapitalmarktprognose des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands. Die Situation für Anleger ist laut den Experten im kommenden Jahr eher ungünstig.

Gründe für den Pessimismus

Helaba-Zentrale in Frankfurt

Helaba-Zentrale in Frankfurt. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die immer größer werdende Unsicherheit auf der Welt ist einer der Gründe für die Zurückhaltung der Experten, erklärt Ulf Krauss von der Helaba. "Die politischen Risiken übertragen sich zunehmend auf die Weltkonjunktur. Der globale Handel zeigt deutliche Anzeichen von Schwäche."

Wie auch seine Kollegen der anderen Landesbanken schließt er einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts nicht aus. Bereits im dritten Quartal ist die deutsche Wirtschaft geschrumpft, die deutsche Industrie schwächelt. Grund für den schwachen Industriesektor seien die Handelsspannungen und die daraus resultierende Eintrübung der Weltwirtschaft, schreibt Sintje Boie, Volkswirtin der Hamburg Commercial Bank (HCOB).

Dr. Ulrich Kater

Dr. Ulrich Kater. | Bildquelle: Deka

Neben der fehlenden Dynamik aus China bemängelt Dekabank-Volkswirt Ulrich Kater vor allem die moderate Entwicklung anderer Emerging Markets. Diese würden sich vermehrt auf den Binnenmarkt konzentrieren, das heißt sie stellen den privaten Konsum und Dienstleistungen mehr in den Mittelpunkt. "Und dafür braucht es nicht mehr so viele Maschinen aus Deutschland. Anderen Industrieländern geht es nicht viel besser", schreibt er in der Studie.

Mit der lockeren Geldpolitik versucht die EZB wieder für stärkeres Wachstum und höhere Inflationsraten zu sorgen - allerdings zum Leidwesen der Sparer. "Damit bleibt es dabei, dass das blutleere Wachstum der Industrieländer noch geraume Zeit anhalten wird und die Zinsen entsprechend niedrig bleiben werden", so Kater.

Anlageentscheidungen bleiben nicht leicht

Aufgrund der aktuell herrschenden Situation sind auch aus sicheren Anlagen wie beispielsweise Staatsanleihen keine positiven Erträge zu erwarten. "In einer zunehmend unübersichtlichen Welt sind Investoren gezwungen, sich in unbekanntes Terrain zu begeben", erklärt Krauss. Risikoarme Alternativen zur Geldanlage zu finden, bleibt also weiterhin schwierig.

"Die Chancen auf positive reale Gesamterträge bei den Geldanlagen stehen [...] nur dann gut, wenn man ein gewisses Risiko wagt, beispielsweise mit Aktien oder risikobehafteteren Anleihen", sagt Ulrich Kater.

Leichter Optimismus für 2020

Dunkle Wolken über der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Europäische Zentralbank. | Bildquelle: Imago

Leicht optimistisch sind die Ökonomen für das kommende Jahr dann doch. Sie erwarten ein Wirtschaftswachstum zwischen 0,3 und 1,2 Prozent. Dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihrem Inflationsziel von zwei Prozent näher kommt, halten die Volkswirte allerdings für wenig realistisch. Sie erwarten für die Eurozone Inflationsraten zwischen 1,2 und 1,6 Prozent.

ms