Frau schaut von unten in ein umgedrehtes rotes Sparschwein

Weltspartag im Zeichen von Corona Investieren statt Sparen

von Andreas Braun

Stand: 30.10.2020, 06:35 Uhr

Vor fast 100 Jahren haben die Sparkassen den Weltspartag ins Leben gerufen. In Zeiten von Nullzinsen hat das klassische Sparen 2020 längst ausgedient. Mitten in der Corona-Pandemie haben die Bundesbürger die Anlage in Aktien, Fonds und ETFs entdeckt.

Auch auf den Internet-Seiten der Sparkassen wird anno 2020 von Sparen im klassischen Sinn nicht mehr gesprochen. Einen festen Betrag Monat für Monat aufs "Sparbuch" legen und dann einen üppigen Sparzins samt Zinseszins-Effekt einheimsen, das war einmal. Statt Radiergummi und Geo-Dreieck für die Nachwuchssparer werden "10 Tips für Aktien-Anfänger" ausgegeben. Und der Hinweis: "Man muss das Sparen heute nur anders verstehen als vor 100 Jahren."

Zwischen Strafzinsen und Sparstrumpf

Im Jahr der Corona-Pandemie trifft der Weltspartag tatsächlich viele Bundesbürger auf einem anderen Stand. Dabei spielen mehrere Entwicklungen des Corona-Jahres eine Rolle: Zum einen ist Sparen auf Giro- oder Tagesgeldkonten ein komplettes "Null"-Geschäft geworden. Nicht nur die Inflation knabbert die Guthaben auf den Konten Jahr für Jahr ab. Nicht wenige Banken und Broker belegen "Cash" sogar mit einem Strafzins. Sie reichen damit die Negativzinsen der EZB, die sie dort für Einlagen zahlen müssen, zum Teil an den Endkunden weiter.

In der Krise haben die Bundesbürger zudem nicht nur Mehl und Toilettenpapier gehortet, sondern auch Bargeld. Der Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken schätzt in einer aktuellen Studie, dass die Sparquote der Deutschen im Pandemiejahr von traditionell zehn bis elf Prozent auf einen neuen Höchstwert von 15 Prozent steigen wird.

Aktien? Warum denn nicht!

Und nicht zuletzt erscheint vielen, gerade jüngeren Sparern ein Bereich zunehmend interessant, in dem in den vergangenen Monaten schnell erstaunliche Gewinne zu erzielen waren: Der Aktienmarkt. Im ersten Halbjahr kauften die Bundesbürger so viele Aktien wie noch nie, wie aus einer Studie der Beratungsgesellschaft Barkow hervorgeht: 23,9 Milliarden Euro investierten Anleger in diesem Zeitraum in Aktien, mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007, als die Deutschen die Dividendenpapiere ebenfalls wieder entdeckt hatten. Danach allerdings kam die Finanz- und Wirtschaftskrise.

In der Pandemiekrise scheinen die Vorzeichen andere: Viele, gerade jüngere Anleger haben die Aktie, aber auch Fonds und ETFs entdeckt. Dazu bieten viele Broker extrem günstige Konditionen für den Aktienhandel an. Discounter wie Justrade, Trade Republic oder Gratisbroker.de bieten Transaktionen bequem per App und zum Teil ganz ohne Transaktionsgebühren an.

Breit streuen...

Für "Sparer" des Jahres 2020 bleiben trotzdem einige Spielregeln wichtig, die weiterhin gelten und Risiken minimieren helfen.

Dazu gehört es zum Beispiel, nie alles oder auch nur große Teile des Wertpapierdepots auf "eine Karte", also eine Aktie zu setzen. Viele der Neueinsteiger in Sachen Börse haben mit "ihrer" Apple- oder Amazon-Aktie in den vergangenen Monaten enorme Gewinne eingefahren, doch gerade im Tech-Sektor muss stets auch mit heftigen Rückschlägen gerechnet werden.

Ohnehin ist das Investieren in Einzelaktien mit grundsätzlichen Risiken behaftet. Wer die verringern will, kann über Aktienfonds weit streuen, auch über die Grenzen von Länder- und Branchengrenzen hinaus.

... und auf die Kosten achten

Das geht ganz weit und zudem noch kostengünstig über Indexfonds, so genannte ETFs (Exchange Traded Funds). Dabei werden Aktienindizes exakt nachgebildet. Weil ETFs also nur passiv dem Index folgen, also kein aktives Management betrieben wird, sind die Kosten beim Indexfonds um ein Vielfaches niedriger, bei oft zumindest gleicher Performance.

Kostenbewusstsein kann sich auch im Blick auf die Gebühren beim Kauf von Aktien, Fonds oder ETFs lohnen. Eine Reihe von Discountbrokern ermöglichen dies für wenige Euro, so genannte "Neo-Broker" verzichten gar ganz auf Transaktionsgebühren. Sie verdienen nur durch die winzigen "Spreads" zwischen An- und Verkaufspreis oder durch Rückvergütungen durch die Fondsanbieter. Die neue Art des "Sparens" ist 2020, im Jahr der Pandemie, viel günstiger geworden.