Immobilienmaklerin überreicht Mann Schlüssel gegen Geld

Reform der Maklerprovision Immobilienkäufer zahlen weniger

Stand: 22.05.2020, 17:04 Uhr

Wer in Berlin, Hamburg oder Hessen eine Immobilie kaufen will, wird künftig entlastet. Er muss nicht mehr die gesamten Maklerkosten, sondern nur noch die Hälfte zahlen. boerse.ARD.de befragte einen Makler über die Folgen der neuen Regelung.

Bei gut jeder zweiten Wohnung oder jedem zweiten Haus, das verkauft wird, mischt ein Makler mit und hält die Hand auf. Bis zu 7,14 Prozent Courtage fließt in Deutschland an den Makler - mehr als in anderen europäischen Ländern. Nimmt man noch die Notare und die Ämter dazu, können leicht bis zu 15 Prozent des Kaufpreises an Nebenkosten draufgehen. Wer beispielsweise in Berlin eine 400.000 Euro teure Wohnung kauft, muss rund 60.000 Euro an Nebenkosten drauflegen.

Courtage wird künftig geteilt

Bisher mussten in Berlin, Bremen, Hamburg und Hessen die Immobilienkäufer die komplette Maklerprovision entrichten. Das ändert sich nun. Der Bundestag beschloss kürzlich ein Gesetz, das die Provision auf Käufer und Verkäufer zu je 50 Prozent aufteilt. Das heißt: Käufer müssen nicht mehr als der Verkäufer an den Makler zahlen. In den anderen elf Bundesländern galt die Fifty-Fifty-Regel schon vorher.

Die Reform der Maklerprovision "wird die Nebenkosten beim Kauf von Wohneigentum spürbar senken", verspricht Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD). Bisher seien Käufer oft gezwungen gewesen, eine vollständige Übernahme der Maklerprovision zu akzeptieren, heißt es aus dem Ministerium. Diese Zwangslage hätten die Verkäufer ausgenutzt. "Wer sich weigerte, schied faktisch aus dem Kreis der Bewerber um die benötigte Immobilie aus."

"Der Käufer wird geschützt!"

Kurt Friedl, CEO und Gesellschafter REMAX

Kurt Friedl, CEO und Gesellschafter REMAX. | Bildquelle: Unternehmen

Die Makler sind mit dem Gesetz zufrieden. "Die Teilung der Maklerkosten zwischen Verkäufer und Verkäufer sei fair, meint der Verband IVD, da in der Regel beide Parteien von der Leistung des Maklers profitieren. Auch Kurt Friedl, Chef und Gesellschafter des Immobilienmakler-Netzwerks RE/MAX Germany, "begrüßt die neue Regelung", sagt er. Sie schaffe mehr Gerechtigkeit in Deutschland. "Der Käufer wird geschützt."

Als einzigen Wermutstropfen sieht Friedl die die unpraktikable Regelung des Zahlungsnachweises, wonach der Käufer erst zahlen muss, wenn er einen Nachweis über die vom Verkäufer gezahlte Provision erhält. Ein zeitlich reibungsloser Zahlungsfluss von beiden Provisionsansprüchen sei mit dem neuen Gesetz noch nicht ausgereift.

Makler ohne Honorar werden verlieren

Das Gesetz könnte die Maklerbranche durcheinanderwirbeln. Die Reform der Maklerprovision werde "dafür sorgen, dass die Professionalisierung der Branche eintritt", glaubt Friedl. Der Makler müsse jetzt eine Leistung verkaufen. "Qualität wird sich durchsetzen." Manche Makler würden auch verlieren, "da sich das neue Gesetz fortan gegen diejenigen Makler am Markt richtet, die bisher ohne Honorar beim Verkäufer geworben haben".

Die Gefahr, dass der Verkäufer die Provision auf den Immobilienpreis draufsattelt, sehen Makler-Experten nicht. Friedl: "RE/MAX Makler sind dazu verpflichtet, ihre Leistungen und daraus resultierenden Provisionsansprüche bei beiden Parteien transparent darzulegen."

Künftig weniger Provisionen?

Ob die Provisionen insgesamt sinken, ist ungewiss. Möglicherweise haben Verkäufer ein größeres Interesse, die Provision nach unten zu verhandeln. Schon heute zahlen viele Makler im Nachhinein dem Auftraggeber einen Kick-Back, eine Rückzahlung der Courtage, heißt es in der "Welt". Dies schließt das neue Gesetz nicht völlig aus.

Immobilienanzeigen mit

Immobilien. | Bildquelle: imago images / Ralph Peters

Die Opposition ist skeptisch. Das Gesetz werde höchstens die Exzesse bei den Maklerkosten in Hamburg oder Berlin leicht abmildern, glaubt Chris Kühn, wohnungspolitischer Sprecher der Grünen. Er spricht von einem "Sieg der Maklerlobby". Auch in Zukunft dürften die Maklerkosten in Deutschland im internationalen Vergleich auf Rekordhoch stehen.

Hohe Nebenkosten: Grunderwerbsteuer senken!

Makler sehen sich hier zu Unrecht an den Pranger gestellt. Sie plädieren dafür, an anderen Stellschrauben zu drehen, um die hohen Nebenkosten zu senken. So fordert Experte Friedl, die Grunderwerbssteuer zu senken. Diese ist seit 1998 von 3,5 Prozent auf bis 6,5 Prozent in vielen Bundesländern geklettert – außer in Bayern und Sachsen.

In anderen Ländern wie zum Beispiel in den Niederlanden werden teils deutlich weniger Provisionen gezahlt. Das Modell einer Provisionsdeckelung wie in den Niederlanden würde hier nicht funktionieren, warnt Friedl, da dort zusätzliche Maklerdienstleistungen wie beispielsweise Marketing- und Portalkosten separat in Rechnung gestellt werden. Somit ist diese Regelung nicht vergleichbar mit der deutschen, sagt Friedl. Das Makler-Konzept in Deutschland sei rein auf Erfolgsbasis orientiert und umfasse die gesamte Maklerdienstleistung.

nb