Blatt auf Baumstumpf
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Ein Börsenmonat zum Fürchten Hilfe, es ist September!

von Angela Göpfert

Stand: 02.09.2019, 13:54 Uhr

Wie heißt es so schön? "Sell in May and go away - but remember to come back in September." Doch für Anleger ist das ein Ratschlag, der mit äußerster Vorsicht zu genießen ist. Kursverluste haben im September Hochkonjunktur.

Wer im September investiert bleibt oder gar neue Positionen am Aktienmarkt eingeht, braucht starke Nerven. Denn der September zählt zu den schwierigsten Börsenmonaten des Jahres.

"Die Performance der deutschen Standardwerte fällt dann mit durchschnittlich minus 2,24 Prozent negativ aus", betont Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse HSBC Trinkaus & Burkhardt, in einer aktuellen Analyse. Die Wahrscheinlichkeit für steigende Kurse liege deutlich unter 50 Prozent.

Kräftiger saisonaler Gegenwind

Eine Korrektur nach dem Spätsommer? Mit Blick auf die Dax-Historie ist das die Regel, nicht die Ausnahme. Das zeigt ein Blick auf den saisonalen Dax-Chart.

Dax saisonal 30 Jahre

Der September ist kein guter Börsenmonat. | Bildquelle: seasonalcharts.com, Grafik: boerse.ARD.de

In diesem Jahr sorgen zusätzlich der Dekaden- und der US-Präsidentschaftszyklus – und damit die beiden meistbeachteten Zyklen an der Börse – für Gegenwind. Mit Blick auf die Statistik spricht somit vieles dafür, mit der Rückkehr an den Aktienmarkt noch ein wenig zu warten. Nur wie lange?

Süßes gibt es nach Halloween

Die Statistik ist auch hier eindeutig: Nach Halloween beginnt die beste Zeit an der Börse. Laut dem deutschen Börsenstatistik-Experten Robert Rethfeld von "Wellenreiter-Invest" stieg der US-Leitindex Dow Jones Industrial Average von November bis April seit 1946 durchschnittlich um 7,1 Prozent. Zwischen Mai und Oktober stand der Dow dagegen mit einem Plus von 0,4 Prozent dagegen praktisch still.

Vieles spricht damit für eine Abwandlung der alten Börsenweisheit: "Sell in May and go away – but remember to come back in November."

Halloween-Kürbisse

Halloween-Kürbisse - ein klassisches Kaufsignal?. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die besten sechs Monate an der Börse

Vor diesem Hintergrund hatte Jeff Hirsch bereits 1987 seine "Best Six Months Switching Strategy" entwickelt: Investiere zwischen dem 1. November und dem 30. April in den Dow oder S&P 500, für die restlichen sechs Monate wechsle in den Anleihenmarkt.

Diese nervenschonende Strategie lieferte zurückgerechnet seit 1950 verlässliche Renditen bei stark reduziertem Risiko.

200-Tage-Linie geknackt

Fakt ist aber auch: So spannend und gut belegt die Kapitalmarkt-Anomalie Halloween-Effekt auch sein mag - Anleger sollten bei ihren Entscheidungen jenseits der Statistik immer auch aktuelle fundamentale und technische Faktoren berücksichtigen.

Mit Blick auf die Charttechnik ist insbesondere der jüngste Sprung des Dax über seine 200-Tage-Linie (aktuell bei 11.655 Punkten) positiv herauszustreichen. Auf Tages-Basis liegt zudem eine inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation vor. Solange der Dax sich jetzt über seiner 200-Tage-Linie halten kann, hat er Chancen auf der Oberseite.

Notenbanker-Treffen im Fokus

EZB-Präsident Mario Draghi

Was macht Noch-EZB-Präsident Mario Draghi?. | Bildquelle: picture alliance / Wiktor Dabkowski

Im September stehen mit der EZB-Sitzung am 12. September und dem Fed-Entscheid am 18. September allerdings auch zwei wichtige Notenbank-Sitzungen an, die das Zeug dazu haben, den weiteren Kursverlauf an den Börsen maßgeblich zu beeinflussen.

Nicht wenige Anleger hoffen auf eine neue geldpolitisch induzierte Hausse an den Aktienmärkten. Investoren am Geldmarkt spekulieren immer stärker auf eine kräftige Senkung des Strafzinses für Banken auf minus 0,6 Prozent, wie am Montag aus den Kursen hervorging.

Eine riskante Wette

Sollten die Notenbanker allerdings den geldpolitischen Lockerungswünschen der Anleger nicht in dem erwarteten Umfang nachkommen, besteht erhebliches Abwärtspotenzial für Dax & Co.

Der September ist ein Monat, der an der Börse stets mit Vorsicht zu genießen ist. Das gilt für diesen September womöglich ganz besonders.