Frau mit Notebook und ausgedruckten steigenden Charts

Studie Frauen sind in der Krise die besseren Fondsmanager

von Julia Wacket

Stand: 11.09.2020, 14:21 Uhr

Aktienfonds, die von Frauenteams oder von einem gemischten Management geleitet wurden, haben im laufenden Jahr besser abgschnitten als Fonds, hinter denen nur Männer standen. Das besagt eine neue Studie von Goldman Sachs.

Fondsmanagerinnen sind in der Investmentbranche immer noch die Ausnahme. Oft werden Frauen sogar als "anlagescheu" und "finanzscheu" beschrieben - zu Unrecht! Denn laut einer neuen Studie von Goldman Sachs sind Frauen die besseren Fondsmanagerinnen – zumindest in diesem Jahr bislang. Von Frauen oder einem gemischten Management verwaltete Investmentfonds hätten in diesem Jahr die von Männern gesteuerten Fonds übertroffen, heißt es in der Goldman-Studie. Darin untersuchte die Investmentbank 496 amerikanische Aktienfonds – mit einem Anlagewert von insgesamt 2,3 Billionen Dollar.

43 Prozent der Fonds outperformten

In dem volatilen Börsenjahr hätten 43 Prozent der von Frauen verwalteten Fonds eine Outperformance gegenüber dem Markt erzielt, verglichen mit nur 41 Prozent der Fonds ohne weibliche Manager, schreiben die Autoren der Studie. Konkret erzielten von Frauen verwaltete Fonds 2020 im Durchschnitt Renditen von -57 Basispunkten im Vergleich zu ihren Benchmarks. Alle von Männern geführten Fonds schnitten mit einer durchschnittlichen Rendite von -164 Basispunkten schlechter ab. "Sogar risikobereinigt haben von Frauen gemanagten Fonds inmitten der pandemiebedingten Marktschwankungen besser abgeschnitten als ihre männlichen Pendants", heißt es in der Studie. Von 2017 bis 2019 erzielten die beiden Gruppen laut Goldman ungefähr gleichwertige Ergebnisse.

Frauen halten mehr Tech-Aktien

Der Grund für den größeren Erfolg der von Frauen gemanagten Fonds liegt laut Goldman Sachs vor allem in den bevorzugten Sektoren bei der Aktienauswahl. Während die Fondsmanagerinnen stärker zu Tech-Werten wie Apple, Microsoft oder Tesla griffen, scheinen die männlichen Fondsverwalter eine größere Affinität zu Finanztiteln wie Berkshire Hathaway oder Visa gehabt zu haben. Der Boom der Tech-Aktien der vergangenen Monate gab den frauenverwalteten Fonds einen Aufschwung, während die Finanztitel zu den schlechtesten Renditebringern im S&P 500 gehörten.

Als weiteren Faktor, der zu dem Performanceunterschied beigetragen hat, nennen die Goldman-Analysten auch Einzelwerte wie Tesla, der sich in größerem Umfang im Besitz von weiblichen Managern befanden. Die Aktie des Elektroautoherstellers ist in diesem Jahr um mehr als 400 Prozent in die Höhe geschnellt, während der S&P-500-Index im gleichen Zeitraum gerade mal auf ein Plus von zehn Prozent kam.

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
351,00
Differenz relativ
-3,91%

 Frauen in der Fondsindustrie immer noch eine Minderheit

Konkret verglichen die Goldman-Analysten Fonds, bei denen Frauen mindestens ein Drittel das Portfolio-Management stellten, mit Fonds, die ausschließlich von Männern gemanagt wurden. Ein Eins-zu-Eins-Vergleich war schwierig: Nur 14 der knapp 500 erfassten Fonds wurden vollständig von Frauen gemanagt. Hinzu kamen 49 Fonds, bei denen mindestens ein Drittel Frauen für die Anlage-Entscheidungen mitverantwortlich waren. Insgesamt hatten also nur drei Prozent der von Goldman Sachs untersuchten Fonds ein rein weibliches Fondsmanagementteam und verwalten zusammen gerade einmal zwei Prozent des insgesamt gemanagten Gesamtvermögens. Im Gegensatz dazu wurden 77 Prozent der Fonds von rein männlichen Teams verwaltet. Das entspricht 57 Prozent des Gesamtvermögens.

Vor zwei Jahren hatte die auf Fondsgesellschaften spezialisierte Ratingagentur Morningstar eine ähnliche Analyse vorgelegt: Sie umfasste einen längeren Zeitraum - von Januar 2003 bis September 2017. Ihr Ergebnis damals: Das Geschlecht eines Portfoliomanagers habe keinen Einfluss auf die Performance von Aktien- oder Rentenfonds. "Wenn es bei der Performance keine nachhaltige Differenzen zwischen Männern und Frauen gibt, dann können auch unterschiedliche Anlage-Fähigkeiten nicht zur Erklärung dienen, weshalb es bei den Management-Positionen der Fondsbranche so sehr an Frauen mangelt", titelten die Studien-Autoren damals. Morningstar stellte auch fest, dass Frauen Ende 2019 nur 14 Prozent der 25.000 Fondsmanager in 56 Ländern ausmachten. Die Anzahl von Frauen in Portfoliomanagementfunktionen blieb seit 2000 unverändert.

Jane Fraser

Jane Fraser. | Bildquelle: picture alliance/Julian Restrepo/Citigroup/AP/dpa

Erste Frau an der Spitze einer US-Bank

Die Studien von Goldman Sachs und Morningstar zeigen daher, dass auch in der Finanzwelt Diversitätsmaßnahmen besser in die Auswahlprozesse von Managern einbezogen werden sollten. Denn Amerikas Finanzbranche ist nach wie vor von weißen Männern dominiert. Doch der Druck aus Politik und Gesellschaft, das zu ändern, steigt. Im vergangenen April mussten die Chefs der sechs großen Banken vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses aussagen und wurden für ihre Schwäche bei der Diversität kritisiert.

Die Citigroup geht nun als gutes Beispiel voran: als erste US-Großbank hat sie eine Frau für ihren Chefposten nominiert. Jane Fraser soll ab Februar den Chefposten der Bank übernehmen und wird damit die erste Frau an der Spitze einer großen Wall-Street-Bank. Auch die Studienautoren von Goldman Sachs dürfte das freuen. Denn die 53-Jährige arbeitet zwar seit 2004 bei der Citigroup, ihre Karriere begann sie aber bei Goldman Sachs.