Mann auf einem Hochseil zwischen Hochhäusern

Wie funktioniert Rebalancing? Mehr Gleichgewicht fürs Depot

Stand: 23.08.2019, 15:57 Uhr

In einem gut sortierten Privatanleger-Portfolio tummeln sich Aktien, Anleihen, vielleicht auch Rohstoffe oder Gold. Wer bewusst die Anteile seines Depots auf die verschiedenen Anlageklassen aufteilt, sollte diese Aufteilung gelegentlich überprüfen und wiederherstellen - also "rebalancen".

Ein mittleres Risiko im Depot: Das könnte zum Beispiel bedeuten, 50 Prozent der Vermögensmittel liegen in Aktienfonds, Aktien-ETFs oder Einzelaktien. 40 Prozent in Staats- und Unternehmensanleihen. Und zehn Prozent entfallen auf Gold oder einen Korb aus Rohstoffen.

Wenn dies die Aufteilung beim Aufbau ist, dann ist sie das nach einiger Zeit sicherlich nicht mehr. In guten Aktienjahren laufen die Einzeltitel oder Fondsanteile in puncto Wertentwicklung davon. Vielleicht sorgt eine Rohstoffhausse dafür, dass auch die Preise von Öl oder Gold sich prächtig entwickeln.

Risikoprofil verschiebt sich

Und nach zwei oder drei Jahren hat sich nicht nur der Gesamtwert des Depots deutlich erhöht - auch die Quoten der einzelnen "Asset-Klassen" haben sich verschoben. Statt bei 50 Prozent liegt durch den überproportionalen Wertzuwachs der Aktien die Aktienquote nun bei 65 Prozent, Anleihen machen nur noch 20 Prozent darin aus. Und der Rohstoffanteil ist auf 15 Prozent gewachsen.

Eigentlich nicht schlimm, denkt sich der erfolgreiche Privatanleger, doch mit der Verschiebung in der Struktur der Aufteilung hat sich auch das Risikoprofil des Portfolios verändert. Plötzlich ist das Wertpapier-Vermögen deutlich anfälliger für Crashs am Aktienmarkt oder auch im Rohstoffbereich geworden. Der geringere Anteil der überwiegend "risikofreien" Anleihen kann solche Verwerfungen nicht mehr wie bisher "wegpuffern". Der Anleger rutscht unmerklich von einer Strategie mit mittlerem Risiko in einen Hochrisiko-Ansatz.

Rebalancing zwischen Aktien und Anleihen

Rebalancing zwischen Aktien und Anleihen. | Bildquelle: Ginmon Vermögensverwaltung GmbH, Grafik: boerse.ARD.de

Alle ein bis drei Jahre reicht

Um die Ausgangsverteilung wiederherzustellen, muss der Anleger in die Depotstruktur aktiv eingreifen, eine Maßnahme, die im Finanzdeutsch als "Rebalancing" bezeichnet wird. Dabei sind mehrere Techniken möglich. Nicht immer müssen Anteile der einen Anlageklasse verkauft werden, um dann bei der Anlageklasse nachzukaufen, deren Anteil sich deutlich verringert hat (s. unsere Übersicht: Rebalancing: So geht's).

Experten wie ETF-Guru Gerd Kommer empfehlen, nicht öfter als alle ein bis drei Jahre eine solche Neutarierung vorzunehmen. Häufigeres Rebalancing verschlingt belastet die Kasse durch Transaktionskosten und auch die Anlegernerven, wenn ständig "feingetunt" werden soll.

Wer wie im oben genannten Beispiel die Quote des gut gelaufenen Aktienanteils herunterfährt, handelt sich dabei prinzipiell eine statistisch niedrigere Rendite in der Zukunft ein, denn ein höherer Anteil an Dividendenpapieren sorgt statistisch nun einmal für höhere Performance. Dafür gewinnt er mit der Erhöhung der Anleihenquote aber wieder das Maß an Sicherheit zurück, das er ursprünglich gewollt hat.

Rebalancing-Bonus einheimsen

Wer ein Rebalancing nicht nur zwischen den verschiedenen Anlageklassen, sondern auch etwa innerhalb der Aktienanteile vornimmt, bekommt übrigens einen "Rebalancing-Bonus". Damit ist das Austarieren zwischen verschiedenen Einzelwerten oder auch Fondsprodukten gemeint. In einem einfachen Fall wird etwa der Anteil zwischen Industrieländeraktien und Papieren aus Emerging Markets wieder auf sein Ausgangsniveau zurückgesetzt. Statistisch soll diese Maßnahme einen halben Prozentpunkt Rendite pro Jahr bringen, wie etwa Kommer vorrechnet. Bei einem Anlagezeitraum von 35 Prozent wären das 20 Prozent mehr Vermögen am Ende. Rebalancing kann also prinzipiell die Wertentwicklung verbessern, ohne das Risiko eines Anlegerdepots zu verringern.

AB

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Rebalancing: So geht's Übersicht

Chart: Langfristiges Portfolio für Privatanleger

Verkaufen und Nachkaufen I
Die schlichteste Variante, um die Ausgangsaufteilung des Depots wiederherzustellen. Diejenigen Aktien oder Fondsanteile, die zu einem bestimmten Zeitpunkt einen zu großen Anteil im Depot bekommen haben, werden verkauft. Und zwar in dem Maße, bis die Aufteilung wieder passt. Unter Umständen muss dann noch bei den "Underperformern" nachgekauft werden, um alles ins Lot zu bringen. Eine Excel-Tabelle kann dabei wertvolle Dienste leisten. Bei der Wahl des Brokers sollte man auf möglichst niedrige Transaktionskosten achten. Bei Fonds sollten nach Möglichkeit keine Ausgabeaufschläge anfallen.