Ein Mann zählt Fünfhunderteuroscheine

Zahlen der Bundesbank Geldvermögen der Deutschen wächst - nur schleppend

Stand: 17.01.2020, 14:52 Uhr

Die deutschen Privathaushalte besaßen zum Ende des dritten Quartals 2019 ein so hohes Geldvermögen wie noch nie. Doch der Zuwachs ist schleppend - trotz kräftig gestiegener Aktienmärkte.

Glaubt man den Berechnungen der Bundesbank, besaßen die deutschen Privathaushalte zum Ende des dritten Quartals 2019 ein Geldvermögen von 6.302 Milliarden Euro. Das waren 67 Milliarden oder 1,1 Prozent höher als im Vorquartal.

Damit waren die Deutschen so reich wie noch nie. Doch der Vermögensaufbau verläuft äußerst schleppend. Das hat nicht nur mit der Existenz eines riesigen Niedriglohnsektors zu tun, wo die Menschen kaum oder gar kein Geld beiseite legen können.

Ungebrochener Hang zu sicheren Anlagen

Es ist vor allem der ungebrochene Hang zu vermeintlich sicheren Anlagen, der es den Menschen so schwer macht, ein Vermögen aufzubauen. Tatsächlich erhöhte sich das Engagement in Bargeld und Sichteinlagen - das ist kurzfristig verfügbares Geld - im dritten Quartal um 26 Milliarden Euro, mehr als alle anderen Sparformen.

"Die Präferenz für liquide oder als risikoarm empfundene Anlagen hielt damit weiter an", erklärte die Bundesbank. Dazu passt, dass auch die Ansprüche gegenüber Versicherungen weiter zunahmen, um 13 Milliarden Euro.

Immerhin: Ihre Anlagen in Sparbriefe und Spareinlagen verringerten die Haushalte angesichts der Niedrigzinsen um vier Milliarden Euro. Auf ein Nachlassen der bislang stark ausgeprägten Präferenz privater Haushalte für liquide und/oder risikoarme Anlageformen lasse dieser Rückgang aber nicht schließen, urteilt die Bundesbank.

Aktien und Fondsanteile gekauft

Dennoch kauften die Bundesbürger im dritten Quartal, wie schon in den beiden Vorquartalen, Aktien und Investmentfondsanteile im Wert von rund zehn Milliarden Euro. Bei 60 Prozent der Nettozuflüsse in börsennotierte Aktien handelte es sich um ausländische Papiere.

Die Anlagen an den Kapitalmärkten haben sich gelohnt: Dank gestiegener Kurse konnten bei Aktien und Fondsanteilen Zugewinne von 15 Milliarden Euro verzeichnet werden.

Die Haushalte nutzten die anhaltenden Tiefzinsen zudem, um sich bei Banken günstige Kredite zu beschaffen. Wie schon in den vorangegangenen Quartalen wurden besonders Wohnungsbaukredite nachgefragt. Insgesamt nahmen die Verbindlichkeiten der Haushalte im dritten Quartal um rund 25 Milliarden Euro auf 1,861 Billionen zu.

Verschuldungsquote steigt

Damit stieg die Verschuldungsquote in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt auf 54,6 Prozent. Das ist laut Bundesbank immer noch niedrig, vor allem im Vergleich zum Zeitraum um die Jahrtausendwende, als die Verschuldung privater Haushalte bei über 70 Prozent des BIP lag. Zusammengenommen führte die Entwicklung von Geldvermögen und Verbindlichkeiten zu einem Anstieg des Nettogeldvermögens der privaten Haushalte um 41 Milliarden auf 4.441 Milliarden Euro.

lg