Eine Hand voller 50-Euroscheine

Bundesbank-Studie Geldvermögen der Deutschen sinkt erstmals seit drei Jahren

Stand: 16.04.2019, 14:19 Uhr

Die Flaute am Aktienmarkt Ende 2018 hat am Vermögen der Bundesbürger genagt. Erstmals seit drei Jahren sank das Geldvermögen der Privathaushalte, wie die Deutsche Bundesbank mitteilt – und zwar um einen zweistelligen Milliardenbetrag.

Das Vermögen verringerte sich im vierten Quartal gegenüber dem dritten Vierteljahr um gut 28 Milliarden auf 6.016 Milliarden Euro. Grund waren deutliche Bewertungsverluste, "die vor allem im Zusammenhang mit Kursrückgängen bei Investmentfondsanteilen und börsennotierten Aktien aus dem Inland auftraten", wie die Notenbank erläuterte.

Börsen-Anleger hatten 2018 das verlustreichste Jahr seit der Finanzkrise 2008 erlebt. Der deutsche Leitindex Dax verlor mehr als 18 Prozent. Vor allem zum Jahresende ging es an der Börse bergab. Binnen Jahresfrist stieg das Geldvermögen leicht um 2,3 Prozent. Das war jedoch das schwächste Plus gegenüber einem Vorjahr seit dem ersten Quartal 2016 mit damals ebenfalls 2,3 Prozent.

Bargeld sehr beliebt…

Besonders beliebt sind nach wie vor Bargeld und Einlagen bei Banken - zum Beispiel Girokonten, Tagesgeld oder Festgeld. Und das, obwohl Banken und Sparkassen - wenn überhaupt - dafür nur noch spärliche Zinsen bieten. Solange die Teuerungsrate nahe der Nulllinie dümpelte, glich sich das in etwa aus. Bei wieder steigenden Verbraucherpreisen verlieren Sparer unter dem Strich aber Geld. Der Vorteil aus ihrer Sicht: Bei Bedarf können die Bestände relativ schnell umgeschichtet werden.

Ende Dezember 2018 steckten rund 2456 Milliarden Euro in Bankeinlagen oder wurden als Bargeld aufbewahrt, etwa 58 Milliarden kamen im vierten Quartal hinzu. Fast ebenso hoch auf der Beliebtheitsskala stehen Lebensversicherungen und andere Vorsorgeprodukte fürs Alter. Hier erhöhten sich die Bestände zum Vorquartal um rund 18 Milliarden auf 2274 Milliarden Euro.

…Aktien nicht so sehr

Um Aktien machen viele Bundesbürger nach wie vor einen Bogen. Gerade einmal knapp 2 Milliarden Euro investierten sie im vierten Quartal neu in Aktien und sonstige Anteilsrechte. "Das im Schlussquartal insgesamt zurückhaltende Engagement der privaten Haushalte auf den Kapitalmärkten dürfte nicht zuletzt durch die negativen Kursentwicklungen an den Börsen und die damit einhergegangene erhöhte Unsicherheit getrieben worden sein", erläuterte die Bundesbank.

Ende Dezember steckten den Angaben zufolge 583 Milliarden Euro in Aktien und sonstigen Anteilsrechten. Hinzu kamen rund 556 Milliarden in Investmentfonds. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) verweist regelmäßig auf die langfristige Entwicklung von Aktien: Wer stärker auf Aktien und Aktienfonds setze, erziele langfristig höhere Erträge.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 2 Jahre
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Jeder zweite besitzt Immobilien

Die Bundesbank berücksichtigt bei der Berechnung des Geldvermögens Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Ansprüche an Versicherungen - nicht jedoch Immobilien. Wie das Vermögen verteilt ist, geht aus diesen Daten nicht hervor.

Nach einer Anfang der Woche veröffentlichten Untersuchung der Notenbank sind die Vermögen in Deutschland weiterhin ungleich verteilt. Demnach gehörten im Jahr 2017 den reichsten zehn Prozent der Haushalte 55 Prozent des gesamten Nettovermögens - also des Vermögens abzüglich Schulden. Die untere Hälfte der Haushalte muss sich unverändert mit mageren 3 Prozent begnügen. Vor allem Immobilienbesitz machte hierbei den Unterschied.

Trotz Niedrigzinsen: Immobilien nur für Reiche?

Immobilien: Jeder zweite hat eine. | Bildquelle: dpa-Zentralbild

Nach Daten des Statistischen Bundesamtes nannte Anfang 2018 fast jeder zweite Haushalt in Deutschland mindestens eine Immobilie sein Eigen. Die Wiesbadener Behörde kam auf einen Wert von 48 Prozent. Die häufigste Form des Immobilienbesitzes bleibt das Einfamilienhaus. So besaßen 31 Prozent der privaten Haushalte ein Einfamilienhaus, 14 Prozent hatten Eigentumswohnungen und 5 Prozent Zweifamilienhäuser.

dpa