Rosenkranz liegt auf Euroscheinen

Religiös-ethische Geldanlagen Geld anlegen mit Gottes Segen

Stand: 21.12.2018, 17:20 Uhr

Immer mehr Privatanleger und institutionelle Investoren wollen ihr Geld mit gutem Gewissen anlegen. Für gläubige Christen gibt es Katholiken-Fonds und gar einen Katholiken-Index. Muslime werden mit islamkonformen Fonds angelockt. Lohnen sich religiös orientierte Investments?

Wenn an Heiligabend wieder Tausende von Menschen in die Kirchen strömen, sitzen sie auf Bänken, die längst nicht mehr nur von der Kirchensteuer finanziert sind. Viele Kirchen investieren zunehmend in Aktien, um die Gelder der Diözesen und Gemeinden gewinnbringend anzulegen. Dabei setzen sie bevorzugt auf ethische Geldanlagen.

"Katholiken-Fonds" schaffen solide Rendite

Ethik und Rendite sind längst kein Widerspruch mehr. Das beweisen mehrere Aktienfonds, die sich an gläubige Christen wenden - zum Beispiel von TerrAssisi, der Missionszentrale der Franziskaner, der Caritas, der katholischen Pax Bank oder auch der Steyler Bank. Nach früheren Berechnungen von Morningstar haben die "Katholiken-Fonds" auf Zehn-Jahres-Sicht durchschnittlich eine Performance von um die fünf Prozent erwirtschaftet. Das ist fast so viel wie globale Aktienfonds.

Ohne die Ausschlusskriterien wäre die Performance der Katholiken-Fonds wohl noch besser ausgefallen. Schließlich sind die Aktien von Pharmafirmen tabu, die Verhütungsmittel herstellen. Ausgeschlossen sind bei den kirchlichen Fonds ebenfalls Aktien von Rüstungsfirmen, Tabak- und Alkohol-Anbietern sowie von Glücksspielbetreibern.

Erster Katholiken-ETF

Inzwischen gibt es auch den ersten "Katholiken-ETF". Das New Yorker Investmenthaus Global X hat Ende 2016 einen Indexfonds auf den S&P 500 Catholic Values aufgelegt. Der Index enthält die Firmen des S&P 500, die die Vorgaben der US-Bischofskonferenz zum sozial verantwortungsvollen Investieren erfüllen. Der ETF verzeichnete seither einen Wertzuwachs von 12 Prozent. Zeitweise war die Performance noch größer.

Wer lieber auf deutsche Werte setzt, kann über Fonds in den Deutschen Ethik-Aktienindex investieren. Er umfasst 30 Titel aus dem Dax, MDax und TecDax. Ausgeschlossen sind Waffenhersteller, Atomenergie-Betreiber, Glücksspiel-Anbieter und Gentechnik-Firmen. Der Index legte auf Vier-Jahres-Sicht gut acht Prozent zu. 2018 verzeichnete er allerdings herbe Verluste - ähnlich wie der Dax.

Religiöse Fonds spielen eine wichtige Rolle bei den Nachhaltigkeitsfonds. "Seit der Finanzkrise hat das Interesse institutioneller Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungen an nachhaltigen Geldanlagen rapide zugenommen", weiß Robert Haßler, Chef der Ratingagentur für nachhaltige Investments, Oekom Research.

Islamfonds schneiden noch besser ab

Noch stärker verbreitet bei den religiös-ethischen Geldanlagen sind die islamkonformen Scharia-Fonds. Weltweit gibt es rund 100 solche Fonds, die die Regeln des Islam beachten. Alkohol-Produzenten, Schweinefleisch-Hersteller und vor allem Banken, die Erträge mit Zinsen erwirtschaften, sind dort verbannt.

Dennoch kann sich die Performance der Islam-Fonds sehen lassen. Der Dow Jones Islamic Markets Index, der als Messlatte für islamische Fonds dient, hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Kredite ohne Zinsen

In Deutschland steckt das so genannte "Islamic Finance" noch in den Kinderschuhen. Die einzige islamische Bank, die hierzulande eine Lizenz der BaFin hat, ist die KT Bank. Sie bietet seit 2015 Kredite ohne Zinsen an. Will sich ein Kunde Geld für ein Auto oder Haus leihen, erwirbt die Bank das Fahrzeug oder die Immobilie und verkauft diese in Raten und mit einem Aufschlag weiter.

Cemil Kantar, Vertriebschef der deutschen Tochter der KT Bank, zieht eine positive Bilanz. Das Interesse sei groß, die zahlreichen Anfragen könnten kaum abgearbeitet werden. Die Bank mit vier Filialen in Deutschland zählt inzwischen über 3.000 Privatkunden. Wann die ersten Islamfonds in Deutschland angeboten werden, ließ er offen.

Sündige Rendite

Freilich: Fonds, die genau den gegenteilige Strategie wählten und ausschließlich auf Waffen, Alkohol, Zigaretten, Glücksspiel und Erotik setzen, schneiden langfristig klar besser ab als religiös-ethische Fonds. Der "Sündenfonds" der US-Fondsgesellschaft USA Mutuals hängte den "sündenfreien" Vanguard FTSE Social Index Fund seit 2002 um Längen ab. So ungerecht ist die Börsenwelt!

nb