Kupfer

Arzt mit Stethoskop

Fehldiagnosen eines Börsenindikators Was ist Dr. Coppers Rat noch wert?

Stand: 23.11.2015, 11:53 Uhr

Wenn früher der Kupferpreis einbrach, galt das als verlässliches Warnsignal an den Börsen. Aber zunehmend neigt "Dr. Copper" zu Fehldiagnosen.

Kupfer hat sich seinen Namen redlich verdient. "Doktor Kupfer" oder "Dr. Copper" gab den Finanzmärkten immer relativ treffsichere Diagnosen für die Konjunktur. Das ist leicht nachvollziehbar. Denn das rote Industriemetall steckt in allen möglichen Produkten, in Handys, Autos, Kabeln und Computerchips. Es ist einer der wichtigsten Rohstoffe überhaupt.

Wenn sich die Konjunktur verlangsamt, also Elektroindustrie, Maschinenbau, Bauindustrie oder die Firmen der Unterhaltungselektronik ihre Produktion zurückfahren, schlägt sich das sofort in einem fallenden Kupfer-Preis nieder. Daher gilt Kupfer als ein ziemlich verlässliches Konjunktur-Barometer, das zeigt, wie gut es der Wirtschaft geht. Und wenn der Kupferpreis einbricht, deutet das auf Rezession hin.

Der Rohstoff galt auch lange Zeit als erstaunlich treffsicher bei Prognosen zur Börsenentwicklung. Aber so recht scheint niemand mehr die Warnung von Dr. Copper hören zu wollen. Anleger kaufen Aktien wie verrückt. Dax-Chart und Kupfer-Chart könnten kaum stärker voneinander abweichen.

Die Fehldiagnosen

Schon seit längerem neigt Doktor Kupfer zu Fehldiagnosen. Anfang 2015 etwa startete der Dax zur Rally durch. Der Kupferpreis ging est einmal auf Talfahrt, setzt erst Anfang Februar zur Erholung an. Als Vorlaufender Indikator war das Industriemetall da nicht zu gebrauchen, eher schien der Aktienmarkt die Entwicklung vorwegzunehmen.

Seit Mitte 2012 fällen Dax und Kupferpreis besonders deutlich auseinander. Während das rote Metall um rund 40 Prozent nachgab, gewann der Deutsche Aktienindex rund 70 Prozent.

Das Geld verzerrt den Blick

Was hat die Prognosekraft von Dr. Copper getrübt? Die Geldflut der Notenbanken. Sie hat die dominierenden Gesetze an den Finanzmärkten außer Kraft gesetzt. Nicht mehr die Unternehmensgewinne, also die Konjunktur, war das Maß aller Dinge, sondern die Richtung der Notenbank.

Zu Risiken und Entwicklungen am Aktienmarkt gilt also vorerst: Fragen Sie nicht Dr. Copper!

bs