Aktentasche, umgeben von Prozentzeichen und ETF-Schriftzug auf dem Schloss

Strategien im Härtetest ETF-Portfolios in der Krise

Stand: 20.03.2020, 15:43 Uhr

Viele Großinvestoren nutzen die kostengünstigen Indexfonds zum Aufbau und Anleger eines ganzen Vermögens. Auch Privatanleger haben sich vielfach mit den ETFs ihr Portfolio im Selbstbau zusammengestellt oder auf Produkte gesetzt, die eine sinnvolle Streuung in verschiedene Anlageklassen versprechen. In der Crash-Phase haben sie durchaus unterschiedlich performt.

Die Vorteile von Indexfonds haben sich in der Anlegergemeinde längst herumgesprochen. Die Produkte sind im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds konkurrenzlos günstig. Ein Indexfonds auf den Dax etwa ist für weniger als 0,1 Prozent an jährlichen Gebühren zu haben. Dazu kommt ihre gute Handelbarkeit an vielen Börsenplätzen und ihre Transparenz: Was der Index macht, vollzieht der ETF auf diese Benchmark 1:1 nach.

Musterportfolios und All-in-one-Produkte

Vorteile, die die Marktanteile der ETFs am gesamten Fondsvermögen in Deutschland stetig wachsen lassen. Die Auswahl an Indexfonds auf Aktien-, Renten-, Rohstoff-, Immobilien- oder auch ganze Strategie-Indizes ist immer weiter gewachsen. Und so können kleine wie große Anleger mit wenigen Produkten ein einfaches oder auch komplexeres Portfolio zusammenbauen. Oder aber sie greifen dabei auf Musterportfolios von Experten wie dem "ETF-Papst" Gerd Kommer zurück.

Einige Fondsanbieter haben zudem seit Jahren "Portfolio-ETFs" am Markt, die in einem Produkt das versprechen, was der Anleger sonst durch den Nachbau eines selbst aufbauen müssten: Eine kleine Vermögensverwaltung in einem Indexprodukt, das die verschiedenen Anlageklassen, also Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder auch Immobilien in einem bestimmten Verhältnis abmischt.

Abgemischt und austariert

Die Portfolio-ETFs leisten neben der Aufteilung der "Assets" zudem etwas, was der Anleger in regelmäßigen Abständen sonst selbst erledigen müssten: Ein regelmäßiges "Rebalancing" - dabei werden die Anteile an den unterschiedlichen Anlageformen wieder auf das Ausgangsniveau zurückgesetzt. Eine vorher festgelegte Aktienquote von 50 Prozent etwa weitet sich unweigerlich aus, wenn der Aktienmarkt gut läuft. Oder sie schrumpft, wenn es dort - wie in den vergangenen Wochen - ordentlich "crasht".

ETF-Muster-Portfolio

ETF-Muster-Portfolio. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

Neben dem Kauf von Portfolio-ETFs, wie sie die Deutsche-Bank-Tochter DWS oder die ETF-Sparte der französischen Großbank BNP Paribas anbieten, kann man Muster-ETFs-Portfolios mit Rebalancing auch über die Zinsplattform "Weltsparen" nutzen. Einen Teil der Portfolios bezieht Weltsparen und der ETF-Plattform "just.ETF.de". Diese bietet Musterportfolios auch kostenlos zum Nachbauen an.

Ebenfalls aus dem Hause DWS kommt der ARERO-Fonds. Das Konzept der Aufteilung des Vermögens kommt vom Wirtschaftsprofessor Martin Weber aus Mannheim. Der Fondsname steht dabei für Aktien (A), Renten (RE) und Rohstoffe (RO). Sie werden im Fonds in einer bestimmten Aufteilung zusammengestellt, die ebenfalls per Rebalancing zurückgesetzt wird. Der Fonds hatte Anfang 2020 die Summe von einer Milliarde an Anlagegeldern überschritten.

Geldwerter Vorteil?

Alle "käuflichen" Portfolio-Konzepte lassen sich die Anbieter naturgemäß bezahlen. Die Portfolio-ETF sind entsprechend mit einer höheren Verwaltungsgebühr ausgestattet als ein einfacher Indexfonds. Ob sie ihr Geld wert sind oder sich der Anleger lieber selbst an die Zusammenstellung eines Portfolios machen sollte, bleibt auch nach dem Aktiencrash Ansichtssache. Unsere Übersicht (So performen die ETF-Portfolios) bietet einen Überblick über die Zusammensetzung, Wertentwicklung und Kosten der verschiedenen Varianten.

AB

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So performen die ETF-Portfolios Überblick

Muster-Portfolio

Muster-Portfolio 50:50
Der Weltindex MSCI World hat im vergangenen Monat rund 30 Prozent eingebüßt, während sich europäische Staatsanleihen annähernd auf ihrem Niveau gehalten haben. Wer also ein einfaches Portfolio zu gleichen Teilen aus einem ETF auf den MSCI World (etwa WKN ETF110) und einem ETF auf die Staatsbonds (etwa WKN ETFL12) konstruiert hatte, musste auf Monatssicht rund 15 Prozent an Verlusten verkraften. Damit hat er aber besser abgeschnitten als die meisten Portfolio-Konstruktionen von Fondsanbieten. Die Kosten für dieses Musterportfolio liegen bei weniger als 0,2 Prozent. Für ein Rebalancing muss der Anleger allerdings selbst sorgen.