Verzweifelter Anleger

Notorische Januar-Schwäche Erwarten Sie bloß nicht zu viel!?

von Angela Göpfert

Stand: 02.01.2018, 10:57 Uhr

Der Januar ist in Zwischenwahljahren häufig ein Minus-Monat. Müssen Investoren nun auch mit Blick auf das Gesamtjahr ihre Erwartungen zurückschrauben?

Aus statistischer Perspektive mehren sich aktuell die Warnsignale. Denn 2018 ist ein Zwischenwahljahr in den USA; historisch betrachtet sind Zwischenwahljahre die schwächsten Jahre im amerikanischen Präsidentschaftszyklus.

Januar ist Kandidat für Minusmonat

Das Zwischenwahljahr beginnt häufig mit einem schwachen Januar. Es folgt eine mehr oder weniger große Schwäche im Sommer und schließlich ein deutlich positives viertes Quartal.

Präsidentschaftszyklus Dow Jones Index

Der Präsidentschaftszyklus ist einer der wenigen gut funktionierenden Zyklen an der Börse. | Bildquelle: Wellenreiter-Invest, Grafik: boerse.ARD.de

Der Januar 2018 ist damit ein durchaus ernst zu nehmender Kandidat für einen Minusmonat. Zumal ein solches Ereignis längst überfällig ist, datiert doch das letzte Dow-Monatsminus vom März 2017.

Hoffnungsfaktor 8

Auch mit Blick auf das Gesamtjahr 2018 sollten Anleger aus saisonaler Perspektive besser nicht zu viel erwarten: Seit 1896 verliefen 18 Zwischenwahljahre positiv und 12 negativ. Das stärkste Minus-Zwischenwahljahr war das Jahr 1930 mit einem Verlust von 34 Prozent, betont Robert Rethfeld von "Wellenreiter-Invest", Kenner saisonaler Effekte, in seinem Jahresausblick.

Etwas Mut macht indes ein Blick auf den Dekadenzyklus: "Danach wird das erste Quartal ebenfalls schwierig, aber von April bis August steigen die Kurse deutlich an und bleiben dann auch oben", so Rethfeld. Durchschnittlich steige der Dow Jones Index in 8er-Jahren um 15 Prozent.

Dow Jones Index - Durchschnittsverlauf 8er-Jahre

Ab April geht es in 8er-Jahren im Schnitt aufwärts . | Bildquelle: Wellenreiter-Invest, Grafik: boerse.ARD.de

Sorgenkind Weihnachtsrally

Aktuell macht allerdings der extrem schwache Kursverlauf der jüngsten Tage Sorgen: Für gewöhnlich neigen Dow und Dax an den letzten fünf Handelstagen im Dezember sowie an den ersten beiden Handelstagen im Januar zur Stärke.

Fällt aber die Weihnachtsrally aus, bedeutet das für den weiteren Verlauf des Januars zumeist nichts Gutes. Doch das ist bei Weitem kein Grund, das Kind mit dem Bade auszuschütten: Ein Januar-Minus führt nämlich nur in 63 Prozent aller Fälle zu einem Minus-Jahr. Der Januar-Effekt ist in diesem Fall nicht besonders stark ausgeprägt.

Fazit: Januar mies, na und?!

Ein negativer Verlauf des Januar 2018 an der Börse wäre aus statistischer Perspektive keine große Überraschung. Doch das ist sicherlich kein Grund, Aktien mittel- und langfristig abzuschwören.

Im Gegenteil: Vielleicht ergibt sich ja für strategisch orientierte Investoren in den kommenden Tagen und Wochen die eine oder andere günstige Zukaufgelegenheit.