US-Berichtssaison 1. Quartal

Die US-Bilanzsaison beginnt Ertragsdelle oder Trendwende?

Stand: 12.04.2019, 16:11 Uhr

Mit einem etwas mulmigen Gefühl dürften die Investoren in die jetzt beginnende US-Berichtssaison der Unternehmen für das erste Quartal gehen. Erstmals seit 2016 droht ein Gewinnrückgang. Aber kommt wirklich alles so schlimm?

Spätestens seit JPMorgan-Chef Jamie Dimon seine Aktionäre in einem Brief auf volatilere Märkte eingestimmt hat, erwartet so mancher Investor nicht viel Gutes von der heute beginnenden Bilanzsaison der amerikanischen Unternehmen.

Nicht nur, dass Dimon bereits die Krise von 2008 richtig prognostiziert hatte, er sitzt als Chef der größten Bank auch an der direkten Quelle, wie die Kunden im Land ticken. Kann vor allem das amerikanische Konsumwunder weitergehen?

Banken gut, alles gut

Überhaupt kommt den Banken stets eine wichtige Rolle zu im Spiel mit den Zahlen. Denn als Faustregel gilt, wenn die Banken verdienen, geht es auch der Wirtschaft gut.

Blickt man auf die Entwicklung der Aktienkurse, haben die Investoren zuletzt aber wieder etwas mehr Vertrauen gefasst - zurecht wie es scheint, denn die brandneuen Zahlen sowohl von JPMorgan Chase, immerhin der landesweite Platzhirsch, und der Großbank Wells Fargo sind zumindest vielversprechend und besser, als mancher Analyst erwartet hat.

Gewinnrückgang erwartet

Trotz des guten Starts heute - Analysten rechnen nach Angaben des Finanzdienstes Refinitiv mit einem Rückgang im S&P-500-Index gegenüber dem Vorquartal um 2,5 Prozent. Im Folgequartal soll es dann wieder um 2,8 Prozent bergauf gehen.

Federal Reserve in Washington

Federal Reserve in Washington. | Bildquelle: Imago

Konjunkturelle Warnmeldungen gibt es schon seit einer ganzen Weile. Nicht nur die eine oder andere schwache Konjunkturzahl, auch die Notenbank Federal Reserve hat zuletzt davon gesprochen, dass das wirtschaftliche Wachstum sich abgeschwächt habe gegenüber den soliden Zuwachsraten des vierten Quartals. Und den Zinszyklus zumindest bis auf Weiteres unterbrochen.

Auch die immer noch herrschenden politischen Sorgen drücken auf die Stimmung. Ob China, Nordkorea oder der Brexit - Gegenwind gibt es weiter reichlich. Auch wenn ein Handelsabkommen mit der Volksrepublik fest erwartet wird und wohl auch in so manchem Aktienkurs schon drin ist - die Risiken (inklusive des unberechenbaren US-Präsidenten) bleiben und überschatten die Zahlenwerke vor allem der Exportwirtschaft.

Inverse Zinsstruktur - eine weitere Warnung

Verstärkt hat sich die Moll-Stimmung zuletzt auch durch die inverse Zinsstruktur am Rentenmarkt. Meist ein recht zuverlässiger Indikator für aufkommende Rezessionen. Aber so manches ökonomische Gesetz musste zuletzt umgeschrieben werden, man denke nur an die fast schon verzweifelten Versuche der Notenbank(en), Inflation zu erzeugen. In Stein gemeißelt ist auch die Aussagekraft der Inversität also nicht mehr.

Keine Rezession im Gesamtjahr

Kommt nun also die Trendwende, oder ist das erste Quartal nur eine Delle? Viel spricht für Letzteres - etwa der immer noch leergefegte Arbeitsmarkt. Dazu wollen Rezessionsszenarien irgendwie nicht passen, auch wenn der Arbeitsmarkt ein nachlaufender Indikator ist. Auch der immer noch absolut hohe Stand der Aktienindizes steht dagegen.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
176,00
Differenz relativ
-0,60%

Deshalb erwartet das Gros der Analysten auch über das Gesamtjahr keine Rezession der Unternehmensgewinne, wenn auch eine Abschwächung zum starken Jahr 2018. Zur Erinnerung: Donald Trumps Steuerreform auf Pump hat diese bekanntlich explodieren lassen. Ein Einmaleffekt, den es so nicht wieder geben wird. Im Schnitt wird ein Plus von 3,3 Prozent prognostiziert nach rund 20 Prozent im Vorjahr.

Selektion ist Trumpf

Zurück zum abgelaufenen Quartal: Vor allem dem Technologiesektor dürfte mal wieder die besondere Aufmerksamkeit gelten, nicht nur wegen der traditionell hohen Bewertungen. Analysten sind hier skeptisch, vor allem im Bereich Halbleiter und Hardware.

Interessant dürften dafür Entwicklungen im Finanztechnologiebereich sein. Denn das Nutzerverhalten der Kunden hat sich geändert. So hat Platzhirsch Apple erst jüngst durch seine Kooperation mit Goldman Sachs und seiner Firmenkreditkarte auf sich aufmerksam gemacht.

Zurück auch zu den Banken. Deren Berichterstattung geht schon am Montag weiter mit den Zahlen der Citigroup. Danach legen dann auch die Bank of America sowie die beiden Investmentbanken Morgan Stanley und Goldman Sachs ihre Ergebnisse vor.

rm