Wall Street nach einem Regenschauer. Die Straße in einer Pfütze gespiegelt

Sehr hohe Bewertung Ein starkes Warnzeichen für den Aktienmarkt

Stand: 17.08.2018, 13:22 Uhr

Die amerikanischen Börsen klettern nun seit fast einem Jahrzehnt unaufhörlich nach oben. Wie lange kann das noch gut gehen?, fragen sich viele Anleger. Nun gibt es neue Hinwiese, die darauf hindeuten, dass der Markt eher oben als unten ist.

Das amerikanische Research-Haus Leuthold Group berät große professionelle Anleger in Amerika. Nun schlagen die Experten Alarm. Sie halten den amerikanischen Aktienmarkt für überbewertet. Dabei stützt sich Leuthold auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis, kurz KUV.

Dabei wird die Marktkapitalisierung eines börsennotierten Unternehmens im Verhältnis zum Umsatz betrachtet. Liegt der Börsenwert einer AG bei zwei Milliarden Dollar und der Jahresumsatz bei einer Milliarde, beträgt das KUV 2,0 und liegt damit im eher hohen Bereich. Als unkritisch gelten Werte im Bereich von 1,0 oder niedriger. Tendenziell gilt: Je geringer das KUV, desto niedriger ist eine Aktie bewertet.

Doch warum betrachtet man eigentlich das KUV und nicht das KGV, also das Kurs-Gewinn-Verhältnis? Der Vorteil des KUV ist, dass man damit auch Unternehmen vergleichen kann, die temporär nur geringe Gewinne oder sogar Verluste machen. Außerdem können Umsätze nicht so einfach vom Unternehmen kreativ gestaltet werden, wie das bei Gewinnen der Fall ist. Denn bei der Gewinnermittlung haben Unternehmen durchaus gewisse Spielräume, zum Beispiel bei der Höhe der Abschreibungen zu einem bestimmten Zeitpunkt.

S&P 500 im Blick

Genau um solche Faktoren auszuschließen, hat Leuthold das KUV für den S&P 500 betrachtet. In dem Index sind die 500 größten amerikanischen Aktien zusammengefasst.

Leuthold hat dabei zwei Vorgehensweisen gewählt. Zunächst hat man sich an der Gewichtung der 500-Index-Mitglieder orientiert. Dadurch gehen großkapitalisierte Aktien wie von Apple, Microsoft, Amazon und Facebook deutlich überdurchschnittlich in die KUV-Berechnung ein. Nach den Berechnungen liegt das nach Marktkapitalisierung gewichtete KUV (blaue Linie) derzeit bei rund 2,2 und damit auf dem Niveau der Technologieblase vor zwei Jahrzehnten.

Kurs-Umsatz-Verhältnis im S&P 500

Kurs-Umsatz-Verhältnis im S&P 500. | Bildquelle: Leuthold Group, Grafik: boerse.ARD.de

Noch bedenklicher erscheint die Bewertung, wenn man das Median-KUV für den S&P 500 berechnet. Um dieses zu ermitteln, werden die 500 Werte in Bezug auf das KUV in eine teurere und eine günstigere Hälfte zu je 250 Aktien geteilt. Aus der teuren Hälfte wird die Aktie mit dem niedrigsten KUV und aus der günstigeren Hälfte die Aktien mit dem höchsten KUV genommen. Der Durchschnitt der KUVs der beiden Aktien ist der Median.

Der breite Markt ist teuer

Und der liegt derzeit laut Leuthold bei rund 2,6 (gelbe Linie) und damit mehr als doppelt so hoch wie vor knapp 20 Jahren. Da beim Median alle 500 Unternehmen gleich gewichtet werden, zeigt diese Analyse, wie teuer der Markt in der Breite geworden ist. Es liegt eben gerade nicht nur an den großen Technologiewerten, die zumindest für die Zukunft noch ein hohes Wachstum versprechen.

Laut Leuthold können sich insbesondere konservative Value-Investoren anders als früher nicht mehr schützen, indem sie ihr Geld in fair bewertete Sektoren stecken. Die Überbewertung im Jahr 2000 war hoch konzentriert, sagt Doug Ramsey, Analyst bei Leuthold. Heute ist sie allgegenwärtig. Die Auswirkungen dieser Tatsache seien potenziell verheerend, so Ramsey.

S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
2.636,80
Differenz relativ
+0,16%

Warren Buffett hält sein Pulver trocken

Porträt von Warren Buffett vor einem Dollarregen

Warren Buffett . | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auch die Investoren-Legende Warren Buffett scheint heftig zu zweifeln. Denn am Ende des letzten Quartals hatte Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway 111 Milliarden Dollar Barmittel in seiner Bilanz, den höchsten Betrag in der Geschichte des Unternehmens.

Die Konzentration auf das KUV kann man natürlich auch kritisch sehen. Denn die Betrachtung der Umsatzbewertung sagt natürlich nichts darüber aus, wie hoch die Bewertung auf Basis der Gewinne ausfällt. Es nicht beispielsweise nicht klar, ob die börsennotierten Unternehmen im Schnitt höhere Gewinnmargen erwirtschaften als vor 20 Jahren. Oder ob das Wachstum von Umsatz und/oder Gewinn in der Zukunft höher als in der Vergangenheit ausfallen wird. In diesem Fall könnte man dem Aktienmarkt eher eine höhere Bewertung zugestehen.

Doch das ist eine andere Geschichte.

ME