Eine Beraterin bespricht Anlagestrategien mit einer Kundin

Seminar Finanzplanung für Frauen "Ein Mann ist keine Altersvorsorge“

von Tanja Weber

Stand: 20.08.2019, 14:13 Uhr

Wenn Frauen mit Frauen über das heikle Thema Finanzen sprechen, wird offener diskutiert, das ist eine Erkenntnis der Capital Markets Academy der Deutschen Börse. Bei einem Seminar "von Frauen für Frauen" hatten sie am Wochenende in den Räumen der Börse viel Gelegenheit dazu.

"Frauen haben im Schnitt im Rentenalter 50 Prozent weniger Einkommen zur Verfügung als Männer. Dabei werden Frauen statistisch gesehen fünf Jahre älter und müssen dementsprechend für diese Zeit mehr vorsorgen." Mit diesen harten Tatsachen konfrontierte Claudia Müller, Gründerin des "Female Finance Forum" am vergangenen Samstag die Teilnehmerinnen des Seminars "Finanzplanung und Geldanlage" gleich zur Begrüßung. 

MeinKohleeinstieg: Claudia Müller

Claudia Müller. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Die drei Module des Seminars, die auch einzeln buchbar waren, vermittelten den rund 60 Teilnehmerinnen wichtige Kenntnisse zur Geldanlage und zum Vermögensaufbau; vor allem aber die Erkenntnis, dass es essenziell ist, sich als Frau selbständig mit der Verwaltung seiner Finanzen und Vorsorgeplanung zu befassen. Claudia Müller, studierte Volkswirtin und bei der Bundesbank bis zu ihrer Selbständigkeit vor zwei Jahren für das Thema "Nachhaltige Geldanlage" zuständig, stellte im ersten Modul die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Sachen Finanzen dar.

Wege aus der Altersarmut

"Frauen müssen sich anders um ihre Finanzen kümmern als Männer", so Müller, "ein Kind stellt bei uns für eine Frau eher ein Karrierehemmnis dar, für einen Mann dagegen einen Karrierebooster". Das zeigt sich auch in den Einkommensunterschieden. Laut der neuesten Studie des Familienministeriums haben nur zehn Prozent aller 30- bis 50-jährigen Frauen netto mehr als 2.000 Euro zur Verfügung, bei den Männern hingegen sind es 42 Prozent.

"Bei einer Scheidungsquote von über 40 Prozent ist es ein Trugschluss, sich auf die Altersversorgung durch den gutverdienenden Partner zu verlassen", sagt Müller. "Ich muss als Frau lernen, verantwortungsvoll mit dem Geld umzugehen und dabei an meine Altersversorgung zu denken, und zwar am besten vor der Hochzeit und vor dem ersten Kind. Sonst ist der Weg in die Altersarmut vorprogrammiert. Ein Mann ist keine Altersvorsorge."

Frauen bekommen weniger, immer...

Deutsche Börse, Capital Markets Academy.

Zur finanziellen Selbständigkeit gehört laut Müller, dass man seine Finanzen in mehreren Schritten strukturiert und analysiert. Zum Beispiel, indem man drei Monate lang alle Einnahmen und Ausgaben erfasst und sein Budget so einteilt, dass immer ein Bruchteil zum Sparen, also zur Geldanlage, zur Verfügung steht. Die Volkswirtin empfiehlt hier eine Quote von 20 Prozent. Auch ein eigenes Konto sieht sie als ein absolutes Muss. Erst wenn man seinen Ist-Zustand analysiert habe, könne man seine langfristigen Ziele formulieren und konkret überlegen, mit welchen Anlageformen man diese erreicht. "Finanzplanung heißt Lebensplanung", sagt Müller. "Benötige ich etwa erst in zehn Jahren den Betrag X, so ist auf jeden Fall die Investition in Aktien oder Anleihen empfehlenswert. Wichtig ist, die Geldanlage breit zu streuen."

Aktien als langfristiges Investment

Jessica Schwarzer, langjährige "Handelsblatt"-Chefkorrespondentin und Buchautorin, stellte auf der Veranstaltung die Börse als Wirtschaftsfaktor vor und gab einen Überblick über verschiedene Anlageformen wie Aktien, Anleihen, Fonds und ETFs. Eine Investition in Aktienfonds lohne sich bereits ab einem monatlichen Betrag von 25 Euro. "Aktien sind langfristig die rentabelste Geldanlage", so Schwarzer. Aber: "Ein Aktienkauf ist ein Marathon und kein Sprint, damit es sich lohnt. Ich muss einen langen Atem haben und auch die schwierigen Jahre an der Börse ertragen", so Schwarzer.

Sowohl Jessica Schwarzer als auch Claudia Müller empfehlen dabei, sich bei einer konkreten Anlageplanung nicht an den Berater in der Hausbank, sondern an einen Honorarberater zu wenden. Der gebe unabhängige und neutrale Empfehlungen.

Praxisübung Aktienkauf

Edda Vogt, verantwortlich für die Anlegerkommunikation der Börse Frankfurt und Referentin der Capital Markets Academy, leitete mit Modul III den Übergang in die Praxis ein: Wie eröffne ich ein Depot? Wie finde ich ein für mich geeignetes Wertpapier? Wie gebe ich Kauf- und Verkaufsaufträge ein? Diese Fragen wurden anhand von praktischen Übungen geklärt.

"Mit 60 Teilnehmerinnen sind wir sehr zufrieden", freute sich Organisatorin Fabienne Lindner. "Für uns war die Präsenzveranstaltung ein Bildungsauftrag, denn mit 100 Euro Teilnahmegebühr inklusive Verpflegung und Getränken und hochklassigen Referentinnen ist es doch ein attraktives Einstiegsangebot zum Thema Finanzen." Die Atmosphäre sei auch eine ganz andere gewesen. Bei der Seminarreihe für Privatanleger, die geschlechtsneutral an 14 Abenden angeboten werde, säßen im Publikum in der Regel nur ein bis zwei Frauen, die eher wenig fragen. "Heute allerdings war ich erstaunt, wie offen diskutiert und gefragt wurde." Die meisten Teilnehmerinnen stehen mitten im Berufsleben. Und ein Großteil der Seminar-Besucherinnen investiert bereits in Aktien, auch eine angenehme Überraschung. Im Mai ist eine weitere Veranstaltung geplant.