Einkaufswagen mit Lebensmitteln

Aktien für die Krisenzeit Das richtige Depot für die Rezession

Stand: 17.03.2020, 16:12 Uhr

Eine Entwarnung in Sachen Coronakrise kann derzeit niemand geben. Auch am Aktienmarkt sind weitere Verluste möglich, genau wie eine erste Erholungsbewegung. Für die drohende Rezession können Anleger im Depot die Weichen stellen.

Die Weltwirtschaft steuert auf einen schmerzhaften Schrumpfungsprozess zu. Darauf deuten viele aktuelle Prognosen hin. Die Ökonomen von S&P rechnen für das Gesamtjahr 2020 nur noch mit einem weltweiten Wachstum zwischen 1,0 und 1,5 Prozent. Das heißt praktisch ab sofort: Minuswachstum. Gerade für China gehen die Experten von deutlich stärkeren Effekten auf die Wirtschaft aus als zunächst vermutet. Und das, obwohl die Staatsführung sich dort verzweifelt bemüht, die Produktion wieder hochzufahren. Ob das Virus dort wirklich so schnell eingedämmt werden kann wie die Partei glauben machen will, ist unklar.

Shutdown verändert (fast) alles

In Europa und den USA wird der "Shutdown" in vielen Regionen zu dramatischen Einbrüchen in vielen Wirtschaftszweigen führen. Geldpolitische Lockerungsmaßnahmen und Konjunkturspritzen dürften hier nur die schwersten Effekte abmildern. Massive Probleme werden in kurzer Zeit die Reise-, Freizeit- und Gastronomie-Branche haben. Durch die Unterbrechung von Lieferketten werden aber auch das verarbeitende Gewerbe und die Autoindustrie stark in Mitleidenschaft gezogen.

Corona macht defensive Aktien noch attraktiver

In einer konjunkturell schwachen Phase rücken so genannte "defensive" Branchen traditionell in den Fokus. In der Corona-Krise ist das vielleicht sogar noch sinnvoller als in "normalen" wirtschaftlichen Abwärtsbewegungen. Denn die Gesellschaft ist dieser Zeit durch die behördlichen Auflagen gewissermaßen gezwungen, bestimmte Produkte und Dienstleistungen stärker zu nutzen und auf andere zu verzichten. Dazu kommen Sondereffekte, die bestimmte Branchen noch attraktiver machen.

Gesundheits- und Pharmabranche

Solche Sondereffekte betreffen zum Beispiel Bereiche, die direkt oder indirekt bei der Bekämpfung der Gesundheitskrise eine Rolle spielen. Der Hersteller von Beatmungsgeräten Drägerwerk und Impfstoff-Hersteller wie die Mainzer Biontech sind extreme Beispiele. Medizintechnikunternehmen und Laborausrüster wie Sartorius, Hersteller von Infusionslösungen wie Fresenius oder Dialyse-Spezialisten wie dessen Tochter FMC werden ihrem Image als rezessions-averse Aktien wohl in den kommenden Monaten mehr als gerecht. Pharmagiganten wie Pfizer oder Novartis sollten ebenfalls einen Teil der Sonderkonjunktur in Erlöse und Gewinne umwandeln können.

Konsumiert wird noch mehr

Das dürfte auch für viele Konsumaktien gelten. Das Motto "gegessen und getrunken wird immer" muss in Zeiten der Corona-Krise noch um "zu Hause" ergänzt werden. Gorillas der Konsumgüter-Branche wie Nestlé, Procter & Gamble, Colgate oder Johnson & Johnson, Danone oder Beiersdorf werden davon profitieren.

Auch wenn der öffentliche und private Personenverkehr deutlich eingeschränkt werden wird, gilt das nicht für die Waren, die die Menschen in ihren Wohnungen und Häusern benötigen, von der Pampers über Fertigpizza bis zum neuen PC oder TV, der die vielen Stunden im trauten Heim verschönern soll. Nicht nur die Hersteller, sondern auch die Verkäufer und Lieferanten der Waren in das Exil der Verbraucher werden von der neuen Situation profitieren. Amazon, aber generell alle Internet-Versender dürften einen Großteil des Geschäfts übernehmen, das durch die Schließung der Geschäfte anderswo wegbricht.

Versorger auf allen Ebenen gefragt

Versorger gelten traditionell als krisenresistente Titel. Auch dies dürfte sich in den bevorstehenden Monaten noch mehr belegen lassen. Die Strom- und Gas-Rechnungen der Verbraucher werden aller Voraussicht nach in dem Maß steigen, wie Büroarbeitsplätze, aber auch Schulen und Universitäten geschlossen bleiben. Auch Telekomanbieter, ob fürs Festnetz oder Mobil-Telefon werden profitieren. Entsprechend haben Aktien der Telekom von United Internet weiterhin gute Chancen im Depot. Gleiches gilt für die führenden Smartphone-Hersteller wie Apple oder Samsung. Streaming-Anbieter wie Netflix werden sicher ebenso einen Push erhalten wie Hersteller von Spiele-Konsolen oder PC- und Internet-Spielen.

Wer also sein Depot zu den derzeit vermeintlich "günstigen" Preisen umschichten will oder jetzt den Neueinstieg wagt, sollte dies unter Berücksichtigung der anstehenden schweren konjunkturellen Lage tun. Auch in der Rezession gibt es Gewinneraktien.

AB