Oldtimer-Lenkrad und Armaturenbrett Video

Ein Blick auf den Oldtimer-Markt Eignen sich Oldtimer als Geldanlage?

Stand: 06.12.2017, 08:42 Uhr

Der niedrige Zins treibt Anleger immer wieder auf die Suche nach alternativen Geldanlagen. Eine Leidenschaft wird dabei immer beliebter: Oldtimer. Deren Wert wächst jährlich recht konstant. Klingt gut – doch ist das ohne Risiko?

Der Anblick eines VW-Käfers oder einer Ente auf den heutigen Straßen lässt die Herzen von Oldtimerfans gleich höher schlagen. Die Kultautos stehen für glänzendes Chrom, geschwungene Karosserieformen und eben längst vergessene Zeiten. Damals waren sie das, was die Automobilbranche an Technik und Luxus hergab. Heute sind viele Modelle echte Sammlerstücke – und eine Menge Geld wert.

Kultige Autos sind beliebt und ihr Bestand auf den deutschen Straßen wächst. So lautet zumindest das Ergebnis der Studie "Wirtschaftsfaktor Young- und Oldtimer 2015" von der Kölner Unternehmensberatung "BBE Automotive". Laut Kraftfahrt-Bundesamt gab es 2015 rund 7,8 Millionen registrierte Young- und Oldtimer in Deutschland – damit 19 Prozent mehr als noch 2013.

Käfer im VW-Museum

Käfer im VW-Museum. | Bildquelle: picture alliance / Global Travel Images

Über sieben Millionen davon waren mindestens 15 Jahre alt - also sogenannte "Youngtimer". Nur rund 700.000 zählten zu den Oldtimern. Sie müssen mindestens 30 Jahre alt sein – dann dürfen sie auch das begehrte "H-Kennzeichen" tragen. Der Gesamtwert der Karossen: über 16 Milliarden Euro.

Das beachtliche Marktvolumen macht die historischen Fahrzeuge neben Immobilien, Aktien, Kunst und Gold zu einer möglichen Wertanlage. Der jährlich erscheinende "Deutsche Oldtimer Index" (DOX) des Verbands der Automobilindustrie (VDA) lag 2016 bei 2.516 Punkten - rund 4,4 Prozent höher als im Vorjahr. Das zehnjährige Mittel liegt noch höher: Um 5,8 Prozent jährlich steigerte sich der Wert der Autos im Durchschnitt.

Der "Deutsche Oldtimer Index"

Den "Deutsche Oldtimer Index" (DOX) gibt es seit 1999. Er wird jährlich von dem Verband der Automobilindustrie (VDA) erstellt und basiert auf den Marktbeobachtungen des Bewertungsspezialisten "Classic Analytics". Der DOX gibt eine Trendaussage, wie sich Preise für Oldtimer in Deutschland entwickeln. Es werden 88 Fahrzeuge berücksichtigt, die laut der deutschen KBA-Statistik am häufigsten auf dem deutschen Markt vertreten sind. Um saisonale Schwankungen zu vermeiden, wird der Index nur einmal im Jahr abgebildet.

Zwar schwächt sich die Kurve langsam ab, doch die weiteren Zahlen zeigen: Ein Investment in Oldtimer kann sich lohnen. So lag die Inflationsrate 2016 bei rund 0,5 Prozent und der Preis für Neuwagen durchschnittlich 1,4 Prozent über den Preisen im Vorjahr. Die Wertzuwächse der Kultautos klingen hingegen verheißungsvoll. Aber ist die Leidenschaft auch eine Geldanlage für Jedermann?

Die Kosten

Die hohe Nachfrage hinterlässt bereits ihre Spuren: Echte Schätze zum Schnäppchenpreis zu ergattern, ist mittlerweile schon nahezu unmöglich. Experten raten daher zum Kauf eines Youngtimers: Die sind meist noch recht günstig. Doch der Kaufpreis ist erst der Anfang.

Kaufen, erhalten, lagern, verkaufen – beim Oldtimer kommen so manche Kosten zusammen. Natürlich gibt es auch beim Gold Lagerkosten und die Aktienanlage ist auch nicht kostenfrei.

Oldtimer sind aber aufwändiger: Der Stellraum muss witterungsfest sein und vor Schäden durch Frost und Feuchtigkeit schützen – sonst kommt der Rost und die Rendite geht flöten. Außerdem verlieren die Wagen an Wert, wenn sie nicht mehr fahren können. Schon kommen Kosten für Steuer, Versicherung, TÜV, Kennzeichen, Zulassung und Benzin hinzu.

Es geht also bei den Oldtimern nicht nur ums Lagern – sie sind eine aktive Anlage, die Aufmerksamkeit braucht. Laut der Studie der "BBE Automotive" erzielte die Branche 2015 rund 2,6 Milliarden Euro. Anders ausgedrückt: So viel ließen sich deutschen Fahrzeughalter die Rundumpflege ihrer historischen Schätze kosten. Laut Experten müssen Käufer bei Mittelklassemodellen mit bis zu 150 Euro im Monat rechnen – für Sportwagen werden schnell mal Summen im vierstelligen Bereich fällig.

Auch kurzfristige Liquidität ist mit einem Oldtimer als Wertanlage nicht so einfach. Denn wer seinen Oldtimer loswerden möchte, muss meist mehrere Wochen bis zum Verkauf einplanen und natürlich das Inserat zahlen. Eine Aktie lässt sich innerhalb weniger Sekunden verkaufen.

Die Rendite

Für die Wertanlage Oldtimer spricht die relativ konstante durchschnittliche Wertsteigerung: Sie ist im zehnjährigen Mittel mit 5,8 Prozent weniger schwankend als so manche Aktie. Laut des "Dax-Rendite-Dreiecks" vom Deutschen Aktieninstitut wuchs der Dax im gleichen Zeitraum um 5,7 Prozent – ebenfalls langfristiger Durchschnitt. In der Weltwirtschaftskrise 2008 hat der deutsche Leitindex jedoch auch glatte 40,4 Prozent auf das vorherige Jahr verloren. Auch am Dox ging die Finanzkrise nicht spurlos vorbei: Rund 1,9 Prozent verlor er in der ersten Jahreshälfte 2010. Insgesamt ist der Oldtimer Index seit seiner Einführung 1999 jedoch recht konstant gestiegen.

Deutscher Oldtimer Index 2016 (DOX). | Bildquelle: Verband der Automobilindustrie

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
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Differenz relativ
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Allerdings besteht ähnlich wie bei Einzelaktien ein gewisses Auswahlrisiko. Eines muss klar sein: Nur weil der Käufer das alte Modell des Rolls Royce mag, muss er auf dem Markt noch lange keinen Wert haben. Denn der tatsächliche Wert ergibt sich wie üblich aus Angebot und Nachfrage.

Was gesucht ist, steigt im Preis. Was aber nicht gesucht ist, kann sogar sinken. Die Wertveränderungen sind dabei teilweise extrem: Der "Rolls Royce Silver Spirit" aus dem Jahr 1981 war früher 28.000 Euro wert – heute sind es nur noch 15.000 bis 20.000 Euro. Solche Preisschwankungen und sogar Preisrückgänge sind nicht selten.

Nur vereinzelte Exemplare sind wirklich wertvoll. Hat man aber gerade die in der Garage stehen, stehen die Chancen für eine Rendite gut. Realistisch sind fünf bis sieben Prozent im Jahr - vor Abzug aller weiteren Kosten. Für die Extra-Rendite sorgen Autos mit historischem Hintergrund wie etwa ein gewisser "BMW 507": Den Roadster fuhr Elvis Presley während seines Militärdienstes in Deutschland.

Elvis Presley steigt in seinen BMW 507 Roadster

Elvis und sein BMW 507 Roadster. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Das Risiko

Den Oldtimermarkt gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten. Er ist also noch jung - und riskant. Das größte Problem: Die alten Autos können bei falscher Pflege kaputt gehen. Eine Versicherung kann da nur bedingt helfen: Der ideelle Wert geht schließlich verloren. Ohne Versicherung ist im schlimmsten Fall also auch ein Totalverlust möglich.

Fazit: Nur ein Markt für Kenner

Ob Young- oder Oldtimer – als Wertanlage eignen sich die Karossen nur für diejenigen, die sich auskennen und sich vor allem gerne mit ihren Schätzchen beschäftigen. Wie bei anderen Geldanlagen sind Grundkenntnisse der Branche und der richtige Riecher von Vorteil. Denn bei einem Oldtimer als Geldanlage geht es weniger um die eigene Vorliebe, als um den tatsächlichen Marktwert des Fahrzeugs. Also eine Geldanlage für echte Liebhaber, die sich auch auf Oldtimertreffen und Rallyes mit ihrem nostalgischen Gefährt freuen.

jz

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Der "Deutsche Oldtimer Index" 2016 (DOX)
Den "Deutsche Oldtimer Index" (DOX) gibt es seit 1999. Er wird jährlich von dem Verband der Automobilindustrie (VDA) erstellt und basiert auf den Marktbeobachtungen des Bewertungsspezialisten "Classic Analytics". Der DOX gibt eine Trendaussage, wie sich Preise für Oldtimer in Deutschland entwickeln. Es werden 88 Fahrzeuge berücksichtigt, die laut der deutschen KBA-Statistik am häufigsten auf dem deutschen Markt vertreten sind. Um saisonale Schwankungen zu vermeiden, wird der Index nur einmal im Jahr abgebildet.

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