Männliche Hand mit einem Stapel Geldscheine vor dunklem Himmel

Studie: Problem von Fondsmanagern ist der Verkauf Dieser verdammte Aktienverkauf!

Stand: 21.01.2019, 11:56 Uhr

Es ist weniger die Auswahl der Aktien, die institutionellen Anlegern das Genick bricht, sondern eher die Frage, wann sie ihre Aktien wieder verkaufen. Das zeigt eine neue Studie. Selbst wenn Fondsmanager ein gutes Händchen bei der Aktienwahl haben - beim Verkauf versagen die meisten kläglich.

Nach sechs erfolgreichen Jahren erlitten Fondsanleger 2018 einen heftigen Rückschlag. Laut den Experten von e-fundresearch.com haben nur 18 Prozent aller erhältlichen Fondsprodukte das vergangene Jahr mit positiven Erträgen überstanden. Im Durchschnitt aller Fonds entstanden Verluste von 6,3 Prozent für die Anleger, im Aktienfondssektor sogar 11,6 Prozent.

Fondsbilanz 2018

Fondsbilanz 2018. | Bildquelle: e-fundresearch.com, Grafik: boerse.ARD.de

Neben wirtschaftlichen Turbulenzen und damit bröckelnden Aktienkursen deckt eine Studie nun einen weiteren Grund auf, warum es mit den Fonds nicht so gut läuft.

Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Fondsmanager wissen, wie man kauft. Was sie aber lernen müssen, ist der Verkauf. Das ist die Schlussfolgerung einer Anfang des Jahres auf Social Science Research Network von vier amerikanischen und britischen Forschern veröffentlichten Studie.

Systematische Vorurteile

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Fondsmanager einseitig begabt

Ein Großteil der Forschungsarbeiten über Probleme finanzieller Entscheidungsfindung konzentriert sich auf Privatanleger. Die aktuelle Studie zeigt jedoch, dass auch Finanzmarktexperten - institutionelle Anleger mit Portfolios von durchschnittlich 573 Millionen US-Dollar - kostspielige systematische Vorurteile zeigen.

Das Problem liege in den Entscheidungen, was verkauft werden soll. Dabei bleiben die Profis im Vergleich zu Strategien, die keine Fertigkeiten erfordern, wie etwa der zufällige Verkauf bestehender Positionen im Hinblick auf die Benchmark erheblich hinter den Erwartungen zurück.

Kurz gesagt: Fondsmanager wären besser und in manchen Fällen sogar viel besser, wenn sie Beteiligungen lediglich nach dem Zufallsprinzip verkaufen.

Neue Anlageideen häufigster Verkaufsgrund

Es gebe eine Asymmetrie zwischen Kauf und Verkauf, sagen die Forscher. Kaufentscheidungen seien zukunftsorientiert und erfolgten nach einem analytischen Prozess. Der Verkauf von Aktien dagegen sei rückwärts gerichtet. Auch Experten seien anscheinend anfällig für Verhaltensweisen und kognitive Fehler, die normalerweise eher bei nicht-professionellen Anlegern gewöhnlich sind.

Die Studie ergab, dass viele Profis genauso wahrscheinlich an diesen Verhaltensfehlern leiden. Den Vermögensverwaltern mangele es oft an soliden analytischen Rahmenbedingungen für den Verkauf, sodass grobe Faust- oder Bauchregeln verwendet werden. Tatsächlich scheint der häufigste Grund zum Verkauf nach Angaben der Experten der Kauf der nächsten großen Anlageidee zu sein.

Kontrafaktisches Portfolio als Vergleich

Fonds. | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Der Datensatz der Studie enthielt die täglichen Bestände und Trades von 783 Portfolios mit einem Durchschnittswert von rund 573 Millionen US-Dollar. Die Forscher bewerteten mehr als 89 Millionen Handelsdatenpunkte und 4,4 Millionen Trades zwischen 2000 und 2016 - einen Zeitraum mit mindestens zwei großen Marktabstürzen und zwei Erholungen. Insgesamt wurden zwei Millionen Verkäufe und 2,4 Millionen Käufe von erfahrenen institutionellen Portfoliomanagern untersucht.

Anstatt die Renditen der Portfolios mit einer Benchmark zu vergleichen, erstellte die Studie ein so genanntes kontrafaktisches Verkaufsportfolio. Wann immer der tatsächliche Portfoliomanager ein Wertpapier verkaufte, verkaufte das kontrafaktische Portfolio ein anderes, zufällig ausgewähltes Wertpapier.

Zufallsauswahl mit besserer Bilanz

Das Ergebnis erstaunt. Das kontrafaktische Portfolio mit den zufälligen Verkäufen übertraf das Portfolio mit verwalteten Verkäufen im Verlauf des folgenden Jahres um 50 bis 100 Basispunkte. Mit anderen Worten: Die Zufallsauswahl machte einen besseren Job im Halten von Gewinnern und Verwerfen von Verlierern als der Fondsmanager.

Als die Forscher ein ähnliches kontrafaktisches Portfolio aufstellten, das nur die Käufe randomisierte, blieb es allerdings hinter der aktiven Strategie zurück. Beim Kauf zeigen die Manager also gewisse Fähigkeiten - beim Verkauf haben sie eine Menge Arbeit vor sich.

tb