Short-Sale

Auf dem falschen Fuß erwischt Die Leiden der Leerverkäufer

Stand: 06.06.2019, 11:32 Uhr

Seit ein paar Tagen geht es an den Börsen dank der Spekulationen um einen Zinssenkung der Fed überraschenderweise wieder aufwärts. Wer auf fallende Kurse gesetzt hat, ist jetzt der Dumme. Medien berichten von einem Blutbad unter Leerverkäufern.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt, verbuchten Leerverkäufer zu Wochenbeginn in den USA die größten Verluste seit fünf Monaten. Das Kalkül der Shortseller war klar: Der anhaltende Zollstreit zwischen China und den USA sowie die sich mehrenden Anzeichen für ein Abkühlen der globalen Ökonomie wird die Aktienmärkte weiter unter Druck setzen. Seit seinem Rekordhoch bei 2.943 Punkten Ende April sackte beispielsweise der S&P 500 binnen rund eines Monats bis unter 2.750 Zähler.

Leerverkäufer sind Anleger, die auf fallende Kurse setzen. Dafür leihen sie sich Aktien und verkaufen sie. Das Kalkül dahinter: Sinkt der Kurs, können sie die Titel später zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen und dem Verleiher zurückgeben. Die Differenz zwischen Verkaufspreis und Rückkaufpreis ist ihr Gewinn.

Grafische Darstellung wei ein Leerverkäufer arbeitet

Leerverkäufe. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

Die Fed macht einen Strich durch die Rechnung

Mit dieser Einschätzung lagen die Leerverkäufer daneben. Seit ein paar Tagen geht es rasant aufwärts, denn zuletzt hatten sich die Anzeichen gemehrt, dass die US-Notenbank Fed angesichts der weltweiten Handelsspannungen und der damit verbundenen konjunkturellen Risiken den Leitzins bald senken könnte.

Fed-Chef Jerome Powell erklärte, die US-Notenbank würde „angemessen“ auf Risiken aus dem Handelskonflikten reagieren. Damit ließ er einen Spielraum für mögliche Zinssenkungen offen. „Der Markt fordert niedrigere Zinsen als Schutz gegen etwaige konjunkturelle Schwäche“, sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. Damit steige auch der Druck auf die Fed, die Zinsen zu senken. Solche Nachrichten lieben die Marktteilnehmer für gewöhnlich, die Börsen zogen an.

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Wie funktionieren Leerverkäufe?

Schwächster Tag des Jahres

S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
3.004,92
Differenz relativ
+0,26%

Für Shortseller sind die Zinssenkungsfantasien ein Gräuel. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die 50 am meisten leerverkauften Aktien in einer Art Index zusammengefasst – sie sprangen am Dienstag insgesamt um 3,6 Prozent an und damit noch stärker als der Gesamtmarkt.  

Bloomberg berichtet weiter, dass Hedgefonds, die mit einer Long- und Short-Strategie operieren, bereits am Montag einen Verlust von 1,7 Prozent erlitten hätten. Für sie sei es der schwächste Tag des Jahres gewesen, wie Daten der japanischen Finanzholding Nomura zeigten. Die aktuellen US-Futures zeigen, dass die Gewinnsträhne in den USA sich wohl fortsetzen dürfte.   

ts