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Die Lehren aus dem Wirecard-Desaster Überblick

Financial Times

Kritische Berichte ernstnehmen
Für Privatanleger, aber auch Profi-Investoren sorgt Wirecard für eine Reihe schmerzhafter Erkenntnisse beim Engagement im Aktienmarkt. „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“, bedeutet, dass die Berichte über Ungereimtheiten bei Unternehmen oft einen wahren Kern haben. Als die „Financial Times“ erste Vorwürfe formulierten, nahmen Anleger, aber auch Analysten und die Aufsicht diese nicht wirklich ernst. Leichtgläubig wurde auf das Unternehmen und dessen (Gegen)Darstellungen vertraut.

Die Lehren aus dem Wirecard-Desaster Überblick

Financial Times

Kritische Berichte ernstnehmen
Für Privatanleger, aber auch Profi-Investoren sorgt Wirecard für eine Reihe schmerzhafter Erkenntnisse beim Engagement im Aktienmarkt. „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“, bedeutet, dass die Berichte über Ungereimtheiten bei Unternehmen oft einen wahren Kern haben. Als die „Financial Times“ erste Vorwürfe formulierten, nahmen Anleger, aber auch Analysten und die Aufsicht diese nicht wirklich ernst. Leichtgläubig wurde auf das Unternehmen und dessen (Gegen)Darstellungen vertraut.

Short-Sale

Shortseller beachten
Auch wiederholte Attacken durch Short Seller, flankiert durch die Berichterstattung durchaus dubioser Börsenbriefe, hätten im Nachhinein zu Denken geben können. Die Vorwürfe der Spekulanten müssen nicht immer stimmen, aber ein Warnsignal geht von solchen Aktionen zwingend aus. Im Nachhinein bezeichnen einige Beobachter das Agieren der „Shorties“ sogar als Beitrag zur „Kapitalmarkthygiene“.

Markus Braun, Wirecard

Gesundes Misstrauen gegenüber den Akteuren
Die Aussicht auf anhaltende Kursgewinne hat bei vielen Anlegern auch ein gewisses Maß an Misstrauen „abgeblockt“. Dieses Misstrauen wäre nicht nur gegenüber dem Unternehmen und seiner Führungsspitze hilfreich gewesen. Auch die Arbeit der Wirtschaftsprüfer, von Bankanalysten und nicht zuletzt der Aufsichtsbehörden hätte durchaus eine größere kritische Distanz gerechtfertigt, bestenfalls mit der Konsequenz, die Aktie zu verkaufen.

Smartphone. Herzen, Eurozeichen

Nicht in Aktien „verlieben“
Für Privatanleger wie auch Fondsmanager besteht bei vermeintlich attraktiven Aktien und ihrer Kursperformance oft die Gefahr, sich trotz einer problematischen Nachrichtenlage bei einem Titel festzubeißen. Sich in Aktien nicht zu „verlieben“, ist aus gutem Grund eine Börsenweisheit, die immer wieder vor Verlusten schützen kann. Die Erfahrung haben gerade bei Wirecard auch viele Profis gemacht, zum Beispiel auch Analysten, die die kritischen Kommentare ausgeblendet haben.

Offenes Depotfach mit aufsteigenden Prozentzeichen

Keine Klumpenrisiken bilden
Gleiches gilt für eine zu hohe Gewichtung von Titeln, die vermeintlich Kursraketen sind. Privatanleger sollten sich ein Limit dafür setzen, wie hoch der Anteil an einem Einzeltitel im Depot maximal sein sollte. Damit sind auch mögliche Verluste im Fall der Fälle auf diesen Depotbestandteil begrenzt. Verbraucherschützer wie Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (s. unser Interview) raten generell dazu, eher über ETFs die Anlage zu streuen. Wer Wirecard nur als Teil des Dax' im Depot hatte, kam mit sehr geringen Verlusten davon.

Brennender 50-Euroschein

Verbilligen ist Geldverbrennen
Noch fahrlässiger ist die Strategie des „Verbilligens“. Einen Titel, an den man partout glauben will, nach Kurseinbrüchen nachzukaufen, um damit einen vorteilhafteren Durchschnittkurs zu erzielen, erscheint nur auf den ersten Blick clever. Wo das Tief bei der Aktie eines Unternehmens mit hohem Pleiterisiko ist, weiß man immer erst hinterher. Und mehr Geld dem bestehenden Einsatz „hinterher zu werfen“, geht fast immer ins Auge.

Händler an der Frankfurter Börse im März 2020

Handelsaussetzung in kritischen Phasen
Anlegerschützer fordern umfangreiche Konsequenzen aus dem Wirecard-Skandal, die die Investoren in künftigen, ähnlich gelagerten Fällen schützen sollen. Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Anlegerschutzorganisation DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) fordert etwa eine Aussetzung des Börsenhandels, wenn kritische Informationen über eine mögliche Pleite oder Bilanzmanipulationen in den Markt kommen. Dabei geht es darum, „die entstehende Dynamik insbesondere automatisierter Verkaufsorders zu unterbrechen, um den Anlegern die Chance zu geben, die Situation in Ruhe zu beurteilen, und den Unternehmen die Möglichkeit zu eröffnen, auf die erhobenen Vorwürfe zu reagieren“.

Fernglas auf die Frankfurter Skyline gerichtet

Stärkung der Aufsicht
Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) fordert eine Reihe von Reformen bei der Beaufsichtigung von Unternehmen. Dazu gehört zum Beispiel eine Berichterstattung der Bilanzprüfer gegenüber den Aktionären, eine Haftung der Bilanzprüfer auch gegenüber Gläubigern und Aktionären sowie eine Stärkung der Aufsichtsbehörde BaFin. Diese solle im Falle des Versagens auch gegenüber den Anteilseignern in die Haftung genommen werden.