Junger Mann streicht eine Wand grün

EU will das Geld grüner machen Lässt sich Nachhaltigkeit verordnen?

von Notker Blechner

Stand: 22.03.2019, 14:48 Uhr

Kohleausstieg, Diesel-Fahrverbote, Klimaschutz-Demos: Deutschland reitet derzeit auf der "grünen Welle". Nun soll auch noch die Geldanlage grüner werden. Die EU will Anleger dazu drängen, mehr Nachhaltigkeitsfonds zu kaufen. Manche Finanzakteure finden das gut, andere wettern über das "Brüsseler Öko-Diktat".

Kaum ein Thema bewegt die Finanzbranche derzeit so sehr wie die europäischen Nachhaltigkeitspläne. Auf Konferenzen wird lebhaft über die EU-Taxonomie und die ideale "ESG" diskutiert, die Kurzformel für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Die drei Schlüsselbegriffe bilden die Grundpfeiler der Nachhaltigkeit.

Aktionsplan für nachhaltiges Finanzwesen

Die EU-Kommission will mit einem Aktionsplan für nachhaltiges Finanzwesen grüne Investments vorantreiben. Demnach sollen institutionelle Anleger künftig ausweisen, wie umweltfreundlich ihre Investitionen sind. Anlageberater müssen ihre Kunden fragen, ob und wie nachhaltig sie ihr Geld anlegen. Zudem soll ein einheitliches Finanz-Ökolabel, ein Klassifikationssystem (Taxonomie) festgelegt werden, das nachhaltiges Wirtschaften kennzeichnet.

Die Finanzbranche soll damit einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung der ehrgeizigen Klimaziele auf europäischer Ebene leisten. Bis 2030 nämlich will die EU die Treibhausgase um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken, um die Zusagen aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 umzusetzen. Die Vorschläge aus Brüssel stellen darauf ab, "die gewaltige Kraft der Kapitalmärkte für den Kampf gegen den Klimawandel zu mobilisieren", sagte EU-Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrowski.

Noch sind die Pläne nicht beschlossen. Aber nicht alle Vermögensverwalter und Fonds-Anbieter reagieren begeistert. Einige fühlen sich bevormundet. "Man sollte die Leute nicht zur Nachhaltigkeit zwingen", meint Duy Ton, der bei der Fondsgesellschaft Union Investment für das nachhaltige Portfoliogeschäft zuständig ist. Wenn ein Anleger nicht von Nachhaltigkeit überzeugt sei, finde er immer Schlupflöcher.

Flossbach warnt vor Bürokratie-Monster

Noch deutlicher drückt sich der bekannte Vermögensverwalter Bert Flossbach aus. Er spricht von sozialistischer Planwirtschaft und einem Bürokratie-Monster. "Der EU-Aktionsplan reicht von Standards und grünen Labeln für Finanzprodukte bis hin zu Anlagevorschriften für Vermögensverwalter", sagt er. Alleine bei der EU-Taxonomie müssten tausende Unternehmen anhand hunderter, oft schwammiger ESG-Kriterien analysiert und klassifiziert werden. "Was bei einem überschaubaren Windrad noch möglich ist, grenzt bei einem global operierenden Konzern an Größenwahn", kritisiert Flossbach. Anlegern drohe ein neues Bürokratie-Monster.

Zudem ließen sich nachhaltige Investments kaum definieren. Es gebe keine verbindlichen Nachhaltigkeitsvorstellungen. Dass die Aufgabe den Ratingagenturen zugeschoben werden soll, hält der Vermögensverwalter für wenig zielführend. "Wohin blindes Vertrauen in Ratings führen kann, mussten unzählige Anleger schmerzlich in der Finanzkrise erfahren."

Selbst Alfred Platow schüttelt den Kopf. Der Gründer der Fondsgesellschaft Ökoworld, die einen der ersten grünen Fonds auf den Markt brachte, hält die Nachhaltigkeitsinitiative der EU für wenig hilfreich.

"Totaler Irrweg!"

Auch in der Politik regt sich Widerstand. "Der Aktionsplan der EU ist ein totaler Irrweg", kritisierte jüngst der FDP-Abgeordnete und Euro-Kritiker Frank Schäffler in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Welches Investment nachhaltig sei, wisse der Staat nicht. Im besten Fall schaffe er nur mehr Bürokratie, im schlimmsten Falle neue Blasen an den Finanzmärkten.

Die Bundesregierung lässt sich von solchen Einwänden nicht beirren. Sie unterstützt den EU-Aktionsplan. Auf Konferenzen wirbt Berlin für mehr Nachhaltigkeit in der Geldanlage - und sucht die Diskussion mit den Finanzmarkt-Akteuren.

Es gibt aber auch Unterstützung

Teilweise gibt es auch Unterstützung aus der Finanzbranche. Es bedürfe endlich mehr Anreize durch die Politik, um das Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft in Bewegung zu bringen", findet Joachim Faber, Aufsichtsratschef der Deutschen Börse. "Wir reden seit Anfang des Jahrtausends über Nachhaltigkeit, aber die Industrie hat sich nicht richtig oder viel zu langsam bewegt", moniert er.

Auch Heinz-Werner Rapp, Chefanlagestratege von Feri, hält die Brüsseler Nachhaltigkeitspläne für einen richtigen Schritt in die richtige Richtung. Natürlich seien Eingriffe in die Geldanlage-Politik erst mal negativ, aber mittel- und langfristig würde es nachhaltige Investments beschleunigen.

Nur fünf Prozent der Gelder nachhaltig angelegt

Noch stecken Nachhaltigkeitsfonds in Deutschland in den Kinderschuhen. 2018 investierten Anleger gut 158 Milliarden Euro in Fonds mit dem Label "nachhaltig". Das ist zwar gut vier Mal so viel wie 2007. Aber nur fünf Prozent des gesamten verwalteten Fondsvermögens in Deutschland.

Immer noch gibt es in der Öffentlichkeit Zweifel, ob das gute Gewissen im Einklang mit der Rendite steht. Mehrere Studien haben aber inzwischen bewiesen, dass Nachhaltigkeit zumindest keine Renditeeinbußen bringt. Die Ratingagentur Scope bescheinigt den Nachhaltigkeitsfonds sogar eine bessere Performance als herkömmlichen Produkten. So hätten sie in den vergangenen fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von 10,7 Prozent erzielt - und damit 0,7 Prozentpunkte besser abgeschnitten als vergleichbare Fonds der herkömmlichen Kategorie.

SRI Index im Vergleich zum MSCI World  (seit 2007)

SRI Index versus MSCI World. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Grün rechnet sich... langfristig

Auf Zwölf-Jahres-Sicht haben nachhaltige Aktien besser abgeschnitten als herkömmliche Titel. Der SRI-Index hat seit 2007 den MSCI World Index leicht outperformt. Experte Ali Masarwah von der Ratingagentur Morningstar weist darauf hin, dass Firmen, die die ESG-Kriterien (Environment, Social und Governance) erfüllen, langfristig solider dastehen als Nachhaltigkeitsverweigerer. Er empfiehlt, bei der Analyse von Nachhaltigkeitsfonds nicht nur auf Performance-Aspekte zu schauen. Morningstar hat inzwischen auch ein Sustainability-Rating für Fonds eingeführt.

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Die besten Nachhaltigkeitsfonds Grün lohnt sich doch

<strong>AB Sustainable Global Thematic</strong><br/>Positiv unter den nachhaltigen Aktienfonds ragt der AB Sustainable Global Thematic heraus. Auf Drei-Jahres-Sicht hat er eine Performance von fast 40 Prozent geschafft. Laut Zahlen von Morningstar war er damit der beste Nachhaltigkeits-Aktienfonds in diesem Zeitraum. In den letzten fünf Jahren erzielte der Luxemburger Fonds gar eine Rendite von fast 70 Prozent. Größte Positionen im Portfolio sind momentan Abbott Labs, Ecolab, Visa, Xylem und American Water Works.: Kursverlauf am Börsenplatz Fonds für den Zeitraum 5 Jahre

AB Sustainable Global Thematic
Positiv unter den nachhaltigen Aktienfonds ragt der AB Sustainable Global Thematic heraus. Auf Drei-Jahres-Sicht hat er eine Performance von fast 40 Prozent geschafft. Laut Zahlen von Morningstar war er damit der beste Nachhaltigkeits-Aktienfonds in diesem Zeitraum. In den letzten fünf Jahren erzielte der Luxemburger Fonds gar eine Rendite von fast 70 Prozent. Größte Positionen im Portfolio sind momentan Abbott Labs, Ecolab, Visa, Xylem und American Water Works.