Modellfiguren von Anlegern stehen auf Zeitungen und Listen mit Aktienkursen

Langfristiger Effekt umstritten Der dumme Boom bei Aktienrückkäufen

Stand: 13.03.2018, 14:19 Uhr

Egal ob ExxonMobil, IBM oder Münchener Rück: Aktienrückkäufe sind bei den großen Konzernen en vogue. Warum das für Anleger nicht unbedingt eine gute Nachricht ist.

In der traditionellen Lesart sind Aktienrückkäufe eine Win-Win-Situation für Anleger wie Unternehmen. Wann immer Unternehmen Aktienrückkauf-Programme verkünden, ist ihnen der Applaus der Börse und der Medien gewiss. In aller Regel steigen die Aktien am Tag der Bekanntgabe.

Die dazugehörigen Meldungen lauten dann: Das Unternehmen XY will seine Aktionäre stärker beteiligen. Das Unternehmen XY beteiligt Anleger am Erfolg. Oder: Das Unternehmen XY hält Anleger mit Aktienrückkäufen bei Laune.

Die Fortsetzung fehlt

Tatsache ist aber: Diese Lesart einer unter großen börsennotierten Konzernen weit verbreiteten Maßnahme zur Kurspflege ist etwas zu oberflächlich. Was fehlt, ist die Fortsetzung, die Langfrist-Betrachtung.

Öffnet man nämlich den Zeithorizont, so wird rasch klar, dass Aktienrückkäufe dem Aktienkurs langfristig nicht unbedingt und immer gut tun. Darauf weist der US-Vermögensverwalter Barry Ritholtz in einer aktuellen Bloomberg-Kolumne hin.

Exxon und GE als Negativbeispiele

Demnach ist etwa ExxonMobil einer der größten Aktienrückkäufer am US-Markt. Während der vergangenen zehn Jahre hat der Ölriese laut Reuters-Daten Aktienrückkäufe im Volumen von 210 Milliarden Dollar verkündet.

Die Anleger hatten davon aber nicht viel: Notierte der Exxon-Kurs vor zehn Jahren noch bei 87 Dollar, so ist die Aktie heute nur noch 75 Dollar wert.

Ein weiteres Beispiel: General Electric. Der Mischkonzern hat während der vergangenen drei Jahre Aktienrückkäufe im Volumen von mehr als 50 Milliarden Dollar gestemmt. Im gleichen Zeitraum hat die Aktie rund 40 Prozent ihres Werts eingebüßt.

Deckmäntelchen für schwache Geschäfte

Aktienrückkäufe sind somit keinesfalls ein Garant für langfristig steigende Kurse. Als kurzfristige Kursstütze dienen sie in erster Linie dem Management für die eigenen Aktien-Optionen. Langfristig orientierte Anleger haben hingegen häufiger das Nachsehen.

Nicht selten werden Aktienrückkäufe nämlich auch dazu benutzt, um eine schwache Wertentwicklung zu kaschieren. Das Hauptproblem bei Aktienrückkäufen liegt folglich darin, dass die Auswirkungen schlechter Management-Entscheidungen erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung für alle Anleger sichtbar werden, da sie den Aktienkurs kurzfristig nach oben verzerren. Siehe GE.

ag