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"Der Aktienmarkt findet Trump nicht schlecht" Stimmen zur möglichen Reaktion an der Börse

Zentrale der Postbank in Bonn

Heinz-Gerd Sonnenschein, Aktienstratege von der Postbank
"Bisher prallen alle negativen Nachrichten wie die Russland-Ermittlungen an Trump ab. Deshalb reagiert die Börse darauf nicht wirklich. Wahrscheinlich würden wir im Ausland auf eine Anklage stärker reagieren als die Wall Street."

Im ersten Moment könne die Reaktion negativ ausfallen, da das Risiko eines Machtvakuums in der größten Volkswirtschaft der Welt bestehen würde. "Wie die Märkte aktuell drauf sind - lieber nicht. Es gibt genug andere Punkte, die für Nervosität sorgen", so der Aktienstratege.

Anders als bei einem Todesfall könnte ein Amtsenthebungsverfahren laut Sonnenschein eine eventuelle Hängepartie nach sich ziehen. Wahrscheinlich würde der Nachfolger aber auch hier der Stellvertreter werden, was das Machtvakuum schließen und die Märkte beruhigen würde.

"Der Aktienmarkt findet Trump nicht schlecht" Stimmen zur möglichen Reaktion an der Börse

Zentrale der Postbank in Bonn

Heinz-Gerd Sonnenschein, Aktienstratege von der Postbank
"Bisher prallen alle negativen Nachrichten wie die Russland-Ermittlungen an Trump ab. Deshalb reagiert die Börse darauf nicht wirklich. Wahrscheinlich würden wir im Ausland auf eine Anklage stärker reagieren als die Wall Street."

Im ersten Moment könne die Reaktion negativ ausfallen, da das Risiko eines Machtvakuums in der größten Volkswirtschaft der Welt bestehen würde. "Wie die Märkte aktuell drauf sind - lieber nicht. Es gibt genug andere Punkte, die für Nervosität sorgen", so der Aktienstratege.

Anders als bei einem Todesfall könnte ein Amtsenthebungsverfahren laut Sonnenschein eine eventuelle Hängepartie nach sich ziehen. Wahrscheinlich würde der Nachfolger aber auch hier der Stellvertreter werden, was das Machtvakuum schließen und die Märkte beruhigen würde.

Robert Halver

Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank
"Grundsätzlich möchte die Börse keine Situation haben, in der ein amerikanischer Präsident in seiner Handlung eingeschränkt ist. Neben dem Shutdown könnte das die Führungsmacht der Weltmacht Nummer 1 hemmen", sagt Halver. Vielleicht würde der Gedanke über ein Amtsenthebungsverfahren zwar zunächst neutral bis positiv aufgenommen werden. Für unzufriedene amerikanische Politiker wäre das eine Chance, Trumps Amtszeit zu reduzieren.

Eine Regierungsunfähigkeit könne allerdings keiner gebrauchen, so der Analyst. Und mit einem Amtsenthebungsverfahren tue man sich auch keinen Gefallen. Dann drohe eine Schlammschlacht, denn Trump werde kämpfen. Der Präsident habe stets die Flucht nach vorne ergriffen und das würde er auch dieses Mal tun. Für die Börse wäre das negativ. "Dann droht nämlich die Gefahr, dass Trump noch mehr populistische und unkontrollierte Maßnahmen erlässt - zum Beispiel im Handelsstreit", betont Halver.

Dr. Ulrich Kater

Ulrich Kater, Chefvolkswirt von DekaBank
"Die Reaktion würde sehr gemäßigt ausfallen. Die Erfolgsmöglichkeiten einer Anklage sind doch sehr klein", meint Kater. Selbst wenn es zu einem Präsidentenwechsel komme, übernehme der Vize. "Und auch selbst bei einer Neuwahl und einem möglichen demokratischen Präsidenten werden sich die Dinge nicht plötzlich um 180 Grad drehen", so der Volkswirt weiter. Trumps angestoßene Themen wie die Maßnahmen gegen China würden sich nicht auf gleich ändern. In der US-Politik würde es keine grundlegende Neuorientierung geben. Anders wäre es eventuell bei einer schillernden Figur wie Bernie Sanders an der Spitze. Da könne auch die Reaktion am Aktienmarkt stärker ausfallen.

"Zusammenfassend würde ich sagen: Die anfänglichen Reaktionen wären sehr begrenzt und die Börse würde schnell wieder zum Tagesgeschäft übergehen."

Prof. Dr. Thomas Mayer

Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Insituts
"Es käme auf jeden Fall auf die Aussichten der Anklage für eine Amtsenthebung an. Bei geringen Aussichten würde der Markt wohl kaum reagieren", sagt Mayer. Sollte es allerdings ernst werden, käme es darauf an, ob mit einer Amtsenthebung ein Politikwechsel verbunden wäre. "Ich würde vermuten, dass dann Vizepräsident Pence übernimmt. Das wäre wieder ein non-event", so der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Grundsätzlich würde der Markt laut Mayer umso schlechter reagieren, je näher die Demokraten der Macht im Staat kommen. "Denn trotz allem: der Aktienmarkt findet Trump nicht schlecht."


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