Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ

Warnung von denen, die es wissen müssen Den Märkten drohen Notverkäufe

von Angela Göpfert

Stand: 05.03.2019, 18:00 Uhr

Die Notenbanken haben die Märkte nur kurzfristig beruhigen können. Die renommierte Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt in ihrem aktuellen Quartalsbericht vor drohenden Verkaufswellen an den Märkten.

Seit Ende Dezember 2018 hat der Wind an den Finanzmärkten gedreht. Die großen internationalen Aktien-Indizes konnten sich von ihren Tiefständen fulminant erholen. So schnellte der Weltleitindex Dow Jones Industrial Average seit dem 24. Dezember in der Spitze um stolze 21 Prozent in die Höhe.

Dow Jones. | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

"Notenbank der Notenbanken"

Das muss auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die den jüngsten Kurseinbruch im Herbst korrekt vorhergesehen hatte, anerkennen: "Nach dem Einbruch an den Märkten folgt die Erholung", so die Analyse des aktuellen BIZ-Quartalsbericht.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat an den Finanzmärkten Renommee, ihre Stimme Gewicht. Denn die BIZ agiert als Zentralbank für Notenbanken wie die deutsche Bundesbank, die amerikanische Federal Reserve oder die Bank von England und wird deshalb auch "Notenbank der Notenbanken" genannt. Sie weiß mehr über das Finanzsystem als irgendwer sonst.

Fed bringt Anleger zum Jubeln

Wer ist also nach Meinung der BIZ-Experten für den Stimmungsumschwung an den Märkten verantwortlich? Es sind die Notenbanken. Mal wieder.

Claudio Borio

Sieht die lockere Geldpolitik skeptisch: BIZ-Experte Claudio Borio. | Bildquelle: picture alliance / Yonhap

"Als der Vorsitzende der Federal Reserve am 4. Januar anklingen ließ, dass man womöglich nicht nur beim Leitzins, sondern auch beim Bilanzabbau flexibel auf die Konjunkturabkühlung reagieren würde, jubilierten die Finanzmärkte", unterstreicht Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ, in der Telefonkonferenz zum BIZ-Quartalsbericht.

Kurz nach der Fed bekannten sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of Japan zur lockeren Geldpolitik. "Der schmale Grat der geldpolitischen Normalisierung erweist sich damit als kurvenreich", schlussfolgert Borio.

Spottzinsen schüren Boom bei Unternehmensanleihen

Doch diese lockere Geldpolitik hat einen fatalen Nebeneffekt: Das Geschäft mit Unternehmensanleihen fragwürdiger Bonität hat unter dem Eindruck der anhaltenden Niedrigzinspolitik der großen Notenbanken stark zugenommen.

Kein Wunder, konnten die Unternehmen doch dadurch zu Spottzinsen Kredite aufnehmen oder Anleihen begeben. Auch solche Unternehmen, die dazu in Zeiten "normalhoher" Zinsen gar nicht in der Lage wären. Darunter sind auch viele Unternehmen, die von den Ratingagenturen mit "BBB" eingestuft werden, die also gerade so noch "Investment Grade"-Niveau haben.

Die guten ins Töpfchen…

Ratingagenturen

Unter dem Begriff "Investment Grade" werden Anleihen mit guter bis sehr guter Bonität zusammengefasst. Die Qualität des Schuldners verspricht demnach eine termingerechte Zinszahlung und Rückzahlung der Anleihe. Solche Anleihen werden von den Ratingagenturen mindestens mit "BBB" bewertet. Anleihen mit einem Rating schlechter als "BBB" werden als "Junk-Bonds" oder "Ramschanleihen" bezeichnet.

Anleger kaufen (fast) alles

Seit 2000 ist die Anzahl der BBB-Unternehmensanleihen massiv gestiegen, betonen die BIZ-Experten in ihrem aktuellen Quartalsbericht: "Ende 2018 machten mit BBB bewertete Unternehmens-Anleihen rund ein Drittel aller Unternehmens-Anleihen in den USA aus, in Europa sogar fast die Hälfte."

Unternehmensanleihe-Emissionen

Vor allem in Europa sind BBB-Bonds seit 2000 auf dem Vormarsch. | Bildquelle: BIS.org, Grafik: boerse.ARD.de

Um Abnehmer mussten sich die Unternehmen, deren Anleihen sich nur eine Stufe über Ramschniveau befinden, bislang jedoch nicht sorgen. In Zeiten von Niedrigzinsen kaufen Anleger auf der Suche nach Rendite schon seit Jahren fast alles, was auf den Markt geworfen wird.

"Verkaufswellen wären möglich"

Doch der Schuss kann nach hinten losgehen. "Verkaufswellen wären möglich, wenn es am Höhepunkt einer wirtschaftlichen Schwächephase zu gehäuften Herabstufungen von Emittenten auf Junk-Status käme", warnen die BIZ-Experten.

Denn die meisten Investment- und Pensions-Fonds dürfen nur Anleihen halten, die ein "Investment Grade" aufweisen. Werden also "BBB"-Anleihen massenweise herabgestuft in den Ramschbereich, sind diese Fonds gezwungen, solche Anleihen rasch abzustoßen.

"Fire Sale" mit Folgen

Händler an der New Yorker Börse

Bitte bloß kein Fire Sale! Händler an der New Yorker Börse. | Quelle: picture-alliance/dpa

An den Finanzmärkten kommt es dann zu Notverkäufen. Im Finanzjargon heißt das "Fire Sale". Eine Kreditklemme für die Unternehmen und massive Liquiditätsprobleme für die Märkte sind die logischen Konsequenzen.

Sollte also die Fed in diesem Jahr ihren Zinserhöhungszyklus doch wieder aufnehmen oder aber die globale Konjunktur aus irgend einem Grunde schwächeln, dürfte dies einige Bond-Anleger auf dem falschen Fuß erwischen – mit fatalen Folgen für Märkte, Unternehmen und Volkswirtschaften.