Daxl-Ausblick 2018
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Neue Rekorde 2018 in Sicht Dax vor dem siebten Gewinnjahr?

Stand: 11.12.2017, 11:15 Uhr

2017 könnte das beste Börsenjahr seit 2013 werden. Der Dax hat bisher rund 13 Prozent zugelegt. Im kommenden Jahr dürfte es weiter nach oben gehen - wenn auch in moderaterem Tempo. Die meisten Auguren sind optimistisch. Ein Alarmzeichen?

Mit Vorhersagen am Kapitalmarkt ist das so eine Sache. "Prognosen sind immer dann schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen", heißt es. So auch in diesem Jahr. Keine Bank hat mit ihrer Dax-Prognose für 2017 richtig gelegen. Im Schnitt prophezeiten die Experten ein Plus von 1,3 Prozent, schreibt der Finanzberater Laureus Privat Finanz in einem Marktkommentar.

Alle Experten lagen falsch

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.553,83
Differenz relativ
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Nicht einmal der kühnste Optimist hatte vorhergesagt, dass der Dax die 13.000 Punkte überwindet. Am nächsten kam noch JPMorgan mit einer Prognose von 12.300 Zählern. Die Helaba, die BayernLB, die DZ Bank und die UniCredit sahen den deutschen Leitindex immerhin bei 12.000 Zählern bis Ende 2017.

Trotz des rasanten Höhenflugs am deutschen Aktienmarkt sehen die meisten Experten immer noch Luft nach oben. Ende 2018 werde der Dax bei 14.100 Punkten liegen, prophezeit Ulrich Stephan, der Chefanlagestratege der Deutschen Bank. "Wir glauben, dass die Kurse weiter steigen können", sagt er.

Sprung auf 14.000 Punkte

Auch Julius Bär, die DZ Bank, die Commerzbank und der Verband Öffentlicher Banken trauen dem Dax einen weiteren Sprung um gut 850 Punkte auf die nächste runde Marke von 14.000 Zählern zu. "Die niedrigen Zinsen werden eine Korrektur wahrscheinlich verhindern", meint Christian Kahler, Chefstratege der DZ Bank.

Zwar wird die Fed den Leitzins im kommenden Jahr weiter anheben. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte dagegen erneut ihre Füße still halten. Die erste Leitzinsanhebung in der Eurozone erwarten Experten frühestens 2019. Da die Zinsen also im kommenden Jahr weiter bei null liegen, herrscht Anlagenotstand. Investoren bleibt nichts anders übrig, als in Aktien oder Immobilien zu investieren.

Unternehmensgewinne treiben die Kurse weiter

Markus Gürne
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Banken blicken in die Glaskugel

Als weiteren Kurstreiber sehen die Experten die Unternehmensgewinne. "Die Aktienkurse folgen den Gewinnen der Unternehmen", sagt André Köttner, Co-Leiter Aktien Deutsche Bank Asset Management. Die Deutschbanker prophezeien eine Steigerung der weltweiten Firmengewinne um zehn Prozent je Aktie. Erstmals seit zehn Jahren dürften die Gewinne in den USA, Europa, den Schwellenländern, Japan und China gleichzeitig zweistellig wachsen.

Den verhaltenen Optimismus von Deutsche Bank, DZ Bank & Co teilt die Helaba nicht. "Aktienanleger haben bereits zu viele Vorschusslorbeeren verteilt und sind ausgesprochen sorglos geworden", moniert Chefvolkswirtin Gertrud Traud. "Wir haben in dem aktuellen Zyklus wahrscheinlich das Beste schon gesehen", glaubt sie. Traud traut dem Dax höchstens noch eine Steigerung auf bis zu 13.500 Punkte zu. Insgesamt sieht sie den deutschen Leitindex in einer Spanne von 10.500 bis 13.500 Zähler. Die Abwärtsrisiken seien stärker ausgeprägt als das Aufwärtspotenzial, meint Traud.

Mehrere Risiken für den Dax

Tatsächlich lauern durchaus Gefahren am Aktienmarkt, die den inzwischen sechsjährigen Bullenmarkt stoppen könnten. So könnte die Fed zu aggressiv bei ihren Zinsschritten vorgehen, befürchtet die Deutsche Bank Asset Management. Eine weitere Gefahr sei der Rückfall der USA in eine Rezession, was vom heutigen Stand aber relativ unwahrscheinlich klingt.

Darüberhinaus gibt es geopolitische Risiken. Sollte die Nordkorea-Krise erneut eskalieren und gar in einem Krieg enden, könnte es an den Aktienmärkten zu heftigen Kursschwankungen kommen. Die meisten Börsianer rechnen aber nicht damit, dass US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim-Jong Un eine militärische Auseinandersetzung wagen.

Für Unruhe könnten die Wahlen in Italien im März sorgen. Politische Beobachter rechnen mit einer "Großen Koalition" zwischen den Parteien von Ex-Ministerpräsident Matteo Renzi und "Bunga Bunga" Silvio Berlusconi. Doch politische Börsen haben kurze Beine. "Langfristig wird die Politik kein Thema mehr für die Börsen sein", glaubt Henning Gebhardt, Leiter der Vermögensverwaltung bei der Berenberg Bank.

Deutsche Aktien nicht mehr billig

"Die zentrale Herausforderung für 2018 ist die Höhenangst", meint David Kohl vom Bankhaus Julius Bär. Tatsächlich gilt die Bewertung inzwischen als relativ hoch. Dax-Aktien seien mit einem aktuellen KGV von 14,6 im historischen Vergleich recht teuer, sagt Köttner. Der langjährige Durchschnitt des KGV liegt bei rund 15. Die Bewertungen "passen jedoch zum Wachstums- und Zinsumfeld", meint Ulrich Stephan von der Deutschen Bank.

Dax vs. Dax-KGV

Dax vs. Dax-KGV. | Bildquelle: Allianz Global Investors, Grafik: boerse.ARD.de

Eigentlich sei beim Dax nicht mehr viel Spielraum nach oben, glaubt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Das Ifo-Geschäftsklima befände sich auf einem historischen Hoch, das Wachstum in China schwäche sich allmählich ab, und das Kurs-Gewinn-Verhältnis sei nicht mehr niedrig. Krämer: "Ohne die lockere Geldpolitik der EZB würde ich dem Dax kein gutes Jahr geben."

Chartverlauf Ifo-Geschäftsklimaindex von März bis November 2017

Ifo-Geschäftsklimaindex. | Bildquelle: ifo, Grafik: boerse.ARD.de

Zyklische Aktien favorisiert

Zu den Favoriten der Anlagestrategen gehören im kommenden Jahr die zyklischen Werte. Die Deutsche Bank setzt auf Technologie-, Konsum- und Industrieaktien. Die Tech-Werte seien die neuen defensiven Aktien, meint auch Henning Gebhardt von Berenberg. Selbst Finanzwerten wird Kurspotenzial zugetraut. Die Deutsche Bank sieht hier noch Nachholbedarf.

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Dax-Prognosen der Banken Noch etwas Spielraum nach oben

Dr. Ulrich Stephan

Deutsche Bank
Die Anlagestrategen der führenden Privatkundenbank sehen den Dax bis Ende des Jahres 2018 bei 14.100 Punkten. "Wir glauben, dass die Kurse weiter steigen können", sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Bank.