Geldanlage

Die Last mit den Pensionsverpflichtungen Dax-Konzerne in der Zinsfalle

Stand: 07.06.2013, 15:44 Uhr

Die Pensionsverpflichtungen der Dax-Unternehmen klettern auf immer neue Höhen. Doch der Vermögensaufbau hinkt hinterher, so dass die Lücke zwischen Soll und Haben immer größer wird. Eine zunehmende Last für die Konzerne und deren Anleger. Doch es gäbe einen Ausweg.

Unternehmen in der Zinsfalle

Zinsfalle Zinsen Falle Geld Euro. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Die reinen Zahlen sehen zunächst beängstigend aus. Berechnungen zufolge sind die Pensionsverpflichtungen allein der 30 Dax-Unternehmnen im vergangenen Jahr um 20 Prozent auf 311 Milliarden Euro angeschwollen, von 259 Milliarden Euro Ende 2011. Ein ähnliches Bild zeigt sich im MDax, wo sich die Rentenverpflichtungen der dort notierten Firmen auf 41 Milliarden erhöhten.

Hauptgrund für den kräftigen Anstieg ist weniger die längere Lebenserwartung der Rentner als vielmehr die derzeit niedrigen Zinsen. Dadurch sei der sogenannte Rechnungs- oder Garantiezins, der auch bei Versicherungen verwendet wird, zum Stichtag 31. Dezember 2012 gegenüber dem Vorjahr um 140 Basispunkte auf 3,35 Prozent gesunken. Das hat in den Bilanzen der Unternehmen dafür gesorgt, dass die Pensionsverpflichtungen höher bewertet werden mussten.

Das Problem dabei: Der Anstieg dieser Verpflichtungen konnte nicht durch die Anlageerträge auf das Pensionsvermögen ausgeglichen werden. Die Erträge stiegen um elf Prozent auf rund 192 Milliarden Euro. Dadurch sank der Deckungsgrad um fünf auf rund 62 Prozent.

Mehr als Drittel der Zahlungen nicht gedeckt

Damit sind mehr als ein Drittel oder 120 Milliarden Euro der Pensionsverpflichtungen der Dax-Unternehmen nicht gedeckt. Dabei ist die Lage je nach Unternehmen höchst unterschiedlich. So hat etwa ThyssenKrupp rund 7,7 Milliarden Euro für Pensionsrückstellungen in der Bilanz stehen. Dieses Geld steht den früheren Mitarbeitern in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu.

Davon waren am Stichtag 31.12.2012 aber nur gut zwei Milliarden durch Planvermögen gedeckt. Auch entsprechen diese Verpflichtungen nahezu dem derzeitigen Börsenwert des Unternehmens. Andere Unternehmen wie die Münchener Rück oder die Softwareschmiede SAP stehen im Vergleich dazu blendend da.

Blick auf die Verpflichtungen

Vor allem für Großanleger, aber auch für Analysten und Ratingagenturen ist deshalb ein Blick auf die Pensionsverpflichtungen der Unternehmen Pflicht geworden Dabei werden nicht gedeckte Verbindlichkeiten generell als Fremdkapital eingestuft. Und je höher dessen Anteil in den Büchern, desto größer ist auch das Risiko.

Und noch etwas spielt für einige Anleger inzwischen eine große Rolle: um zu veranschaulichen, wie hoch sich die Pensionsrückstellungen bei einigen Unternehmen aufgetürmt haben, stellen manche Vermögensverwalter wie Bert Flossbach, Gründer der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch jetzt auch die Verpflichtungen dem Börsenwert der Unternehmen gegenüber.

Entsprechen die Pensionsrückstellungen mehr als einem Drittel des Börsenwertes bei gleichzeitig niedrigen Erträgen kann das bereits für einige Investoren ein Ausschlusskriterium sein. Risiken, die nichts mit dem eigentlichen Geschäftsmodell eines Unternehmens zu tun haben, schreckten Aktionäre ab, meint auch Nigel Cresswell von der Beratungsgesellschaft Towers Watson.

Vorerst keine Entlastung in Sicht

Eine Entlastung bei den Pensionsrückstellungen ist vorerst nicht in Sicht. Im Gegenteil. Jedes Jahr müssen die Unternehmen den Wert ihrer Pensionszusagen prüfen. Seit Januar diesen Jahres dürfen sie dabei maximal einen Zinssatz ansetzen, der sich an der Rendite von Unternehmensanleihen guter Bonität orientiert. Das sehen die neuen Regeln für die Rechnungslegung nach IASB vor.

Sinkt der Zins, steigt der Barwert der Verpflichtungen. Da die Leitzinsen und damit auch der Rechnungszins auf absehbare Zeit auf historischem Tiefstand verharren dürften, ist ein weiterer Anstieg der Pensionsverpflichtungen programmiert.