Die Flaggen der USA und der Bundesrepublik Deutschland

US-Aktien im Vorteil Dax hinkt Dow hinterher

Stand: 18.09.2018, 11:53 Uhr

Seit Monaten dasselbe Bild: Während US-Aktien haussieren, befindet sich der deutsche Leitindex in einer mehr oder weniger stabilen Seitwärtslage. Dass die Schere weiter auseinander geht, hat mehrere Gründe. Chancen für eine Aufholjagd gibt es aber ebenfalls.

Der Blick auf den Dax-Chart der vergangenen zwölf Monate ist vergleichsweise ernüchternd: Der deutsche Leitindex hat seit September 2017 knapp drei Prozent an Wert verloren. Dagegen läuft der "große Bruder", der Dow-Jones-Index der 30 größten US-Konzerne wie geschmiert: Der Kurszuwachs im selben Zeitraum liegt bei rund 17 Prozent, 20 Prozentpunkte trennen also die beiden Indizes. Der Unterschied würde sogar noch größer ausfallen, wäre der Dax nicht im Gegensatz zum Dow ein Performanceindex - die ausgeschütteten Dividenden der Unternehmen werden in den Index einbezogen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
10.924,70
Differenz relativ
-0,04%

Vorteile für US-Konzerne?

Ein Gutteil der Kurs-Differenz ist in den vergangenen drei Monaten entstanden. Mehrere Gründe für die unterschiedliche Performance sind in dieser Zeit offenbar geworden. Denn in diesen Monaten hat die US-Regierung unter Donald Trump den Handelsstreit mit China deutlich verschärft. Offenbar sehen Investoren die US-Unternehmen in diesem Streit tendenziell eher als Gewinner an als Firmen in Europa und auch Deutschland. Schafft es Trump, wie angekündigt, den US-Unternehmen Vorteile durch Strafzölle zu verschaffen, sieht deren Ertragslage auch besser aus. Dagegen, so denken offenbar viele Marktteilnehmer, leiden deutsche Konzerne stärker unter den protektionistischen Tendenzen, das dürfte vor allem für die Exporttitel wie die Autohersteller oder Chemiekonzerne gelten.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
24.379,72
Differenz relativ
-0,87%

In der fast beendeten Berichtssaison zum zweiten Quartal 2018 haben US-Konzerne außerdem durch ihre Geschäftszahlen durchaus überzeugt und weitere Anleger in ihre Aktien gelockt. Laut dem Marktforschungsunternehmen FactSet hat die Mehrzahl der US-Firmen aus dem marktbreiten S&P 500 die Erwartungen der Experten übertroffen. Bereits das erste Quartal wurde mit einem durchschnittlichen Gewinnzuwachs von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr beendet, der höchste Gewinnanstieg seit sieben Jahren. Die Fondsgesellschaft Invesco etwa hält die derzeitigen Bewertungen der US-Konzerne an der Börse laut einer aktuellen Studie zwar für etwas ambitionierter, aber durchaus noch gerechtfertigt.

Tekkies machen Kursen Beine

Nicht zuletzt haben die Tech-Konzerne die Börsenrally in den USA weiter befeuert. Gute Zahlen und noch mehr Wachstumsfantasie sorgen bei Apple, der Google-Mutter Alphabet und Facebook für ein Kursfeuerwerk nach dem anderen. Auch Übernahmewellen, wie zum Beispiel im Chip-Sektor, stimulieren in den USA weiter die Anleger-Fantasie.

Für die Dax-Konzerne dagegen wachsen die Bäume nicht in den Himmel, was die Gewinnentwicklung angeht. Die Fondsgesellschaft Fidelity geht für die Firmen im deutschen Leitindex von durchschnittlichen Gewinnzuwächsen zwischen sechs und sieben Prozent aus. Dieses Wachstum der Erträge werde sich auch im kommenden Jahr fortsetzen. "Die Lage am deutschen Aktienmarkt ist deutlich besser als die Stimmung", so Christian von Engelbrechten, Manager des Fidelity Germany Fonds.

Charttechnische Hindernisse

Neben protektionistischen Tendenzen in der Welt und möglichen negativen Währungseffekten durch einen wieder stärkeren Euro scheinen auch charttechnische Hemmnisse den Dax derzeit auszubremsen. Nachdem der Index wiederholt durch die Unterstützungszone bei 12.100 Punkten gerutscht war, wurde die Lage in den vergangenen Tagen noch einmal richtig brenzlig. Nach oben sehen Charttechnik-Experten den Index vor einer Widerstandszone bis zum Bereich von 12.400 Punkten. Der Index scheint es derzeit einfach deutlich schwerer zu haben, wieder auf "Hausse" umzuschalten.

AB