Ausblick 2017

Ausblick 2017 Dax

Prognosen der Banken Dax 2017: Die Luft nach oben wird dünner

von Lothar Gries

Stand: 23.11.2016, 16:11 Uhr

Donald Trump wird US-Präsident, Großbritannien verlässt die EU, Frankreich und Deutschland gehen wählen. Die Politik dürfte 2017 mehr denn je das Wohl und Wehe an den Kapitalmärkten bestimmen. Was das für Anleger bedeutet, lesen Sie hier.

Zu panikartigen Reaktionen besteht jedenfalls kein Anlass, beruhigt Mads Pedersen, Head of Global Asset Allocation bei der UBS. Nach dem Brexit-Votum und dem Wahlsieg Trumps hätten die Anleger gelernt, dass sich überstürzte Ausstiege aus dem Aktienmarkt nicht auszahlten. Entsprechend rät er allen Investoren, auch bei den im kommenden Jahr zu erwartenden Schwankungen und Unsicherheiten einen kühlen Kopf zu bewahren. Dass die Weltwirtschaft und damit auch die Aktienmärkte in den kommenden Monaten vor turbulenten Zeiten stehen, darin sind sich alle Experten einig.

Für die Strategen der Deutschen Bank kommt es dabei entscheidend auf die Politik des neuen US-Präsidenten an. Donald Trump müsse jetzt zeigen, welche im Wahlkampf angekündigten Maßnahmen er tatsächlich umsetzen wolle, sagt Oliver Rakau, Volkswirt bei Deutsche Bank Research. Im Mittelpunkt der Ankündigungen stehen bekanntlich Steuersenkungen sowie ein riesiges Investitionsprogramm.

"Etwas Licht, aber auch viel Schatten"

Allerdings könnte die Umsetzung im Jahresverlauf 2017 immer wieder ins Stocken geraten, befürchten die Experten, weil Trump nicht alles alleine entscheiden könne und die Schuldenlast der USA so manches Projekt auch unmöglich machen wird. In solchen Zeiten dürften die Anleger sich die unsichere Lage in Europa wieder näher betrachten. Die Folge wären Kursrückgänge an den Aktienmärkten, erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Er sieht deshalb im kommenden Jahr nur "etwas Licht, aber auch viel Schatten" an den Kapitalmärkten.

Dr. Ulrich Stephan, Global Chief Investment Officer, Privat- und Geschäftskunden Deutsche Bank

Dr. Ulrich Stephan, Global Chief Investment Officer, Privat- und Geschäftskunden Deutsche Bank. | Quelle: Unternehmen

Von den angekündigten Steuersenkungen und öffentlichen Investitionen in den USA, China und auch in Japan könnten deutsche Unternehmen zwar profitieren. Umgekehrt dürften aber mögliche US-Handelsbeschränkungen und eine schwächere Konjunktur in China viele deutsche Unternehmen belasten. Auch die politische Unsicherheit in einigen Ländern Europas - in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland stehen Wahlen an - könnte zur Last für deutsche Aktien werden.

Dax etwas höher, Euro deutlich schwächer

Den Dax sieht Stephan Ende des kommenden Jahres trotzdem etwas höher als derzeit, bei 11.300 Punkten, was ein Plus von aktuell knapp sechs Prozent wäre. Im vergangenen Jahr war Stephan deutlich optimistischer, hielt er doch bis Ende dieses Jahres einen Dax-Anstieg auf 11.700 Punkte für wahrscheinlich.

Eindeutiger Verlierer im kommenden Jahr ist aus Sicht der Deutschen Bank der Euro. "Die zunehmende Zinsdifferenz zwischen Europa und Amerika wird im Jahresverlauf zu Kapitalflüssen Richtung USA führen", prophezeit Stephan. Bis Ende kommenden Jahres könne der Euro bis auf 0,95 Dollar sinken. Dabei hat der Euro seit der Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten bereits deutlich an Wert verloren und ist unter 1,06 Dollar gefallen.

Deutsche Bank-Prognosen für das Jahresende 2017

Deutsche Bank-Prognosen für das Jahresende 2017. | Bildquelle: Deutsche Bank

Auch LBBW-Experten sind vorsichtig

Dax

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Mit ihrer eingetrübten Prognose sind die Deutschbanker nicht alleine. Auch die Volkswirte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sind überzeugt, dass die Luft am Aktienmarkt im kommenden Jahr dünner wird. Zudem rechnen sie fest mit einer Leitzinserhöhung der amerikanischen Notenbank im Dezember und weiteren Anhebungen im kommenden Jahr.

"Mit der erwarteten Leitzinserhöhung der Fed und der Drosselung des EZB-Anleihekaufprogramms stehen geldpolitische Maßnahmen auf der Agenda, die zumindest in der ersten Reaktion zu fallenden Kursen führen sollten", prognostiziert Aktienstratege Uwe Streich in dem jüngst veröffentlichten Ausblick 2017. Die anhaltend solide Wirtschaftsentwicklung werde die Kursverluste jedoch begrenzen.

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Dann könnte auch für die Europäische Zentralbank "der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein, um das Anleihekaufprogramm langsam auslaufen zu lassen“, so Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW. Das Niedrigzinsumfeld zwischen null und zwei Prozent werde über die nächsten Jahre Bestand haben. Mit einer Normalisierung des Zinsniveaus in der Eurozone rechnen die LBBW-Volkswirte "frühestens Anfang 2019“. Den Dax sehen sie Ende dieses Jahres bei 11 .000 und Ende 2017 bei 11. 500 Punkten. Das ist deutlich weniger als im Vorjahr. Damals hatten sie den Dax-Stand für Ende dieses Jahres bei 12.000 Punkten erwartet.

DZ Bank traut Dax mehr zu

Etwas optimistischer blicken die Experten der DZ Bank auf die Märkte. Allerdings warnen auch sie vor allzu großen Erwartungen. "Die anstehenden Brexit-Verhandlungen, das Ergebnis der US-Wahl und der zunehmende Populismus in Europa lasten auf der Stimmung", erklärt DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier. Die Verfassung der europäischen Wirtschaft sei allerdings noch recht robust.

Daher trauen die Analysten dem deutschen Leitindex bis Ende 2017 einen Anstieg auf rund 12.000 Punkte zu. Das wäre ein Zuwachs von zwölf Prozent zum aktuellen Stand von rund 10.700 Punkten. Für Ende 2016 hatten die DZ-Bank-Volkswirte einen Stand von 11.000 prognostiziert - womit sie Ende letzten Jahres zu den Pessimisten gehörten. Die Banken hatten damals im Schnitt für Ende 2016 einen Dax-Stand von 11.793 Punkten vorhergesagt.

Stefan Bielmeier, DZ Bank

Stefan Bielmeier . | Bildquelle: Unternehmen

Heftige Schwankungen erwartet

2017 dürften die stark exportorientierten Dax-Unternehmen von der leichten Beschleunigung der Weltkonjunktur profitieren. "Das sorgt für Kurspotenzial", sagt DZ-Bank-Chefanlagestratege Christian Kahler. Die geldpolitischen Maßnahmen im Euro-Raum und den USA driften nach Meinung der DZ Bank weiter auseinander. Die Experten erwarten, dass die Fed ihren Leitzins im Dezember anhebt und dann 2017 in zwei weiteren Schritten auf 1,25 Prozent von derzeit 0,25 bis 0,5 Prozent. Die EZB werde ihren Leitzins dagegen unverändert bei 0,00 Prozent belassen.

Wegen der weiterhin sehr lockeren Geldpolitik der EZB ist auch Markus Reinwand von der Helaba insgesamt positiv gestimmt. Neben der Aussicht auf steigende Gewinne bei den Unternehmen, dürften auch die vermehrt eingesetzten Aktienrückkäufe die Kurse beflügeln. Wegen der Wahlen in mehreren Ländern Europas und dem Amtsbeginn von Trump dürfte es jedoch im ersten Halbjahr 2017 zu heftigen Schwankungen an den Kapitalmärkten kommen. Reinwand erwartet, dass sich der Dax im kommenden Jahr in einem Korridor zwischen 9.500 und 12.500 Punkten bewegt. Dabei sieht er den deutschen Leitindex bis Ende des kommenden Jahres bei rund 12.000 Punkten. Dieses Niveau sollte der Dax nach Ansicht der Helaba-Volkswirte schon Ende dieses Jahr erklimmen.

Was Anleger jetzt tun können

Wie sollen sich Anleger in solch unruhigen Zeiten verhalten? Die Deutsche Bank empfiehlt einen Blick auf langfristige Entwicklungen. Dazu zählen etwa neue Technologien in der Autoindustrie. "Klassische Autobauer werden für das Auto der Zukunft noch immer eine wichtige Rolle spielen, jedoch wird der Anteil von Techunternehmen an der Wertschöpfungskette massiv steigen“, glaubt Ulrich Stephan.

Elektrotankstelle am Potsdamer Platz in Berlin

Elektrotankstelle in Berlin. | Quelle: picture-alliance/dpa

Ein weiterer Trend sei das Internet der Dinge, also die intelligente Vernetzung alltäglicher Gebrauchsgegenstände. Mit Blick auf die Demografie werden auch die Bereiche Gesundheit und Biotechnologie für das Leben der Menschen bedeutender. Insgesamt vier Sektoren könnten von den Megatrends besonders profitieren: Biotechnologie- und Pharmaunternehmen, Gesundheitsausrüster, Softwaredienstleister sowie Unternehmen aus der Halbleiterindustrie hätten in den vergangenen Jahrzehnten ihren Anteil an der Marktkapitalisierung deutlich vergrößert, erläutert Stephan. "Dieser Wachstumstrend wird sich fortsetzen."

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