Anlagestrategie

Champagnerflaschen liegend lagernd

Allzeithoch beim Kurs-Dax noch in weiter Ferne Dax: Der Champagner bleibt im Kühlschrank

von Angela Göpfert

Stand: 20.05.2014, 11:59 Uhr

Tatatata! Der Dax hat jüngst ein neues Allzeithoch markiert. Da mache ich doch glatt eine Flasche gutes Mineralwasser auf. Warum das Rekordhoch beim Dax noch lange kein Grund zum Feiern ist.

Kleines Ratespiel: Welcher Index gehört nicht in diese Reihe: Dow Jones, S&P 500, EuroStoxx 50, Dax, CAC 40, SMI, FTSE 100? Es ist natürlich der Dax, der jüngst bei 9.810 Punkten ein neues Allzeithoch verbuchen konnte.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
26.062,12
Differenz relativ
-0,35%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
2.888,80
Differenz relativ
-0,56%
EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
3.342,31
Differenz relativ
-0,11%

Eingebauter Zinses-Zins-Effekt

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
12.085,46
Differenz relativ
-0,09%

Denn beim Dax handelt es sich im Gegensatz zu den anderen genannten großen internationalen Indizes um einen so genannten Performance- oder auch Total-Return-Index. In seine Berechnung fließen somit die Dividendenzahlungen der Unternehmen mit ein.

Diese Reinvestition der Dividenden sorgt für einen eingebauten Zinses-Zins-Effekt. Damit kann der Performance-Dax theoretisch sogar dann steigen, wenn die Kurse fallen.

Allzeithoch noch meilenweit entfernt

Kritiker sprechen daher auch vom "getunten" Dax oder vom "Botox-Dax". Recht haben sie. Denn die ungeschönte Wahrheit lautet: Der Dax hat gar kein neues Allzeithoch markiert. Das zeigt ein Blick auf den Chart des Kurs-Dax. Das ist der Dax 30 ohne Dividendenzahlungen. Also der Index, der wirklich mit Dow Jones & Co. vergleichbar ist.

Dieser notiert aktuell knapp unter der Marke von 5.000 Punkten – rund 25 Prozent unterhalb seines Rekordhochs bei 6.266 Punkten aus dem Jahr 2000. Selbst die Hochpunkte aus den Jahren 2007/2008 bei rund 5.300 Zählern sind noch ein ordentliches Stück entfernt.

Der falsche Dax verunsichert die Anleger

Besonders deutlich wird dies, wenn man die Verläufe der beiden Indizes seit Januar 2000 in einer Grafik zusammenfasst. Diese Grafik zeigt, wie die Dividenden-Reinvestition den Performance-Dax dem Kurs-Dax davon laufen lässt:

Chart Kurs-Dax versus Performance-Dax, von 2000 bis 2014

Kurs-Dax versus Performance-Dax. | Grafik: boerse.ARD.de

Wozu taugt also der Performance-Dax, wenn er nicht mit internationalen Indizes, sondern bestenfalls mit einem thesaurierenden Investment-Fonds vergleichbar ist? Weshalb ist er in aller Munde, warum schauen die Anleger nur auf ihn – und nicht auf den echten Kurs-Dax?

Die Deutsche Börse und das "Dumb American Money"

Die Antwort liegt schlicht und ergreifend in einem geschickten Marketing der Deutschen Börse. Diese hat natürlich ein ureigenes Interesse daran, den Dax im internationalen Vergleich bestmöglich dastehen zu lassen. Schließlich befindet sich 55 Prozent der Dax-Marktkapitalisierung in ausländischer Hand. Knapp die Hälfte davon sind US-Amerikaner.

Das Logo der Deutschen Börse auf einer Glaswand ist vor der neuen Zentrale des Unternehmens in Eschborn zu sehen

Deutsche Börse AG. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Vor diesem Hintergrund wäre es wirklich interessant einmal zu erfahren, wie viel "Dumb American Money" im Dax sitzt – nur auf dem Eindruck beruhend, dass der Dax besser performt als der Dow Jones oder S&P 500.

Die "bösen Medien"

Aber auch die Medien tragen ihr Scherflein zur Beliebtheit des Performance-Dax bei. Das liegt einmal in der Unwissenheit mancher Börsenjournalisten, aber auch in der Funktionsweise der Medien begründet.

Denn natürlich lässt es sich über einen derart gepushten Index viel einfacher und aufbauschender berichten. Da ist dann schnell von "Höhenflügen" und "Dax 10.000" oder gar "Dax 20.000" ("Der Aktionär", aktuelle Ausgabe), aber auch von der "Gefahr eine Blasenbildung" und "Überbewertung" die Rede.

Dem Kurs-Dax ist es jedenfalls nur zu wünschen, dass er künftig etwas aus seinem medialen Nischendasein heraustritt. Das würde auch der Anlegerkultur in Deutschland einen wichtigen Dienst erweisen.