Passantin läuft an einem Wahlplakat vorbei
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Der Dax und die Bundestagswahl Erwarten Sie bloß nicht zu viel!

von Angela Göpfert

Stand: 22.09.2017, 06:52 Uhr

An der Börse kommt es nach Bundestagswahlen häufig zu fallenden Kursen. Dieses Jahr gibt es gleich mehrere Gründe für einen „Nachwahlkater“ im Dax.

Der US-Präsidentschaftszyklus gehört für Kenner zu einem der verlässlichsten Zyklen im Börsengeschehen. Weniger gut untersucht ist indes der Zusammenhang zwischen Bundestagswahlen und dem Dax – auch deshalb, weil der hier betrachtete Zeitraum doch recht überschaubar ist.

Erst Vorfreude, dann Gewinnmitnahmen

Dimitri Speck von Seasonax hat trotzdem ein augenfälliges Kursmuster um den Wahltag herum ausgemacht: Typischerweise kommt es zum Wahltag hin zu einem deutlichen Anstieg. Speck vermutet „Vorfreude“ als Ursache.

Der Dax vor und nach der Bundestagswahl

Dax & Bundestagswahlen. | Quelle: Seasonax, Dimitri Speck.

Doch die (Vor-)Freude hält nicht lange vor: Nach der Wahl kommt es unmittelbar zu Gewinnmitnahmen.

»Der Grund dürfte psychologischer Natur sein: Vor der Wahl dominiert die Hoffnung, die dann danach bei mindestens der Hälfte der Wähler enttäuscht wird.«

Dimitri Speck, Seasonax

Saisonale Effekte als Hintergrund?

Das deckt sich mit den Erkenntnissen von Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse HSBC Trinkaus & Burkhardt. Demnach stand der Dax eine Woche nach den Bundestagswahlen im Schnitt rund 2,8 Prozent tiefer. Scherer warnt, dass die Anleger „besser keine allzu großen Erwartungen an die Wahl knüpfen sollten“.

Darüber hinaus hält der Experte den Erkenntnisgewinn der historischen Betrachtungsweise zum Dax um Bundestagswahlen herum allerdings für eher begrenzt – und verweist auf die negative Saisonalität im Herbst.

Letzte Stufe der Rally“

Tatsächlich finden Bundestagswahlen, so auch dieses Jahr, häufig im September statt. Der September gehört mit einem Kursminus von durchschnittlich 2,6 Prozent im Dax neben dem August zu den schlechtesten Börsenmonaten.

Mit Blick in Richtung Jahresende legt Scherer nur noch einen verhaltenen Optimismus an den Tag. Zwar sei das technische Bild konstruktiv, doch die Marktbreite ließe zu wünschen übrig. Scherer ist daher überzeugt, „dass wir uns mittlerweile auf der letzten Stufe der Rally befinden“.

Löst die Fed die nächste Finanzkrise aus?

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Vor den Wahlen: Gespannte Ruhe an der Börse

Überdies hat die Fed erst jüngst angekündigt, ihre Bilanz zu reduzieren, das dürfte für die Märkte ähnliche Konsequenzen haben wie eine Zinserhöhung. Voraussichtlich im Dezember dürfte bereits die nächste „echte“ Leitzinserhöhung kommen. Einige Experten warnen nun schon, dass die Fed damit die nächste Finanzkrise auslösen könnte. Tatsächlich ging in der jüngeren Geschichte jeder Finanzkrise eine deutliche Zinsanhebung der Fed voraus.

Ohne Panik schüren zu wollen, Fakt ist: Wir befinden uns in einer Ära, in der den Märkten der geldpolitische Stimulus, der sie jahrelang beflügelt hat, nach und nach entzogen wird. Solche Phasen sind an den Finanzmärkten üblicherweise mit fallenden Aktienkursen verbunden.

Vorsicht ist jetzt gefragt

Fazit: Die Bundestagswahl und die dazugehörigen Statistiken zum Dax-Verlauf taugen wohl kaum als Basis einer fundierten Anlageentscheidung. Eine monokausale Anlagestrategie ist auch hier definitiv nicht zielführend.

Besser ist es, auch aktuelle fundamentale wie technische Aspekte in die Entscheidung mit einzubeziehen, ob ein Investment in den Dax zum aktuellen Zeitpunkt noch Sinn macht oder nicht. Mit Blick auf die Bundestagswahl am 24. September 2017 erscheint diesbezüglich zumindest eine große Portion Vorsicht angebracht.