Investorenlegenden

David Shaw

Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte David Shaw, Wissenschaftler und Investor

Stand: 09.01.2017, 16:33 Uhr

Was er angepackt hat, wurde zum Erfolg. David Shaw kann für sich in Anspruch nehmen, als Investor Pionierarbeit geleistet zu haben. Denn er setzte ganz auf die Macht der Maschinen und begründete damit seinen Erfolg und Reichtum.

Er gehört zu den festen Größen der Wall Street, obwohl er eigentlich gar kein Banker ist, sondern Wissenschaftler durch und durch. David Elliot Shaw, geboren am 29. März 1951, studierte und promovierte in Kalifornien, seinen Doktorgrad (PhD) erhielt er 1980 an der Stanford Universität. Danach wurde er Mitglied des Lehrkörpers für Computerwissenschaften an der renommierten New Yorker Columbia Universität.

Ein akademischer Werdegang, wie er im Buch steht, wie ihn aber sicher auch viele andere Wissenschaftler vorzuweisen haben. Shaw aber begann, an der Columbia mit Supercomputern zu arbeiten, die er parallel laufen ließ. Dadurch erhöhten sich die Datenverarbeitungsgeschwindigkeiten signifikant.

Von Morgan Stanley zu D.E. Shaw & Co.

Seine Forschungen führten direkt in die Welt der Finanzen. Denn Shaw hatte beschlossen, seine Algorithmen an den Finanzmärkten zu verwenden. Er wechselte 1986 aus der akademischen Welt zu Morgan Stanley (bis heute eine der ganz großen Investmentbanken nicht nur in den USA), wo er im Bereich des automatisierten Eigenhandels tätig war. In dieser Zeit verbesserte er seine quantitativen Analysewerkzeuge immer weiter.

1988 gründete er dann mit einem Startkapital von 28 Millionen Dollar seinen eigenen Hedgefonds, der zunächst ausschließlich auf diesen Prinzipien fußte. D.E. Shaw & Co. war geboren, ein Trendsetter des quantitativen Portfoliomanagements, das in jener Zeit bei weitem nicht so selbstverständlich war wie heute. Die Firma entwickelte sich prächtig. Angestellt wurden nur die überragensten Mathematiker, Physiker und Computerspezialisten - nur einer von 500 Bewerbern wurde angenommen. Ein Grund, warum das Magazin "Fortune" über den Hedgefonds urteilte:

»Die faszinierendste und mysteriöseste Kraft der Wall Street.«

Fortune, 1996

Denn einen Einblick in die eigentlichen Handelsabläufe, sprich die Algorithmen der Maschinen, bekommt man bis heute nicht. Ähnlich wie auch beim ebenfalls quantitativ ausgerichteten Hedgefonds Renaissance des Mathematikers James Simons mit seinem Medaillon-Fonds. Erfolg haben jedenfalls beide Wissenschaftler (D.E. Shaws Composite-Fonds erwirtschaftete zuletzt einen Ertrag von gut 14 Prozent, Medaillon gilt gar als noch größere Geldmaschine, nimmt aber kein Geld mehr an). Zuletzt (per 1.10.2016) betrug das verwaltete Vermögen von D.E. Shaw & Co. nach eigenen Angaben gut 40 Milliarden Dollar mit einem Marktwert per Ende des dritten Quartals von 56,67 Milliarden Dollar.

In der Forbes-Liste ganz vorne

In der letzten Forbes-Liste für das Jahr 2015 verdiente Simons 1,65 Milliarden Dollar und Shaw 700 Millionen, entsprechend Platz zwei und fünf in der Geldrangliste der erfolgreichsten Hedgefondsmanager - die 2015 von Ken Griffin mit seiner Gesellschaft Citadel und 1,7 Milliarden Dollar Jahressalär angeführt wird. Shaws Gesamtvermögen wird übrigens auf fünf Milliarden Dollar taxiert.

Screenshot der Overdeck Family Foundation-Homepage

John Overdeck. | Bildquelle: Overdeck Family Foundation, Montage: boerse.ARD.de

Die Forbes-Liste der superreichen Hedgefondsmanager ist aber noch aus anderen Gründen interessant für alle, die sich mit dem Lebensweg von David Shaw beschäftigen. Denn aus seinem elitären Umfeld nach Gründung des Hedgefonds kommen mit John Overdeck (600 Millionen Dollar im Jahr 2015) und David Siegel (ebenfalls 600 Millionen Dollar) zwei Hedgefondsmanager, die mit Shaw zusammengearbeitet haben und heute den Quantfonds Two Sigma Investments betreiben.

Das bekannteste Gesicht ist aber wohl Jeff Bezos, der für das Derivategeschäft bei D.E. Shaw zuständig war, wo er die Idee des Onlinehandels hatte. Was aus der Idee geworden ist, ist bekannt. Heute ist seine Firma Amazon mit 374 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung ein echtes Börsenschwergewicht - und größter Einzelposten im D.E. Shaw & Co.-Universum.

Zurück in die Wissenschaft

David Shaw, der verheiratet ist und drei Kinder hat, ist heute nicht mehr aktiv im Tagesgeschäft des Hedgefonds tätig, kontrolliert ihn aber noch. Ein Team aus vier Topmanagern hat die operative Leitung für die Firma, deren Arbeitsatmosphäre als ausgesprochen kooperativ gilt. Angeboten werden heute sowohl Benchmark-bezogene Produkte als auch langfristig ausgerichtete Alternative Investments. Besonderer Wert wird dabei auf die umfassende Risikomodellierung gelegt. Von Assed Backed Securities bis Venture Capital bietet die In New York City beheimatete Firma zahlreiche Investmentaktivitäten an.

Und der Meister selbst? Er ist mit seiner Firma D.E. Shaw Research wieder als Wissenschaftler tätig. Computergestützte Biochemie, so lautet das Tätigkeitsfeld. Untersucht werden die Struktur und damit das Verhalten von (ständig sich verändernden) Proteinen, auch Eiweißstoffe genannt, die im menschlichen Körper wichtige Funktionen haben. Vielleicht setzt sich die Erfolgsgeschichte des David Shaw ja mit einem Medikament gegen eine seltene Krankheit fort. Es wäre (fast) der logische Fortgang des mittlerweile 65-jährigen Mannes mit dem bisher so faszinierenden Lebensweg.

rm

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Die Favoriten des David Shaw Ein Blick ins Depot

<b>Amazon an der Nasdaq</b><br />Nie um eine neue Idee verlegen ist der Online-Handelsriese Amazon. Im Fondsvermögen ist die Aktie der größte Einzelposten mit einem Anteil von 1,60 Prozent per 30.9.2016. Besonders interessant: Amazon-Gründer Jeff Bezos hatte seine Idee, einen Onlinehandel zu gründen, als er bei D.E.Shaw & Co. für den Derivate-Handel zuständig war. Heute ist Amazon an der Börse über 374 Milliarden Dollar wert und der Onlinehandel aus unserem Wirtschaftsleben gar nicht mehr wegzudenken - eine weitere Erfolgsgeschichte des Meisters David Shaw. Im Quartal wurde die Position nicht verändert. : Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum 1 Jahr

Amazon an der Nasdaq
Nie um eine neue Idee verlegen ist der Online-Handelsriese Amazon. Im Fondsvermögen ist die Aktie der größte Einzelposten mit einem Anteil von 1,60 Prozent per 30.9.2016. Besonders interessant: Amazon-Gründer Jeff Bezos hatte seine Idee, einen Onlinehandel zu gründen, als er bei D.E.Shaw & Co. für den Derivate-Handel zuständig war. Heute ist Amazon an der Börse über 374 Milliarden Dollar wert und der Onlinehandel aus unserem Wirtschaftsleben gar nicht mehr wegzudenken - eine weitere Erfolgsgeschichte des Meisters David Shaw. Im Quartal wurde die Position nicht verändert.