Susan Levermann
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Aktienauswahl für Anleger Das Levermann-Prinzip

Stand: 02.06.2017, 16:05 Uhr

Die ehemalige Star-Fondsmanagerin Susan Levermann hat sich bereits im Jahr 2008 aus der Finanzindustrie zurückgezogen. Hinterlassen hat sie ihre Anlagetechnik wenige Jahre später in Buchform. Es liefert weiterhin ein solides Gerüst für die Aktienanlage.

Buchcover, Susan Levermann: Der entspannte Weg zum Reichtum

Susan Levermann: Der entspannte Weg zum Reichtum. | Bildquelle: dtv, Montage: boerse.ARD.de

Sie wolle ihre Kenntnisse aus dem Fondsmanagement für den normalen, privaten Investor nutzbar machen, hat Susan Levermann vor einigen Jahren in einem TV-Interview gesagt. Ihr Buch mit dem leicht reißerischen Titel "Der entspannte Weg zum Reichtum" war einst Finanzbuch des Jahres und hat in der Branche für Aufsehen gesorgt, ist aber außerhalb der Kreise Börseninteressierter ein wenig in Vergessenheit geraten. Der Münchener Carl Hanser Verlag war mit dem Hinweis auf das Erscheinungsdatum (März 2010) nicht einmal bereit, ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Susan Levermann ist seit einigen Jahren für eine Umweltschutzorganisation tätig.

Von RoE und KGV

Dabei haben die Anlageprinzipien der Finanzexpertin nichts von ihrer Aktualität verloren, wie auch das derzeit erfolgreichste Wikifolio-Zertifikat zeigt, das sich explizit auf die Expertin bezieht. Levermann hat 13 Kriterien entwickelt, die bei der Bewertung von Aktien herangezogen werden können. Dazu gehören "Klassiker" wie die Eigenkapitalrendite (RoE) oder das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) eines Unternehmens. Bei Levermann spielt die "Dynamik" von Firmen eine wichtige Rolle. So wird eine Aktie dann interessanter, wenn die Erträge weiter steigen, aber auch wenn der Kurs der Aktie in den zurückliegenden Monaten ein gewisses "Momentum" aufgenommen hat.

Auch die "Meinung" im Markt spielt bei der Bewertung eines Titels eine Rolle. Wird eine Aktie etwa durch allzu viele Kaufempfehlungen von Analystenseite "gehypt", gibt es im System von Levermann einen "Minuspunkt". Umgekehrt sorgt eine positive Reaktion des Marktes auf Geschäftsergebnisse des Unternehmens für einen Pluspunkt.

Vier Punkte oder mehr

Die insgesamt 13 Kriterien kann der Privatanleger prinzipiell in Eigenregie für jedes Unternehmen abklopfen, sofern ihm die Bilanz- und Kennzahlen und die Analystenaussagen dazu vorliegen. Gemäß Levermann ist bei einem "Large Cap" eine Punktzahl von "4" ausreichend für einen Kauf des Titels. Bei einer leicht modifizierten Checkliste für mittlere und kleinere Unternehmen sind sieben Punkte die Voraussetzung für einen Kauf.

Spezielle Checklisten hat Levermann überdies auch für "Finanzwerte" entwickelt, zu denen im Dax etwa Allianz, aber auch die Deutsche Börse oder der Immobilienkonzern Vonovia gehören: Hier sind zum Beispiel die Anforderungen an die Eigenkapitalquote geringer.

Nicht zu viel in die Punktsieger investieren

Wie die Levermannschen Bewertungs-Kriterien in ein eigenes Wertpapier-Depot übertragen werden, bleibt freilich dem Leser beziehungsweise Anleger überlassen. In Zeiten, in denen nur wenige Unternehmen nach ihrer Methode als kaufenswert gelten, sollte man nicht sein ganzes Kapital in diese Werte investieren. Levermann empfiehlt zehn Prozent des Kapitals als Obergrenze. In der Praxis kann das dazu führen, dass auf dem Depot viel "Cash" liegt, aber auch das ist im Fall eines überhitzten Börsenumfelds sicher kein Fehler.

AB