verzweifelter Privatanleger, Aktionär

Das Angstbarometer im Blick Das Comeback der Vola

Stand: 09.04.2018, 15:09 Uhr

Die einlullenden, sachten Kursbewegungen des Jahres 2017 gehören endgültig der Vergangenheit an. Die Volatilität feiert ein furioses Comeback. Jetzt gehören starke Kursbewegungen am Aktienmarkt wieder dazu.

Die Prognosen für den Aktienmarkt des laufenden Jahres hatte eine Gemeinsamkeit: Beinahe alle Experten sagten einen massiven Anstieg der Volatilität voraus. Bei den konkreten Kurszielen für die Indizes mögen die Analysten oft danebenliegen, aber hier haben sie voll ins Schwarze getroffen.

Der S&P 500 hat in diesem Jahr bereits etwa dreimal häufiger ein Prozent gewonnen oder verloren als im gesamten Jahr 2017, haben Datenbeobachter herausgefunden. Auch im Tagesverlauf kann den Investoren angesichts der Turbulenzen schon mal schwindelig werden. Unlängst meldete sich in den USA der 88-jährige John Bogle zu Wort. Bogle ist der Gründer des Finanzdienstleisters Vanguard und dürfte an der Wall Street beinahe alles schon mal gesehen haben. Beinahe: Er habe in seiner 66 Jahre andauernden Karriere noch nie einen so volatilen Markt erlebt, sagte der Investor in einem Interview mit CNBC.

S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
2.907,95
Differenz relativ
+0,13%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
12.219,02
Differenz relativ
+0,50%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
7.490,32
Differenz relativ
-0,05%

Was zeigt das Angstbarometer an?   

Ein Blick auf aktuelle Volatilitätsindizes wie VIX oder VDax new bestätigt die Beobachtung nur bedingt: Der VDax erreichte einen Rekord kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008,als er auf 85 Stellen kletterte. Während der Schuldenkrise einige Jahre später erreichte er einen Maximalwert von etwa 43 Punkten. Im Februar dieses Jahres stieg er auf knapp über 40 Punkte. Seitdem pendelte er sich bei rund 20 Punkten ein. Beim US-Pendant VIX sieht es ähnlich aus.

US-Volatilitätsindex VIX

US-Volatilitätsindex VIX. | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Allerdings zeigt der VDax, von vielen Marktexperten auch als Angstbarometer bezeichnet wird, nicht die aktuelle, sondern die erwartete Volatilität. Das geschieht, indem die Optionen an der Terminbörse Eurex unter die Lupe genommen und ausgewertet werden. Steigt die Nervosität der Profi-Anleger dort, erhöht sich auch die im Optionspreis enthaltene erwartete Schwankung des Marktes - und damit auch der VDax.

Mit weiteren Turbulenzen ist zu rechnen

Trotzdem: An den Börsen verläuft der Handel derzeit auffallend turbulent. Und nach allem was man heute weiß, dürfte es so weitergehen: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) erwartet weiterhin holprige Börsen. "Nach einer ungewöhnlich langen Phase ungewöhnlich niedriger Zinssätze und lockerer geldpolitischer Bedingungen wäre es unrealistisch, nicht mit weiteren Marktturbulenzen zu rechnen", erklärte der Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung, Claudio Borio.

Die Turbulenzen zeigten, wie groß die Risiken sind, die von den Marktakteuren in der langen Zeit außergewöhnlich ruhiger Börsen eingegangen sind. Es gebe kaum etwas Heimtückischeres an den Märkten als die Illusion dauerhafter Ruhe, meint Borio.

Krise als Gewinnchance

Das mag sein. Für kurzfristig agierende und mutige Anleger bietet das Gegenteil, die aktuelle extreme Volatilität, aber jede Menge Möglichkeiten, um Geld zu gewinnen - oder zu verspielen. Wer langfristig orientiert ist, der wird hingegen gute Nerven gebrauchen können.  

Vor allem, wenn man sich die Gründe für die Turbulenzen ansieht. Für die Fachleute von Starcapital haben die Turbulenzen auch mit steigenden Zinsen am Rentenmarkt zu tun: "In der Regel führen steigende Zinsen zu einer erhöhten Volatilität. Davon haben wir bereits im Januar und Februar einen ersten Vorgeschmack bekommen. Als weiterer Volatilitätsauslöser ist die neue protektionistische Politik der Trump-Regierung hinzugekommen", schreiben sie in einem Marktkommentar.

Donald Trump

Donald Trump zwitschert, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. | Bildquelle: picture alliance / Evan Vucci/AP/dpa

Überhaupt ist der unberechenbare Trump ein wichtiger Faktor: Der Markt sei derzeit stark von Headlines getrieben, meint Quincy Krosby, Chefstratege bei Prudential Financial, und zwar in beide Richtungen. Mal schauen, was als nächstes passiert.

ts