Eine Frau legt verschiedene Euroscheine aufeinander

Mehr Rendite durch Sparpläne? Der Cost-Average-Effekt - ein Mythos?

Stand: 10.07.2019, 15:44 Uhr

Sich Stück für Stück in den Aktienmarkt "hinein kaufen", über regelmäßige kleine Investment-Beträge, das klingt für viele Anleger nach wie vor überaus sinnvoll. Banken und Broker machen sich die Theorie vom Cost-Average-Effekt zunutze. Wider besseres Wissen?

Die Szenario-Rechnungen scheinen einfach Sinn zu machen: Wer pro Monat oder Quartal immer den gleichen Betrag in den Aktienmarkt hinein investiert, bekommt dafür weniger Aktien, wenn der Markt "teuer" ist. Und er erwirbt für den gleichen Sparbetrag einfach mehr Anteile, wenn es an den Börsen wieder einmal "gecrasht" hat.

"Günstigerer Einstiegskurs"

Bei Fondsgesellschaften, Banken, Brokern, aber auch Vermögensberatern innerhalb und außerhalb der Bankfilialen hat der Cost-Average-Effekt eine steile Karriere hingelegt. Finanzmathematiker haben die Vorteile des angeblich "günstigeren" Einstiegskurses bereits seit langem arg relativiert.

Auch in einer aktuellen Berechnung von Fondsmanager Jens Kummer von Mars Asset Management schneidet ein "gestückeltes" Investment in immer gleichen Raten nicht besser ab als ein als ein Einmalinvestment zu einem beliebigen Zeitpunkt. Kummer hat dazu einmalige Investments in rollierenden Zehn-Jahres-Zeiträumen mit einem Investment des immer gleichen Betrages über den gleichen Zeitraum verglichen. Als Basis diente dabei der Dax-Index ab 1964.

Einmalinvestment lohnte sich mehr

Das Ergebnis dürfte so manchen Bankberater wenig erfreuen. Über alle Zeiträume hinweg lag das Einmalinvestment mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 4,5 Prozent vor der Cost-Average-Strategie. Sie erreichte nur 3,9 Prozent jährlichen Wertzuwachs.

Auch ETF-Spezialist und Vermögensverwalter Gerd Kommer ist der Hype um den Cost-Average-Effekt ein Dorn im Auge. Die Kritik setzt bereits bei den Grundannahmen an. Ein Einmalinvestment etwa von 2.400 Euro einem monatlichen Investment von 100 Euro über 24 Monate gegenüber zu stellen, macht aus seiner Sicht gar keinen Sinn. Denn was geschieht beim Raten-Investor mit den nicht investierten Mitteln? Die fahren im schlimmsten Fall gar keine Rendite ein, weil sie praktisch unverzinst auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto liegen.

Einstiegspreis irrelevant

Auch der niedrigere Durchschnittspreis, bei dem im Cost-Average-Szenario geworben wird, hat im Grunde keine Aussagekraft, so Kommer. Für den "Endvermögenswert" komme es laut Kommer eher darauf an, wie viel Rendite jeder "Anteil" während seiner Zeit im Depot eines Anlegers erzeugt hat, nicht wie der Einstandspreis war.

Sowohl Fondsmanager Kummer als auch ETF-Experte Kommer sehen aber dennoch unbestreitbare Vorteile im "dauerhaften Anlegen". Kommer etwa rühmt einen "gesunden Disziplinierungseffekt" beim Umgang mit frei verfügbaren Mitteln. Viele Anleger würden es aus psychologischen Gründen gar nicht wagen, einmalig einen größeren Betrag in den Aktienmarkt zu investieren. Auch Jens Kummer will Sparpläne nicht verteufeln. "Ganz im Gegenteil: Sparpläne sind sinnvoll - jedoch bitte nicht mit dem Hauptargument der Durchschnittskosten! Im Vordergrund sollten eher die Anlagestrategie, die Laufzeit und die persönliche Risikotoleranz stehen.

AB