Warren Buffett

Extreme Überbewertung bei US-Aktien Buffett-Indikator schlägt Alarm

von Angela Göpfert

Stand: 16.10.2019, 11:03 Uhr

Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway hortet derzeit so viel Cash wie noch nie. Ein Blick auf den Buffett-Indikator zeigt: Der Altmeister hat dafür gute Gründe.

122 Milliarden Dollar Cash. Auf diesem unglaublichen Geldberg sitzt Berkshire Hathaway. Das erhöht den Druck auf Warren Buffett und seinen Geschäftspartner Charlie Munger. Aktionäre warten schon seit langem auf den nächsten großen Deal.

Gut möglich, dass sie noch ein Weilchen länger warten müssen. Es wird gemunkelt, Buffett sei das Gespür für erstklassige Investments abhanden gekommen. Vielmehr dürfte es aber so sein, dass Buffett gerade seinem Gespür folgt, wann ein großer Zukauf Sinn macht – und wann eben nicht.

"Der wohl beste einzelne Indikator"

Denn der von Buffett höchstpersönlich erfundene "Buffett-Indikator" schlägt Alarm. Dieser Indikator drückt die Marktkapitalisierung in Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Buffett hält ihn für "den wohl besten einzelne Indikator" zur Klärung der Frage, ob ein Aktienmarkt zu hoch oder zu niedrig bewertet ist.

Buffett-Indikator = Marktkapitalisierung / Wirtschaftsleistung

Wilshire 5000 im Fokus

Mit Blick auf die USA ist die Wirtschaftsleistung in dieser Formel einfach das amerikanische Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die Marktkapitalisierung des US-Aktienmarktes wird mit Hilfe des Wilshire 5000 gemessen.

Der Wilshire 5000 ist ein Aktienindex, der nahezu alle börsennotierten Unternehmen der USA umfasst. Im Gegensatz zum Dow Jones und S&P 500 sind diese Unternehmen nicht nach Marktkapitalisierung, sondern gleich gewichtet.

Buffett-Indikator USA: Marktkapitalisierung Wilshire 5000 / US-BIP

Das sagt der Buffett-Indikator aus

Laut Buffett ist der amerikanische Aktienmarkt signifikant unterbewertet, wenn die Ratio des Wilshire 5000 zum BIP weniger als 50 Prozent beträgt. Von einer signifikanten Überbewertung spricht Buffett, wenn die Ratio auf über 115 Prozent steigt.

Buffett-Indikator im Detail
Wert (in Prozent)Aussage
< 50 signifikant unterbewertet
> 50 <75 moderat unterbewertet
>75 < 90fair bewertet
>90 <115 moderat überbewertet
> 115signifikant überbewertet

Höher als zu Zeiten der Internet-Blase

Aktuell beläuft sich der Wert des Buffett-Indikators auf rund 139 Prozent. Er notiert damit noch höher als zu Zeiten der Dotcom-Blase im Jahr 2000, als er in der Spitze rund 137 Prozent erreichte.

Nur 2018 lag der Buffett-Indikator zeitweise noch höher als heute bei über 140 Prozent. Es folgte der Herbst-Absturz der Aktienmärkte.

Wilshire 5000 / US-BIP

In der Vergangenheit war der Buffett-Indikator ein guter vorauslaufender Indikator für die Entwicklung der Aktienmärkte. | Bildquelle: Advisors Perspectives, Grafik: boerse.ARD.de

Nur wenig Potenzial nach oben?

Der Buffett-Indikator hat damit heute erneut ein wahrlich beängstigendes Niveau erreicht. Zumal wenn man bedenkt, dass er vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 bei gerade einmal 105 Prozent notierte.

Unterm Strich bieten US-Aktien aus der Perspektive von Warren Buffett damit nur wenig Potenzial auf der Aufwärts-Seite – und dafür umso mehr auf der Abwärts-Seite.

Über die Irrationalität von Aktienmärkten

John Maynard Keynes

Sprach aus leidvoller Erfahrung: John Maynard Keynes. | Bildquelle: picture alliance / dpa

An dieser Stelle lohnt es sich aber, einen anderen Großen zu zitieren: Laut keinem Geringerem als dem britischen Ökonomen John Maynard Keynes können Aktienmärkte nämlich länger irrational bleiben als Anleger liquide.

Tatsächlich ist der US-Aktienmarkt laut Buffett-Indikator bereits seit dem Jahr 2016 überbewertet – und trotzdem erklommen die US-Indizes in Folge immer neue Allzeithochs. Die Gretchenfrage bleibt damit weiterhin, wann diese Überbewertung wieder abgebaut wird.