Britische und Europa-Flagge - davor ein One Way-Schild

Deal oder No Deal? Der Brexit wirft Schatten voraus

Stand: 10.09.2018, 11:06 Uhr

Harter oder weicher Brexit? Noch immer ist keineswegs klar, ob es einen geordneten Austritts Großbritanniens aus der EU geben wird. Die Zeit wird allmählich knapp, die Unsicherheiten wachsen. Auch die Anleger werden immer nervöser.

Am 29. März 2019 will sich Großbritannien endgültig aus der EU verabschieden. Premierministerin Theresa May hatte im Juli ihre Vorstellungen über das künftige Verhältnis zur EU vorgestellt. Sie verfolgt einen unternehmerfreundlichen Brexit und will für Waren eine Freihandelszone mit der EU schaffen und einen Teil der gemeinsamen Regeln beibehalten. Bis November peilt London eine Lösung an.

„Vollkaskoscheidung vermeiden“

Robert Halver, Marktstratege bei der Baader Bank hat dazu eine klare Meinung: „Das wäre eine Scheidung, bei der ein Partner weiter das gemeinsame Haus bewohnt und sich ungeniert am Kühlschrank bedient, ohne ihn selbst aufzufüllen. Diese Vollkasko-Scheidung muss die EU ablehnen, um keine Trennungsanreize bei anderen aufkommen zu lassen“, unterstreicht der Experte. Und beim Chaos-Brexit? Halver zufolge gehe es bei einer schmutzigen Scheidung ohne Einigung den Briten zukünftig nicht nur schlecht, sondern richtig dreckig.

Irgendeine Form von Verhandlungslösung werde es aus Sicht der Helaba geben: „Die Sorge vor dem „No-Deal“-Szenario dürfte die Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten fördern“, meinen die Experten, denn: kurzfristig würde die britische Konjunktur unter dem Szenario massiv leiden, zeitweise würde die Wirtschaft schrumpfen. „Von einem Kompromiss  dürfte das Britische Pfund profitieren“, zumal die Währung, laut Helaba, „fundamental günstig bewertet sei“.

Londoner Aktienmarkt ist besser gelaufen

Das Britische Pfund habe zuletzt aus Furcht vor einem „No Deal“-Brexit nachgegeben, schreiben die Analysten der Helaba. Aber was bedeutet das für die Investoren? In den vergangenen Monaten hatte sich der Londoner Leitindex FTSE 100 aufgrund des tendenziell schwächeren Pfunds dezent besser entwickelt als beispielsweise der Dax.

Theresa May

Theresa May. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Aber selbst bei einer Verhandlungslösung werde es Probleme geben, so die Fachleute der Commerzbank: Auch wenn im Zusammenhang mit der Brexit-Debatte von reibungslosen Grenzen die Rede sei, gehe aus der volkswirtschaftlichen Literatur  hervor, dass der internationale Handel mit erheblichen Kosten verbunden sei. „Neben Zöllen treiben die Kosten für die rechtliche und vertragliche Durchsetzung, Transport und Vertrieb den finanziellen Aufwand des grenzüberschreitenden Handels deutlich in die Höhe.“

Optimisten für britische Anlagen (noch) in der Überzahl

Umso wichtiger sei nach Ansicht der Coba-Fachleute, dass sich Großbritannien und die EU auf eine Art Kompromiss einigen, um die Brexit-Kosten zu minimieren. „Zwar werden beide durch eine Nichteinigung Nachteile erleiden, doch die sich in Großbritannien ergebenden Verluste dürften auf längere Sicht recht erheblich sein.“

Wie schwierig die Einschätzung für Anleger ist, zeigt auch das aktuelle Brexometer des Finanzdienstleisters State Street. „Die Stimmung der Anleger in Bezug auf britische Anlagen spaltet sich zunehmend, da die Fristen für den Brexit eine immer größere Rolle spielen“, sagte Michael Metcalfe, Leiter Global Macro Strategy bei State Street Global Markets. „Insgesamt sind die Optimisten, also diejenigen, die ihren Bestand zu erhöhen planen, immer noch gerade so in der Überzahl.“

ts