Aktienhändler telefoniert vor Monitoren mit Kursen

Billigbroker schaffen Ordergebühren ab Aktienhandel zum Nulltarif

Stand: 03.12.2019, 15:31 Uhr

Neue, schlanke Geschäftsmodelle machen es möglich: Die Transaktionsorder für den Aktienkauf gibt es auch in Deutschland inzwischen kostenlos. Für die arrivierten Onlinebroker gibt es neue Konkurrenz, was die Rabattschlacht weiter antreibt.

Noch gibt es sie: Anleger, die bei ihrer Bankfiliale eine Aktienorder aufgeben und dafür 0,5 oder sogar ein Prozent des Kaufvolumens an Gebühren berappen. Doch sie dürften eine immer kleinere Minderheit sein. Seit Jahrzehnten kann man inzwischen Wertpapierorders einfacher und vor allem günstiger online über Direktbanken wie Comdirect, ING-Diba oder die Consorsbank abwickeln. Sie verlangen in der Regel einen fixen oder volumenbezogenen Betrag, der sich je nach Ordergröße und Anbieter zwischen 5,00 und 50,00 Euro abspielt.

Doch auf diesen Online-Banken weht inzwischen der Wind einer immer stärkeren Konkurrenz ins Gesicht: Die Herausforderer heißen Trade Republic, Justtrade und Gratisbroker. Die Ordergebühren haben die jungen Discountbroker, deren Gründer oft selbst aus dem Bankgeschäft kommen, kurzerhand ganz abgeschafft.

Robinhood gab den Startschuss

Der Trend zum kostenlosen Wertpapierhandel kommt aus den USA. Dort hat sich die Broker-App Robinhood bereits vor rund zwei Jahren als Alternative zu "klassischen" Online-Brokern etabliert. Robinhood, das sich vor allem ans jüngere Zielpublikum wendet und inzwischen den Markteintritt in Großbritannien vorbereitet, hat inzwischen sechs Millionen Kunden. In den USA tobt auch unter den Großen der Branche ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb über den Faktor Kosten. Vor wenigen Wochen hat der Vermögensverwalter Charles Schwab angekündigt, auf Kommissionen für das Geschäft mit US-Aktien und Indexfonds (ETFs) zu verzichten. Branchenführer Fidelity zog inzwischen nach.

Hierzulande hat das Thema kostenloser Aktienhandel im laufenden Jahr kräftig an Fahrt gewonnen. Die bisher günstigen Online-Broker Flatex, Onvista Bank und DeGiro wurden durch den Markteintritt des Berliner Fintech-Unternehmens Trade Republic noch einmal deutlich unterboten. Das Gründerteam hat 2019 eine Lizenz als Wertpapierhandelsbank erhalten. Der Preis für eine Kauf- oder Verkaufsorder: Null Euro. Allerdings gibt Trade Republic Fremdkosten in Höhe von 1,00 Euro je Transaktion an die Kunden weiter. Gehandelt wird ausschließlich mobil über eine App.

Null, ohne Zusatzkosten

Das Kostenlos-Karussell in Sachen Ordergebühren dreht sich im Herbst 2019 noch schneller. Anfang Oktober starteten die Sutor Bank und das Start-up-Unternehmen JT Technologies den Broker Justtrade. Neuer Preis im deutschen Markt für Wertpapier-Orders: Null Euro komplett, denn hier fällt nicht einmal eine Fremdgebühr an.

Und im November 2019 hat auch Gratisbroker.de seinen Marktstart geschafft. Der Name ist Programm, auch beim Münchener Gründerteam, das das Geschäft bei der DAB-Bank gelernt hat, gibt es nullkommanull Kosten für die Order bei Aktien, ETFs, Fonds und auch Derivaten wie Optionsscheinen.

Die neuen Anbieter sind allerdings keine Benefizveranstaltung in Sachen Finanzanlage für Bundesbürger. Das wird klar, wenn man einen genaueren Blick auf das Handelsangebot und die Produktpaletten von Trade Republic, Justtrade und Gratisbroker.de wirft.

Handeln außerhalb der Börse

In allen drei Fällen werden die Orders nicht über einen klassischen Börsenplatz wie die Frankfurter Börse und auch nicht über das Handelssystem Xetra der Deutschen Börse abgewickelt. Statt dessen nutzen die Anbieter etwa die Plattform des Handelshauses Lang & Schwarz oder Gettex, einen elektronischen Handelsplatz, auf dem die Baader Bank und die HypoVereinsbank als Market Maker agieren. Die Kurse auf diesen Plattformen sind also nicht das Ergebnis von Angebot und Nachfrage wie an einer Börse, sondern werden "gestellt". Dies geschieht allerdings börsennah, die Kurse an den klassischen Handelsplätzen dienen als Referenz. Die Kostenlos-Broker erhalten dafür, dass sie Order an diese Handelsplätze verweisen, Gebühren von deren Betreibern, die zwar für jeden Trade minimal sind, sich in der Masse aber "läppern".

Dazu kommen "Kickbacks" von Produktpartnern. Fondsanbieter oder Derivateemittenten lassen es sich ebenfalls kleine Belohnungen kosten, wenn ihre Produkte möglichst exklusiv bei einem der Kostenlos-Broker ins Schaufenster gestellt werden. Bei den drei Newcomern sind dennoch Aktien, Fonds und ETFs noch in begrenzter Zahl handelbar.

Auf den Genuss der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro müssen Anleger bei keinem der Broker verzichten, dafür sorgen die Bankenpartner. Im Fall von Trade Republic ist das die Solaris Bank, bei Gratisbroker die Baader Bank und bei Justtrade die Sutor Bank. Letztere ist Mitglied im freiwilligen Sicherungsfonds der deutschen Banken ist, damit liegt die Haftungssumme sogar bei rund 1,3 Millionen Euro.

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Billig-Broker im Überblick Gebührenjagd beim Aktienkauf

Trade Republic

Trade Republic
Der Neueinsteiger in Sachen Brokerage bietet seit Anfang 2019 etwas, was es auf dem Markt zuvor nicht gab: Provisionsfreien Aktien- und ETF-Handel plus niedrige Spreads, die sich in etwa an Xetra orientieren sollen. Bezahlt werden müssen pro Order nur ein Euro an Fremdkostenpauschale. Dazu kooperiert das Start-up mit LS Exchange dem elektronischen Handelsplatz der Börse Hamburg. Dahinter steht das Handelshaus Lang & Schwarz.

AB