Seifenblase vor fliegenden Euroscheinen

Börsenguru Grantham warnt vor Crash Ganz viel heiße Luft

Stand: 30.01.2018, 14:08 Uhr

Crash-Prophet Jeremy Grantham beunruhigt Investoren: In den nächsten sechs Monaten, spätestens in zwei Jahren, kommt es zum Crash, sagt der Börsenguru. Aber erst mal gibt es noch einen letzten Angriff auf den Gipfel.

Grantham ist bekannt für seine Weitsicht. Vor allem für seine Crash-Vorhersagen. Er sagte die großen tektonischen Verschiebungen an den Finanzmärkten voraus: die Dotcom-Blase und ihr Platzen, die Immobilien- und Finanzkrise, die Staatsschuldenkrise. Und jetzt spricht er wieder von einem sich anbahnenden neuen Crash in nicht mehr allzu ferner Zukunft.

Crash schon im Sommer?

Grantham, der als Mitgründer und Chefstratege der Investmentfirma GMO (Grantham, May & van Otterloo) rund 80 Milliarden US-Dollar Vermögen von hauptsächlich institutionellen Kunden verwaltet, warnte jüngt in einem 13-seitigen Brief an seine Investoren: Innerhalb der nächsten sechs Monate bis zwei Jahre könnten die Aktienmärkte einbrechen.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 5 Jahre
Kurs
24.448,69
Differenz relativ
-0,06%

Die Kurse könnten sich halbieren, so der 79-Jährige. Grantham gilt er als eher konservativer Investor, als so genannter Value-Investor, der vor allem auf unterbewertete Firmen setzt. Er hat die Rally der letzten Monate zum Anlass genommen, die Aktienblasen der vergangenen Jahrzehnte zu analysieren. Das immer wiederkehrende Muster aller Blasen aber ist, dass sich der Preisanstieg in der Endphase beschleunigt. Die Börsianer sprechen von einem "melt-up", einem heftigen Kursanstieg an den Börsen, der vor allem dadurch ausgelöst wird, dass nun auch die breite Masse in den Markt einsteigt, aus Angst, etwas zu verpassen.

"Letzter Angriff auf den Gipfel"

Im letzten halben Jahr sind die amerikanischen Aktienmärkte stetig gestiegen. Das ist noch nicht mit dem "melt-up" gemeint. Aber damit wurde laut Grantham die Basis gelegt, dass nun der letzte "Angriff auf den Gipfel" startet. Es gebe nun eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass wir bis 2020 die Endphase einer Blase erleben. Es könnte aber auch schon im Sommer 2018 so weit sein.

Obwohl die Bewertungen schon heute so hoch sind wie vor dem Börsenkrach 1929 – nur in der Dot.com-Blase standen die Kurse an der Wall Street noch höher – könnte es durchaus sein, dass die Märkte in den nächsten 21 Monaten nochmals 60 Prozent zulegen, schrieb er in seinem Investorenbrief zu Jahresanfang. Das wäre vergleichbar mit dem prozentualen Anstieg der 2000er und der 2008er Blase.

Das entspräche bezogen auf den marktbreiten amerikanischen Leitindex S&P 500 einem Stand von 3.700 Punkten. Aktuell steht der Index bei 2.854 Punkten. Die Chancen dafür lägen bei rund 50 Prozent.

Jeremy Grantham

"What goes up, must come down." Ein Leitspruch der Investorenlegende Jeremy Grantham. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Sollte es zu einem solchen "melt-up" kommen, folgt der Absturz beinahe unweigerlich. Die Wahrscheinlichkeit eines folgenden "melt-down ist sehr sehr hoch, bei über 90 Prozent", prognostiziert Grantham. Und dieser Kursrückgang dürfte ordentlich sein, um die 50 Prozent.

Wann kommt denn nun der Crash?

Die Frage nach dem Timing ist immer die entscheidende bei Investments. Bislang hatte der starke Kursanstieg durchaus eine fundamentale Berechtigung. Das Ende der Rally ist also noch nicht zwingend nah. Daher verweist Grantham auch auf weitere Zeichen, auf die Anleger achten sollten.

So ist es kritisch, wenn sich die Rally auf einige wenige Gewinner-Aktien konzentriert. Das spricht dafür, dass Aktienkäufer eher auf kurzfristige Trading-Erfolge aus sind als auf eine langfristige Werteentwicklung. Das muss laut Grantham zum Crash führen.

Ein Warnzeichen ist auch, wenn der Ton der breiten Presse- und TV-Berichterstattung optimistisch wird. Wenn die Medien sich zum Beispiel auf Themen wie die Bitcoin-Rally stürzen. Dann ist es nur noch eine Frage von kurzer Zeit bis zum großen Knall.

bs

Darstellung: