Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Nach historischem Kursrutsch Börsen-Wende an den Iden des März?

von Angela Göpfert

Stand: 16.03.2020, 14:18 Uhr

Hüte Dich vor den Iden des März! Tatsächlich hat dieses historisch belastete Datum auch 2020 großes Unheil gebracht. Doch nun könnte ein Tiefpunkt an den Märkten allmählich näher rücken.

Ein Datum aus dem römischen Kalender hat bis heute seine Faszination nicht verloren: die Iden des März. "Cave Idus Martias" – hüte Dich vor den Iden des März! Mit diesen Worten soll ein namentlich nicht genannter Augur Cäsar vor einer Verschwörung gegen ihn gewarnt haben. Als Iden wurde im römischen Kalender der Tag in der Mitte des Monats bezeichnet.

Doch der römische Kaiser nahm die Warnung nicht ernst. Am 15. März 44 v. Chr. wurde Cäsar ermordet. Seither üben die Iden des März eine geradezu magische Faszination auf die Menschen aus – auch an der Börse.

Die Ermordung des römischen Kaisers Julius Cäsar, Gemälde von Tancredi Scarpelli (1866-1937)

Nahm die Warnung nicht ernst: Julius Cäsar. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Immer im März

So lag das Hoch der Dotcom-Blase in der Nähe des 15. März. Der Nemax, der die Wachstumswerte des Neuen Marktes abbildete, erreichte am 10. März 2000 sein Allzeithoch. Der Dax markierte bereits am 7. März einen Rekordstand von 8.136 Punkten. Erst drei Jahre später, am 12. März 2003 erreichte er seinen tiefsten Punkt. Milliardenwerte waren vernichtet, unzählige Kleinanleger um ihr Geld gebracht.

Broker verzweifelt am Telefon

Im März 2009 war die Verzweiflung am größten. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auffällig ist aber: Auch das Tief 2003 wurde im Umfeld der Iden des März markiert. Ebenso wie das Dax-Tief 2009 in der Finanzkrisen-Baisse: Am 9. März fiel der Dax bis auf 3.589 Punkte. Es war der Beginn einer unglaublichen Aufholjagd: Ende 2009 kletterte der Dax wieder über 6.000 Punkte. Im Vergleich zu seinem Tief vom März hatte der Index mehr als 60 Prozent zugelegt.

Der März war an der Börse damit des Öfteren der perfekte Zeitpunkt für eine gelungene Wende nach oben. Wie stehen die Zeichen dafür, dass sich die Geschichte 2020 wiederholt?

Historisch einmaliger Kursrutsch

Tatsache ist: Wer die Warnung vor den Iden des März 2020 an der Börse berücksichtigte, hat alles richtig gemacht. Nur vier Wochen nach seinem Rekordhoch bei 13.795 Punkten notiert der Dax rund 40 Prozent niedriger auf einem Fünfeinhalb-Jahres-Tief von 8.396. Nie zuvor in seiner Geschichte ging es für den deutschen Leitindex so schnell so drastisch bergab.

Auch die Furcht der Anleger ist so groß wie nie zuvor. Der Volatilitätsindex VDax, der die erwartete Schwankungsbreite der Dax-Kurse misst und nicht umsonst als "Angstbarometer" der Börse bezeichnet wird, steigt am Montag um 21 Prozent auf ein Rekordhoch von 89,95 Punkten.

Extremwerte beim Sentiment haben in der Vergangenheit häufig die Basis für eine Wende nach oben geschaffen – so auch diesmal? Michael Strobaek, globaler Chefanlagestratege der Credit Suisse, ist der Ansicht, dass die Marktrisiken hoch bleiben werden. "Der Zeitpunkt, um sich wieder stärker zu engagieren, ist noch nicht gekommen."

Alle Augen auf Italien

Ein Ende der Börsen-Panik ist in Sicht, betont dagegen Robert Rethfeld von "Wellenreiter-Invest" im Gespräch mit boerse.ARD.de. "Der ganz große Verkaufsdruck, der Großteil der Panik müsste jetzt draußen sein. Wir sind dicht davor, ein erstes Tief zu setzen."

Für eine nachhaltige Erholungsbewegung braucht der Markt jetzt in erster Linie positive fundamentale Neuigkeiten. Marktexperte Rethfeld rechnet damit, dass sich der komplette Lockdown in Italien etwa ab Mitte dieser Woche in einer sinkenden Zahl der Neuinfizierten widerspiegeln dürfte. "Dann würde ein Aufatmen durch die Märkte gehen."

Soldaten mit Mundschutz auf dem Domplatz in Mailand

Zeigt der Lockdown in Italien bald Erfolge?. | Bildquelle: picture alliance / C. Furlan / LaPresse via ZUMA / dpa

Achtung, Verfallswoche!

Hinzu kommt: Die laufende Woche ist eine Verfallswoche, am Freitag ist Großer Verfallstag. Viele professionelle Anleger schließen an diesem Tag ihre Long- oder Short-Positionen.

Damit tritt eine Bereinigung ein, die durchaus den Boden für einen längerfristigen Trendwechsel bilden kann. In der Vergangenheit hat der Markt in dieser Zeit häufig wichtige vorläufige Hoch- oder Tiefpunkte ausgebildet, die dann für viele Monate bestimmend waren.

Buffetts Bonmot

Warren Buffett

Contrarian Warren Buffett. | Bildquelle: picture alliance/AP Images

"Sei gierig, wenn alle anderen ängstlich sind", lautet ein Bonmot der Investmentlegende Warren Buffett. Der Chef des Anlagevehikels Berkshire Hathaway hatte das in der Finanzkrise weidlich praktiziert – und damit in den Folgejahren außergewöhnliche Gewinne eingefahren.

Elf Jahre nach dem Finanzkrisen-Tief im März 2009 bahnt sich nun ein weiterer Wendepunkt in der Finanzgeschichte an. Womöglich noch im März.