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Was macht eigentlich...? Blackrock, die heimliche Weltmacht

von Thomas Spinnler

Stand: 07.12.2018, 06:45 Uhr

Wie mächtig ist der Vermögensverwalter Blackrock? Mit der Kandidatur von Friedrich Merz für den Posten als CDU-Parteichef rückt auch sein Arbeitgeber in den Fokus. Kritiker halten den Konzern sogar für gefährlich.

Der Vermögensverwalter Blackrock scheint überall zu sein: Die weltgrößte Fondsgesellschaft verwaltete zuletzt rund 6.400 Milliarden Dollar an Kundengeldern. Laut Daten der Finanzaufsicht BaFin ist der Konzern an mindestens 67 Aktiengesellschaften hierzulande beteiligt. Der Aktionärsvereinigung DSW zufolge ist der Finanzkonzern bei 20 der 30 Dax-Unternehmen größter Einzelaktionär, bei 19 Dax-Konzernen hält er mehr als fünf Prozent der Anteile. Blackrock soll in seinen Fonds und börsengehandelten Indexfonds (ETFs) rund sieben Prozent am Dax halten.

Das bedeutet, dass Blackrock über die Stimmrechte der Aktienpakete den Kurs der Unternehmen mitbestimmen kann und die Stimme unter anderem etwa bei Siemens, Daimler oder der Deutschen Bank, wo der Konzern zu den wichtigsten Aktionären zählt, ganz erhebliches Gewicht hat. Kein Wunder also, dass viele Experten die extreme Marktmacht des Giganten kritisieren, der zusammen mit den Fondsanbietern Vanguard und State Street rund 80 Prozent des globalen ETF-Markts beherrscht.

Laurence Fink, CEO Blackrock

Blackrock-CEO Laurence Fink: "Die Ziele unserer Kunden sind unsere eigenen." . | Quelle: picture-alliance/dpa

Management-freundliches Abstimmungsverhalten

Im vergangenen Jahr hatte sich die Universität Amsterdam in einer Studie mit dem Abstimmungsverhalten der sogenannten Big Three befasst. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die „großen Drei“ meistens Management-freundlich stimmen, allerdings durch ihr gewaltiges Stimmgewicht schon vor Abstimmungen einen weitreichenden Dialog mit dem Management halten und somit indirekt über den Kurs der Unternehmen entscheiden.

Oder anders formuliert: Das bloße Gewicht der Vermögensverwalter macht es unnötig, gegen das Management der Unternehmen zu stimmen, da es für das Management rational ist, sich nicht gegen die Interessen der Verwalter zu stemmen. Diese Form von Einfluss ist äußerst schwer zu quantifizieren. Vorstandschef und Mitgründer Larry Fink ist die Kritik natürlich bekannt, er äußerte sich anlässlich der Merz-Kandidatur jüngst in einem offenen Brief auf der Firmenseite zu diesem Thema. Blackrock sei ein langfristiger Investor:   

»Wir handeln stets in vollem Bewusstsein der großen Verantwortung, die wir tragen. Denn wir sind Treuhänder der Ersparnisse vieler Millionen Menschen weltweit. Dazu gehören Arbeiter und Angestellte ebenso wie Unternehmer und Rentner. Wir verwalten Geld für Sie. Wir verwalten es nicht für uns selbst. Die Ziele unserer Kunden sind unsere eigenen.«

Larry Fink, CEO Blackrock

Icahn hält Blackrock für gefährlich

Auf dem Anleihemarkt ist Blackrock ebenfalls eine große Nummer. Der als aktiver Investor nicht gerade als zimperlich bekannte Carl Icahn sagte einst, er halte Blackrock für ein sehr gefährliches Unternehmen. Icahn begründete diese Einschätzung mit dem Übergewicht von börsennotierten Anleihefonds, die Blackrock verkauft. Diese ETFs seien „extrem illiquide und extrem überbewertet“, während sie die Illusion gäben, liquide zu sein. Fink gab zurück, dass ETFs mehr Preistransparenz als alles andere im Anleihemarkt schaffen würden.

Ob von Blackrock & Co. ein "systemisches Risiko" für den Finanzmarkt ausgeht, wird immer mal wieder diskutiert. Die Position der Vermögensverwalter dazu ist schnell zusammengefasst: Anders als etwa Banken, die ihre Kundeneinlagen mit Fremdkapital hebeln, nehme man Ausfallrisiken nicht auf die eigene Bilanz, deshalb sei das Ausmaß der lediglich  verwalteten Kundengelder keine geeignete Größe, um die Gefährlichkeit zu bestimmen.           

Mitschuld an der Finanzkrise?

Fink startete die Firma 1988 als kleines Nebengeschäft der Beteiligungsgesellschaft Blackstone. Er machte Blackrock durch den Kauf des Fondsanbieters iShares nach der Finanzkrise endgültig zum Branchenriesen. Das sei nicht ohne Ironie, schreibt dazu die Wochenzeitung "Die Zeit": Blackrock-Gründer Larry Fink sei einer derjenigen gewesen, die jene Hypothekenpapiere ausgeheckt hatten, deren Implosion die Krise mit ausgelöst habe. Das habe ihn und sein Team später zu begehrten Experten für Investoren gemacht, die von den Finanzinstrumenten und deren Auswirkungen überfordert gewesen seien.  

In der Finanzwelt und der Politik gilt Fink, der auch als der mächtigste Mann der Wall Street bezeichnet wird, als ausgezeichnet vernetzt. Nach mehr als 40 Jahren in einer Branche, die durchaus die Nähe zu den sogenannten Entscheidungsträgern sucht, um ihre Interessen durchzusetzen, ist das kaum verwunderlich.

Friedrich Merz

Friedrich Merz: Interessenkonflikte mit der Finanzwelt?. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Blackrock berät Regierungen und Notenbanken. Zu Finks Freunden zählen EZB-Präsident Mario Draghi und der ehemalige US-Finanzminister Timothy Geithner. Und sollte Friedrich Merz, der sich jüngst für Altersvorsorge durch Aktien aussprach, zum CDU-Chef gewählt werden, hätte Fink auch in Deutschland einen guten Ansprechpartner.