Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ

Aktueller BIZ-Bericht Welche Gefahren die Notenbank der Notenbanken sieht

Stand: 09.12.2019, 06:45 Uhr

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat ihren Quartalsbericht veröffentlicht. Das Baseler Institut wird auch als "Notenbank der Notenbanken" bezeichnet. Entsprechend stark werden ihre Aussagen beachtet.

Viermal im Jahr blickt die BIZ auf das zu Ende gehende Quartal zurück. Dabei äußert sie sich unter anderem zur Entwicklung an den internationalen Börsen.

S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.327,96
Differenz relativ
+0,33%

Sorgen bereiten Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ, die hohe Risikobereitschaft am Aktien- und am Anleihemarkt. Borio nennt beispielhaft den sehr niedrigen Stand des Volatilitäts-Index’ VIX, der die erwartete Schwankungsfreudigkeit des S&P 500 misst. Dieser enthält die 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA.

Der Volkswirt verweist zudem darauf, dass gewisse Marktteilnehmer mit sehr viel Geld auf einem weiteren Rückgang des VIX wetten. Das deute auf hohe Bewertungen an den Aktienmärkten hin.

Da der VIX im Quartal auf einen sehr niedrigen Stand gefallen ist, rechnen die Marktteilnehmer mit nur sehr geringen Schwankungen an den Aktienmärkten. Je niedriger der VIX notiert, desto wahrscheinlicher ist es, dass er irgendwann einmal wieder steigt. Und in Zeiten fallender Kurse an den Aktienmärkten steigt die Volatilität erfahrungsgemäß an.

Hohe Bewertung in Amerika

Doch auch auf Basis der Gewinnentwicklung geht Borio von einer hohen Bewertung am amerikanischen Aktienmarkt aus - höher jedenfalls als an vielen anderen Aktienmärkten.

Etwas weniger eindeutig stellt sich laut Borio die Lage dar, wenn man die Anleiherenditen mit einbezieht. "Im Vergleich zu den ungewöhnlich niedrigen Anleiherenditen scheinen die amerikanischen Aktienmärkte jedoch ungefähr angemessen bewertet", so Borio.

Wie stabil sind die Anleihemärkte?

Allerdings hat der Experte offenbar auch Zweifel daran, wie nachhaltig die niedrigen Anleiherenditen sind. Sollte diese wieder steigen, sieht er das wiederum als Gefahr für die Aktienmärkte.

Besonders den Markt für Unternehmensanleihen sieht er kritisch: In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften seien die Renditeaufschläge der Unternehmenspapiere im Verhältnis zu Staatsanleiherenditen im historischen Vergleich niedrig gewesen, so Borio. Allerdings gehe die Entwicklung mit deutlichen Anzeichen zunehmender Risikobereitschaft wie dem hohen Absatz hochverzinslicher Anleihen und umfangreicheren Zuflüssen in Schwellenländer-Fonds einher. "Gleichzeitig nahmen die Ausfallquoten und Bonitätsherabstufungen für Emittenten hochverzinslicher Papiere zu", so Borio.

"Schwächen an den Finanzmärkten"

Borios Fazit: "Ziemlich hohe Bewertungen von Vermögenswerten, hohe Risikobereitschaft und schwer zu deutende Veränderungen im Finanzsystem: Dieser Mix lässt bestimmte Schwächen an den Finanzmärkten vermuten, denen sowohl Marktteilnehmer als auch Zentralbanken große Aufmerksamkeit schenken sollten."

ME