Grafische Darstellung von drei Formel Eins-Rennwagen und US-Fahne

Rückblick auf die Geschichte des Dow Jones Bärenmärkte und Rallys - das passt!

Stand: 16.01.2019, 09:33 Uhr

Rasante Rallys, teils hervorgerufen durch Short Squeezes, sind keine Seltenheit in Bärenmärkten. Eher im Gegenteil: Sie sind sogar charakteristisch. Das zeigt ein Blick in die Historie des Dow Jones.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag ging es an der Wall Street in New York heftig zur Sache. Während hierzulande die Börse geschlossen hatte, verzeichnete der Dow Jones den größten absoluten Tagesgewinn der Geschichte. Der US-Leitindex schnellte an einem einzigen Handelstag um über 1.000 Punkte in die Höhe. Das gab es noch nie.

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.438,55
Differenz relativ
-0,09%
S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.921,90
Differenz relativ
-0,12%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.816,92
Differenz relativ
+0,42%

Auch die anderen großen Börsenindizes legten in gleicher Größenordnung zu und stiegen prozentual so stark an wie seit März 2009 nicht mehr. Der marktbreite S&P-500-Index gewann fast fünf Prozent und an der Technologiebörse Nasdaq legte der Composite-Index 5,8 Prozent zu.

Und das alles in einem Bärenmarkt mit Handelsstreit, Haushaltssperre und Zinsängsten, in dem der Dow seit seinem Jahreshoch im Oktober bis kurz vor Weihnachten etwa 16 Prozent abstürzte.

Aktienrallys in einem negativen Marktumfeld sind jedoch alles andere als selten. Kaufpaniken treten in der Regel nicht in Bullenmärkten auf. An 31 von 35 Tagen seit 1970, an denen der Dow Jones mehr als vier Prozent kletterte, lag er unter seinem 200-Tage-Durchschnitt.

Woran könnte das liegen?

Oft sind die sogenannten "Shorties" für solch eine Rally verantwortlich. Das sind Leerverkäufer, die geliehene Wertpapiere verkaufen und hoffen, sich bis zum Erfüllungstermin billiger als bei Vertragsabschluss mit den Aktien wieder eindecken zu können.

Wenn die Titel allerdings an Wert zulegen, werden sie auf dem falschen Fuß erwischt. Um ihre Verluste begrenzt zu halten, müssen sie das steigende Wertpapier am Markt zurückkaufen. Je höher der Kurs steigt, desto mehr Anleger werden zu diesen Deckungs- oder Panikkäufen gezwungen. Ein solcher Short Squeeze führt dann zu den charakteristischen steilen Aufwärtskurven im Tageschart.

Wall Street mit Blick auf die New York Stock Exchange

Wall Street. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

Nachfolgend ein paar Beispiele für Bärenmarktrallys aus der Vergangenheit der Wall Street:

1970

Am 27. Mai 1970 befand sich der Dow ebenfalls in einer Baisse. An diesem Tag starteten die Aktienkurse kaum verändert, stiegen im Verlauf um 5,4 Prozent an, ehe sie abstürzten und auf Tagessicht nur um 1,8 Prozent gewannen. Scheinbar hatten die Bären die Kontrolle nach kurzer Unterbrechung zurückerobert. Allerdings hatte sich ein Boden gebildet, sodass am nächsten Tag der Markt um 6,4 Prozent in die Höhe schoss.

1974

An einem Tag im Dezember 1974 stiegen die Kurse zunächst stark an, ehe sie wieder 2,4 Prozent zurückfielen und nahe ihrer Eröffnung schlossen. Diese Art von Kerze hat das Potenzial, einen Wendepunkt zu markieren. In diesem Fall war es ein kurzfristiger Tiefpunkt. Die Aktien legten in den nächsten Tagen zweimal um vier Prozent zu, bevor sie sich von erneuten Tiefständen einige Wochen später wieder erholen konnten. Auf diesen "doppelten Boden" hoffen Händler auch aktuell.

1980 und 1982

Bis zum 27. März 1980 war der Dow Jones in nur 31 Tagen um 20,5 Prozent gesunken. An diesem Tag fiel der Index ebenfalls um 4,2 Prozent, bevor er die Tiefststände hinter sich ließ und 0,28 Prozent höher schloss. Nach mehreren Rückschlägen stieg der Dow am 22. April schließlich um vier Prozent. Das war die Wende: Im gleichen Jahr gewann er 30 Prozent. Rund zwei Jahre später gab es erneut Panikkäufe. Ein Plus von 4,9 Prozent leitete im August 1982 eine der größten Bullenmärkte der Geschichte ein.

1998

Im Oktober 1998 legte der Dow am Tag nach einem Tiefpunkt um 3,8 Prozent und einige Tage später gar um fünf Prozent zu. In den nächsten Wochen gab er die meisten Gewinne in einem erschreckenden Monat für die Anleger jedoch wieder ab.

2001

2001 fiel der Markt um sieben Prozent, gab aber nur wenig Aufschluss darüber, was in der Wirtschaft passierte. Es gab zwei Vier-Prozent-Zuwächse in dem Jahr: den ersten im April und den zweiten im September, einen Tag nach dem besagten Tiefpunkt.

2002

2002 war die Baisse noch stärker. Der Dow sackte um fast 17 Prozent ab. Dennoch gab es fünf Tage zwischen Juli und November, an denen der Index um vier Prozent kletterte - jeweils nach einer versuchten Bodenbildung.

2008 und 2009

Ganze neun Tage mit vier Prozent Plus gab es 2008, unter anderem im Oktober den höchsten prozentualen Tagesgewinn (über elf Prozent) seit 1932. Und das, obwohl der Dow im Zuge der Finanzkrise in dem Jahr insgesamt um fast 25 Prozent einbrach und zeitweise wieder auf dem Niveau von 1997 lag. Auch zu Beginn 2009 hatten die Bären den Markt fest im Griff - bis zum 10. März. Dort stieg er erneut kräftig um 5,8 Prozent und leitete eine neue Ära ein.

tb